Die Zitate der Woche: «Der Grimseltunnel: Ein Schwindel ohnegleichen, für ein Projekt, das touristisch gar nichts bringt»

Wird der Grimseltunnel zwischen Oberwald und Guttannen realisiert? Bild: grimseltunnel.ch

Jede Woche wirft Mobimag einen Blick auf die wichtigsten Zitate. Dieses Mal mit Peter Bodenmann, der sich in scharfen Worten gegen den Grimseltunnel ausspricht, Preisüberwacher Stefan Meierhans, der sagt, warum GA-Besitzer besonders geschützt werden müssen und einem Staatsrechtler, der die Probleme mit der Critical Mass analysiert.

von Stefan Ehrbar
2. August 2023

Die Zitate der Woche

Das kapitale Hindernis für ein «Herzstück» ist dabei wohl soziologischer Natur: Der mit der Durchmesserlinie zu erwartende Dynamisierungsschub hat nämlich an positiver Konnotation verloren. War der Zürcher S-Bahn-Ausbau noch von einer gewissen Urbanisierungseuphorie getragen, ist diese verflogen. Basel hat das günstige Zeitfenster verpasst. An die neuen grossen Zeitgeist-Erzählungen findet das «Herzstück» keinen Anschluss mehr; weder verbessert es erkennbar die Ökobilanz, noch steigert es die städtische Lebensqualität.

Die «bz Basel» analysiert, warum das geplante Herzstück in der Stadt Basel für keine spürbare Begeisterung sorgt (bzbasel.ch)

Ein höherer Anteil des öV am Gesamtverkehr ist einer der günstigsten Hebel zur Erreichung der Klimaziele im Bereich Mobilität. Wenn jetzt das ÖV-Angebot ausgedünnt werden soll oder die Umstellung auf umweltfreundliche Busse hinausgezögert würde, wäre dies ein völlig falsches Signal und nicht zielführend: Ein gutes ÖV-Angebot und ein ganz sauberer öV lohnen sich für alle in der Schweiz.

Der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr Ueli Stückelberger kritisiert die geplanten Budgketkürzungen beim regionalen Personenverkehr (nzz.ch)

Die GA-Besitzer in der zweiten Klasse benötigen das Abo, um zur Arbeit oder an die Uni zu gelangen. Sie sind gefangene Kunden und haben das höchste Recht auf Schutz. Dass sie am stärksten geschröpft werden sollen, ist nicht richtig.

Preisüberwacher Stefan Meierhans sagt, warum er sich gegen die Erhöhung der GA-Preise per Dezember gewehrt hat. Nun steigen sie weniger stark auf knapp unter 4000 Franken für ein 2.-Klass-GA (blick.ch)

Niemand will in eine Blockade geraten, alle wollen weiterleben wie bisher. Wir tun als Gesellschaft immer noch so, als gäbe es keine Katastrophe. Deshalb braucht es Akteure, die gewaltfrei stören und die Öffentlichkeit wachrütteln. Die ihr den Spiegel vorhalten. […] Ich sass kürzlich im Zug und hörte, wie sich eine Gruppe nebenan kontrovers darüber unterhielt, was unsere Aktionen sollen. Und das ist schon der erste Schritt: dass man über den Klimanotstand redet.

Die Klimaaktivistin Marie Seidel von Renovate Switzerland sagt, warum das Ankleben auf Strassen trotz Widerstand in der Bevölkerung ein geeignetes Mittel sei (magazin.nzz.ch)

Es gibt keinen Knatsch. Vielen Mitarbeitenden ist nicht bewusst, dass wir uns einsetzen. Zudem sind viele gar nicht einem Verband angeschlossen, erwarteten nun aber Lösungen. Das ist, wie wenn Sie nicht Mitglied beim TCS sind, aber erwarten, dass er Ihnen bei einer Panne gratis weiterhilft.

Josua Studer von der Personalvertretung FEME zu Ärger in der Belegschaft der Basler Verkehrs-Betriebe. Teile davon haben auf eigene Faust eine Petition gegen eine neue Dienstsoftware gestartet (onlinereports.ch)

Überdies lohnt es sich, ohne missionarischen Schaum vor dem Mund eine Debatte über eine 10-Millionen-Schweiz zu führen. In den Bereichen Verkehr und Infrastruktur mag unser Land nochmals eine Million Menschen mehr verkraften; Experten rechnen damit, dass das Strassen- und Schienennetz weiter ausgebaut und verfeinert wird. Der Trend zu Homeoffice und eine Überalterung der Gesellschaft führen dazu, dass die Pendlerströme kaum markant zunehmen werden.

Marcel Rohr, der Chefredaktor der «Basler Zeitung», in einem Leitartikel zum 1. August (bazonline.ch)

Dahinter (der Symbolkraft des Gotthards, Anm. d. Red.) steckt die Überlegung, die Habsburger hätten besonderes Interesse gehabt, die Innerschweiz zu beherrschen. Denn so hätten sie die Verkehrswege in den Süden kontrollieren können. Aber der Gotthardübergang als Herzstück des europäischen Verkehrs wird erst nach der Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 so hochgejubelt. Im Mittelalter spielte der Gotthard – im Unterschied etwa zum Brenner – wirtschaftlich und politisch kaum eine Rolle.

Der Historiker Werner Meyer zum Mythos des für den Verkehr durch Europa unersetzlichen Gotthards (tagesanzeiger.ch)

Es fehlen kleinere und vor allem bezahlbare Elektrofahrzeuge, nur der Dacia Spring als einziger Europäer erfüllt derzeit diese Anforderung.

Guido Biffiger vom Unternehmen GFB Consulting zum Schweizer Elektroauto-Markt, der dieses Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurückliegt (pomona.ch)

Die Polizei findet sich auf einem schmalen juristischen Grad. Das kann man so überhaupt nicht lösen. […] Grundsätzlich ist festzuhalten, dass eine Demonstration, egal ob bewilligt oder nicht, grundrechtlich geschützt ist. Die Polizei muss sich deshalb sehr vorsichtig bewegen. Sie darf die Demonstration beispielsweise nicht einfach auflösen, sofern sie friedlich ist und die Grundrechte anderer nicht einschränkt. Untätig bleiben darf die Polizei aber auch nicht. Sie ist verpflichtet, die Teilnehmenden zu verzeigen. Aber diese Demonstration weist wahnsinnig viele Teilnehmende auf. Es wird für die Polizei schwierig, jeden einzelnen ausfindig zu machen. […] Das eigentliche Problem müsste die Stadtpolitik lösen.

Der Staatsrechtler Luka Markic vom Zentrum für Demokratie Aarau zu den Auswirkungen des Entscheids des Zürcher Statthalters, wonach die Velodemo Critical Mass neuerdings eine Bewilligung braucht (srgssr.ch)

Grimselloch ade: Der Tunnel zwischen Täsch und Zermatt kostet 80 Millionen Franken pro Kilometer. Den Tunnel zwischen Meiringen und Oberwald wollen die Initianten für 30 Millionen Franken pro Kilometer bauen lassen. Inklusive einer mitverlegten Hochspannungsleitung. Ein Schwindel ohnegleichen. Und dies für ein Projekt, das touristisch gar nichts bringt. Das Bundesamt für Verkehr geht richtigerweise pro Jahr nur von 150’000 Fahrgästen aus. Im Unterstützungskomitee sitzt neben andern, wen mag dies erstaunen, Jean-Michel Cina. Und Klaus Zurschmitten, der zusammen mit Franz Ruppen erfolgreich die Belalp Bahnen in den Abgrund geritten hat. Ihr gemeinsames Motto: «Grosser Mehrwert für wenig Geld». Belalp-BahnDesaster 2.0.

Der frühere SP-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann spricht sich gegen den geplanten Grimseltunnel für die Eisenbahn aus (pomona.ch)

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