
In den Bistro-Abteilen der Mika- und Kambly-Züge der Berner Bahn BLS kann nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden, weil die Kassen zu oft aufgebrochen wurden. Auch andere Bahnen stellen Diebstähle und Vandalismus fest – und immer gröbere Aggressionen gegen das Personal. Jetzt planen sie Gegenmassnahmen.
von Stefan Ehrbar
2. Oktober 2023
Die Minibar rollt in Schweizer Zügen schon lange nicht mehr, dafür gibt es auf vielen Zügen einen Speise- oder Bistrowagen. So auch bei der Berner Bahn BLS. Sie hat in ihre Züge des Typs Mika unbediente Bistro-Zonen mit Kaffee- und Snackautomaten eingebaut, in denen sich hungrige und durstige Reisende verpflegen können. Das Angebot reicht vom Cappuccino über den Eistee bis zur Suppe und der Schokolade.
Nicht mehr im Angebot ist hingegen ein Zahlungsmittel: Mit Bargeld kann in den Bistro-Abteilen seit kurzem nicht mehr eingekauft werden. Die BLS bestätigt entsprechende Informationen. Denn immer öfter wurden die Automaten zur Zielscheibe von Diebstählen.
BLS-Sprecher Stefan Locher sagt, die Kasse der Bistrozone der einstöckigen Mika-Züge des Herstellers Stadler sei mehrfach aufgebrochen worden. «Dabei entstand jeweils hoher Sachschaden. Für eine rasche und nachhaltige Lösung haben wir uns dazu entschieden, die Geräte umzurüsten und nur noch auf bargeldlose Zahlungsmittel zu setzen.»
Wer ein Kägi–Fret kaufen will, muss nun mit Kredit- oder Debitkarte bezahlen. Die betroffenen Züge verkehren vor allem auf den Strecken Bern-Neuchâtel-La Chaux-de-Fonds, Thun-Bern-Burgdorf-Langnau, Bern-Spiez-Brig/Zweisimmen und Bern-Luzern. Um Vandalismus und Diebstähle einzudämmen, setze die BLS auf Videoüberwachung der meisten Züge und Bahnhöfe – und geht nun noch weiter. «In Zusammenarbeit mit der Polizei planen wir Gegenmassnahmen», sagt Locher. Details verrät er nicht.
Bei der SBB sind auf vielen Fernverkehrszügen bediente Bistro- und Speisewagen unterwegs. Dass dort Personal die Waren verkauft, scheint Diebe zu beeindrucken.
Es komme nur vereinzelt zu Diebstählen in den Speisewagen, heisst es vonseiten der SBB. Das Verkaufspersonal werde bereits bei Eintritt in den Betrieb für das Thema sensibilisiert. Jeder Diebstahl werde angezeigt.
Wie die BLS auf unbediente Bistro-Zonen setzt hingegen die Südostbahn (SOB) auf ihren Fernverkehrszügen – also dem Aare-Linth-Express zwischen Chur, Zürich und Bern, auf den Treno-Gottardo-Zügen zwischen Basel und Zürich über die Gotthard-Bergstrecke nach Locarno sowie auf den Voralpen-Express-Zügen zwischen St. Gallen, Rapperswil und Luzern. Dort ist eine Bezahlung mit Bargeld aber weiterhin möglich.
Im Moment sei es kein Thema, diese Möglichkeit einzuschränken, sagt SOB-Sprecher Conradin Knabenhans. Die SOB stelle «in Einzelfällen Vandalismus in diesem Zusammenhang fest». Die Erfahrung zeige, dass die Problematik in Wellenbewegungen stärker und schwächer ausgeprägt auftrete. Derzeit sei keine eindeutige Tendenz feststellbar. Die Züge der SOB seien ebenso wie mehrere Bahnhöfe videoüberwacht, in Fällen von Vandalismus erstatte die Bahn zudem Strafanzeige.
Doch Diebstähle und Vandalismus sind nur ein Problem, mit dem die Bahnen kämpfen. Auch das Personal gerät zusehends ins Visier. Bei der SOB heisst es, wegen des Eintritts der Bahn in den Betrieb von Linien des Fernverkehrs und dem damit einhergehenden Personalwachstum seien belastbare Vergleiche mit Vorjahren schwierig. Aber, so Knabenhans: «Aus unserer Erfahrung haben gerade verbale Auseinandersetzungen und Bedrohungen seit der Coronapandemie zugenommen».
Die Coronakrise scheint die Aggressionsbereitschaft vieler Reisender nachhaltig gesteigert zu haben. Die SBB geben zwar keine Zahlen zu Tätlichkeiten gegenüber Zugbegleiterinnen und –begleitern bekannt. Diese unterlägen statistischen Schwankungen, so Sprecher Martin Meier. Aber: «Wir beobachten, dass einzelne Vorfälle gröber geworden sind.»
Während der Coronakrise habe die SBB zudem vor allem wegen der damaligen Maskenpflicht in den Zügen «eine höhere Gereiztheit in den Zügen» festgestellt. Bei Gewalt und Aggressionen gegenüber dem Zugpersonal handelt es sich um ein Offizialdelikt, das von den Bahnen zur Anzeige gebracht wird. «Jede Aggression ist eine zu viel», sagt SBB-Sprecher Meier. Insgesamt sei die Sicherheitslage in den Zügen und in den Bahnhöfen aber «gesamtschweizerisch stabil».
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