Längere Züge und mehr Eigentrasses: Das bringt die ZVV-Strategie

Im S-Bahn-Bereich plant der ZVV nur wenige Verbesserungen. Bild: Kajeta Sumila / Unsplash

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) hat eine neue Strategie für die Jahre 2024 bis 2027 erarbeitet. Auf S-Bahn-Linien wie der S3 oder der S6 kündigt er Verbesserungen an und will das Tramnetz weiter ausbauen. Trams sollen vor Tempo 30 geschützt und ein kontroverses Projekt konkretisiert werden.

von Stefan Ehrbar
20. Juli 2021

Jeder vierte im Schweizer ÖV zurückgelegte Kilometer findet im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) statt. Er ist der mit Abstand grösste Besteller von Leistungen im regionalen Personenverkehr und Ortsverkehr in der Schweiz. Nun gibt er sich für die Jahre 2024 bis 2027 eine neue Strategie. Mobimag zeigt, welche Veränderungen konkret geplant sind.

Riesige Angebotsausbauten wird es nicht geben, denn diese sind erst mit der Umsetzung des Ausbauschritt 2035 mit dem Brüttener Tunnel und dem Ausbau des Bahnhof Stadelhofen auf vier Gleise möglich. Der ZVV hat sich kürzlich auch gegen kurzfristig umzusetzende Massnahmen auf der Achse Zürich-Winterthur positioniert, wo bereits in wenigen Jahren eine Überlastung prognostiziert wird (Mobimag berichtete). Trotzdem sind nun in der Strategie 2024-2027 einige konkrete Verbesserungen im S-Bahn-Bereich aufgeführt, nämlich:

  • Zwischen Effretikon und Wetzikon können dank geplanten Perronverlängerungen in den Hauptverkehrszeiten längere Züge eingesetzt werden. Das betrifft die S3 und S19. Ebenfalls sind längere Züge im Furttal (S6 und S21) möglich.
  • In den Stosszeiten sind «vereinzelte Zusatzzüge» denkbar. Wo diese genau verkehren sollen, wird nicht genauer definiert.
  • Im Einzugsgebiet der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) «erfordert die starke Siedlungs- und Arbeitsplatzentwicklung umfangreiche Massnahmen», heisst es im Strategiebericht. «Mit gezielten Infrastrukturausbauten und leistungsfähigem Rollmaterial ist der Betrieb zu stabilisieren.» Die SZU beschafft bis 2023 etwa neue Züge für die S10, erweitert bis 2026 ihren Bahnhofsteil im Zürcher Hauptbahnhof, beschafft neue Fahrzeuge für die S4 und baut bis 2028 neue Doppelspurstrecken. Bis dann ist auch eine Verdichtung des Fahrplans auf den 15-Minuten-Takt respektive den 7,5-Minuten-Takt in Stosszeiten geplant (mehr Informationen dazu gibt es in der Strategiebroschüre der SZU).

Für die Ausbauschritte 2035 und 2045 sollen in den nächsten Jahren ebenfalls schon Arbeiten vorangetrieben werden, stellt die ZVV-Strategie fest. Dazu gehören:

  • Die Vorbereitung der Beschaffung neuer Doppelstockzüge für die Umsetzung der S-Bahn 2G
  • Die Planung für die neue Abstell- und Serviceanlage im Zürcher Oberland soll aufgenommen werden (diese soll in Bubikon zu liegen kommen und stösst auf Kritik, wie Mobimag berichtete)
  • Für den Ausbauschritt 2045 sollen konkrete Angebotskonzepte erarbeitet werden

Daneben sieht die ZVV-Strategie auch im Bereich der Trams einige Ausbauten für den Zeitraum 2024 bis 2027 vor. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um bekannte Projekte, nämlich:

  • Die Projektierungsarbeiten für das Tram Affoltern von Zürich Affoltern zur Haltestelle Radiostudio sollen vorangetrieben werden. Dasselbe gilt für die Verlängerung der Glatttalbahn von Zürich Flughafen bis Kloten Industrie. Der ZVV antizipiert dabei mögliche Tempo-30-Signalisierungen in der Stadt Zürich: «Nach Möglichkeit ist mit einem baulich abgetrennten Bahnkörper sicherzustellen, dass auch bei einer allfälligen Temporeduktion im Strassenraum die Reisegeschwindigkeit des Trams aufrechterhalten wird», heisst es in der Strategie. Denn: Wenn Trams auf gesicherten Eigentrasses fahren, gilt für sie Tempo 30 nicht.
  • Aus diesen Gründen will der ZVV auch den Anteil der Eigentrassees bei bestehenden Tramlinien erhalten oder ausbauen.
  • Weitere Abklärungen für die Verlängerung der Glattalbahn von Kloten Industrie bis Bassersdorf und die Tramtangente Nord von Zürich Affoltern via Oerlikon nach Schwamendingen sollen getroffen werden.

Keine grösseren Änderungen plant der ZVV für die Jahre 2024 bis 2027 im Bereich Bus. Auf gewissen Strecken sind das Schliessen von Taktlücken, Taktverdichtungen oder die Anpassung der Betriebszeiten möglich. Zudem will der ZVV das Nachtnetz weiterhin nachfragegerecht ausbauen. Es wird Ende 2021 komplett neu aufgebaut (Mobimag berichtete).

Neben konkreten Angebotsausbauten hat sich der ZVV auch mit neuen Mobilitätsangeboten wie E-Bikes oder E-Sccotern, Änderungen im Vertrieb mit einer zunehmenden Wichtigkeit digitaler Kanäle und Entwicklungen im Freizeitverkehr befasst. Als wichtigste Schlussfolgerungen haben in den Bericht Eingang gefunden:

  • Kampagnen sollen das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit zur Profilierung des ÖV aufgreifen
  • Der ÖV soll für Freizeiterlebnisse als effizienter und zuverlässiger Zubringer positioniert werden. Die Hälfte der Gesamtmobilität im Kanton Zürich findet in der Freizeit statt. Hier hat der ÖV aber eine schwächere Position als beim Berufsverkehr.
  • Preiserhöhungen soll es vorerst nicht geben.
  • Die Dekarbonisierung des ÖV soll vorangetrieben werden. Bis 2040 sollen Busse im gesamten ZVV keine Emissionen mehr verursachen.
  • Zwischen 2024 und 2028 sollen in der Stadt Zürich die Dieselbuslinien 69, 80 und 89 auf Trolleybusbetrieb umgestellt werden. In Winterthur wird das Trolleybusnetz zwischen 2024 und 2027 mit den Linien 5 und 7 erweitert.
  • Der Verkauf von Billetten durch Busfahrer in den Regionalbussen wird durch ein «einfach zugängliches, benutzerfreundliches Vertriebssystem auf Basis moderner Technologien ersetzt». Das soll die Effizienz und die Fahrplanstabilität erhöhen. Welches System konkret zum Einsatz kommen soll, wird nicht erläutert. Denkbar sind etwa kleinere Automaten in den Bussen oder an den Haltestellen.

Der gesamte Strategiebericht kann hier heruntergeladen werden. Er wird nun dem Kantonsrat unterbreitet. Dort dürfte er noch zu reden geben. Die SP des Kanton Zürich hat bereits mitgeteilt, die Strategie bleibe «zu zaghaft». Um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf den ÖV zu bewegen, brauche es mehr. Es müssten etwa preislich attraktivere Angebote geprüft werden. Unverständlich sei auch, dass bei der S-Bahn bis zur Vollendung des STEP 2035 nichts geschehen soll.

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