Welche Probleme lösen Elektroautos – und wo werden sie überschätzt? Teil 3/3: Die Flächeneffizienz (Abo)

Braucht immer noch viel Platz: Elektroauto in Zürich. Bild: Severin Demchuk / Unsplash

Lösen Elektroautos Verkehrsprobleme? Wie sauber sind sie wirklich und welche Folgen hat die Förderung der Rohstoffe für ihre Batterien? Mobimag beantwortet die drängendsten Fragen zur Elektromobilität in einer Serie. In diesem Teil geht es um die Frage nach der Flächennutzung in den Städten.

von Stefan Ehrbar
5. Oktober 2021


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Elektroautos haben eine bessere Klimabilanz als Verbrenner – wenn auch stark abhängig von der Anzahl gefahrene Kilometern (mehr dazu lesen Sie im ersten Teil der Mobimag-Serie). Die Rohstoffgewinnung für die Akkus ist problematisch, aber Lösungen dazu sind in Sicht (mehr dazu im zweiten Teil). Doch können Elektroautos auch dort eine Lösung für die Verkehrsprobleme darstellen, wo diese am akutesten sind – nämlich in den Städten?

Die Antwort darauf ist klar: Nein. In Sachen Flächeneffizienz sind die Elektroautos keineswegs besser als Verbrenner – und die Entwicklung geht in die falsche Richtung.


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Ein Auto, das still steht, benötigt laut Zahlen des Portals «Zukunft Mobilität» durchschnittlich eine Fläche von 13,5 Quadratmetern pro Person. Gerechnet wird mit einer durchschnittlichen Belegung von 1,4 Personen pro Auto. Bei Tempo 30 sind es beim Auto schon 65,2 Quadratmeter Flächenbedarf, bei Tempo 50 gar 140 Quadratmeter. Diese Werte ergeben sich durch Brems- und Reaktionswege und Sicherheitsabstände. Im Vergleich dazu benötigt ein zu 40 Prozent besetzter still stehender Linienbus nur 1,2 Quadratmeter Fläche pro Person, bei Tempo 50 sind es 8,1 Quadratmeter und damit 17-mal weniger als beim Auto. Auch Velos sind deutlich flächeneffizienter als Autos, wenn auch nicht ganz so deutlich: Bei Tempo 30 benötigt ein Velofahrer eine Fläche von 41 Quadratmeter – fast zehnmal so viel wie ein Passagier in einem Linienbus, aber gut 37 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Autofahrer.

Ist ein Auto erst einmal in Bewegung, unterscheiden sich diese Werte kaum zwischen Verbrennern und Elektroautos. Die Bremswege sind in etwa gleich, die Sicherheitsabstände und Reaktionszeiten sowieso. Anders sieht es bei der Fläche aus, die ein Auto im Stillstand benötigt.


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Jeder Parkplatz könnte in einer Stadt theoretisch auch für einen Veloweg, für Aussengastronomie oder Fusswege genutzt werden. Deshalb ist der Druck auf sie hoch. Viele Städte denken darüber nach, blaue Zonen aufzuheben und die Parkplätze in Quartier-Parkhäuser zu verlegen oder nur noch öffentliche Parkplätze zu bauen, wenn keine privaten zur Verfügung stehen (Mobimag berichtete).

Gleichzeitig sinkt der Flächenbedarf, je kleiner die Fahrzeuge sind. Weil in der Schweiz sehr viele grosse Autos verkauft werden, wollen Verkehrsingenieure gar die Normen ändern und für grössere Parkplätze sorgen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Dabei wäre auch das Umgekehrte denkbar: Wenn mehr kleinere Autos gekauft würden, könnten auch kleinere Parkplätze gebaut werden – und der freiwerdende öffentliche Raum stünde für andere Zwecke zur Verfügung.

Welche Rolle spielen nun die Elektroautos?

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Zwar sind mittlerweile auch viele kleinere Modelle auf dem Markt wie etwa der Renault Zoe. Das meistverkaufte Elektroauto ist in der Schweiz laut Zahlen von Auto Schweiz aber weiterhin das Tesla Model 3. Mit einer Länge von 4,69 Metern und einer Breite von 1,85 Metern kommt das Auto auf eine Grundfläche von 8,7 Quadratmeter. Das Auto benötigt damit mehr Fläche als das derzeit meistverkaufte Auto der Schweiz, der Kombi Skoda Octavia (8,5 Quadratmeter), aber auch mehr als das zweitmeist verkaufte Auto (VW Tiguan, 8,1 Quadratmeter) oder die Nummer 3 der Verkaufsliste, der Audi Q3 (8,3 Quadratmeter).

Bei Elektroautos ist wie bei den Verbrennern auch ein fragwürdiger Trend auszumachen: Sie werden immer grösser. Das neue Model Y von Tesla ist mit über 8,8 Quadratmetern Grundfläche noch einmal deutlich grösser als die meistverkauften Fahrzeuge der Schweiz. Auf ähnliche Werte kommt der Polestar 2. Zum Vergleich: Das erste Serienmodell von Tesla, der Tesla Roadster, war mit einem Flächenbedarf von 7,4 Quadratmetern geradezu bescheiden unterwegs.

Fazit: Mit der fortschreitenden Elektrifizierung des Verkehrs werden auch kleinere Elektrofahrzeuge an Beliebtheit gewinnen. Dass Elektroautos aber generell kleiner gebaut werden als Fahrzeuge mit Verbrenner-Motoren, scheint wenig realistisch – der Trend zu immer grösseren Fahrzeugen ist unabhängig von der Antriebsart. In Städten lösen Elektroautos das dringende Problem der Flächenknappheit also nicht, im Gegenteil. In dieser Hinsicht ist und bleibt der öffentliche Verkehr mit Abstand das Mass aller Dinge.

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