Die Zitate der Woche: «Menschen zu überzeugen, dass auch andere Verkehrsmittel als das Auto sicher und bequem sind, ist ungelöst»

Velo statt Auto: Wie das gelingen kann, untersucht die ETH. Bild: vale/Unsplash

Jede Woche wirft Mobimag einen Blick auf die wichtigsten Zitate. Dieses Mal mit ETH-Professor Kay W. Axhausen, der untersucht, wie Zürich zur E-Bike-Stadt werden könnte, einem Klimatologen, der Skifahrer zur Anreise mit dem ÖV motiviert und einem ZVV-Sprecher, der eine Kampagne gegen E-Ticket-Schlaumeier erklärt.

von Stefan Ehrbar
15. März 2023

Die Zitate der Woche

Im ÖV hat es seit Ende 2016 keine Preiserhöhung mehr gegeben. Das Angebot ist seither aber ausgebaut worden, etwa mit dem Léman Express. Natürlich stellen wir uns die Frage, wo die Schmerzgrenze liegt. Aber es gibt durchaus günstige Angebot wie Sparbillette – und für knapp 11 Franken pro Tag erhält man ein GA der 2. Klasse.

SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar verteidigt die angekündigte Preiserhöhung im ÖV per Ende Jahr (aargauerzeitung.ch)

Damit die Rad-WM wie geplant durchgeführt werden kann, braucht es Veränderungen. Ansonsten werden wir uns mit allen rechtlichen Mitteln wehren – und dann besteht die Gefahr, dass die WM erst 2034 oder 2044 stattfinden kann.

Martin Vollenwyder, Stiftungsratspräsident des Kinderspital Zürich, will weiterhin gegen die geplante Verkehrsführung der Rad-WM 2024 in Zürich kämpfen, die die Zugänglichkeit seines Spitals erschweren würde (aargauerzeitung.ch)

Das war keine gute Formulierung, das gebe ich zu. Der für die Ausschreibung zuständige Mitarbeitende arbeitet noch bei uns und lernt aus den Fehlern. Das Team war nicht genügend aufmerksam, das Management dieser Einheit ebenfalls nicht. Jeder darf bei uns Fehler machen, aber das soll nicht mehr vorkommen.

SBB-Chef Vincent Ducrot zur Ausschreibung für ein neues Frequenzmesssystem, in Zuge derer Medien der SBB vorwarfen, Einnahmen in Läden mit «höchstmöglicher Abschöpfung der Shop-Passanten» maximieren zu wollen (tagesanzeiger.ch)

Auch wenn gegenüber vorher der Autoverkehr deutlich reduziert worden ist und es auf einigen Metern richtig Spass macht, in Sicherheit Velo zu fahren, kann die Vorzugsroute die Erwartungen nicht erfüllen. Grundsätzlich vom Verkehr befreit? Kaum. Die guten Ansätze sind erkennbar, aber von einer fertigen Vorzugsroute für das Velo zu sprechen, ist übertrieben. Wenn dieser neue Standard auf allen Strassen in der Stadt als Minimum gelten würde, wäre das ein grosser Schritt. Aber ihn als Prestigeprojekt und Maximum zu verkaufen, ist schlicht zu wenig. Soll so die Verkehrswende in der Stadt Zürich aussehen?

Das Portal tsri.ch in einem Kommentar zur ersten Velo-Vorzugsroute, die in Zürich eröffnet wurde (tsri.ch)

Der Hintergrund der Kampagne ist die steigende Verbreitung der elektronisch gelösten Tickets in den letzten Jahren, insbesondere auch seit Abflauen der Pandemie. […] Gleichzeitig birgt dieser Vertriebskanal aber auch eine gewisse Gefahr, dass der rechtzeitige Ticketkauf vergessen geht oder erst im Augenblick der Kontrolle erfolgt.

ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger zu einer Kampagne, die auf das rechtzeitige Lösen von E-Tickets aufmerksam macht (watson.ch)

Die Skigebiete versuchen, ihr Möglichstes zu tun. Aber sie zeigen zu Recht auf, dass wenn man sich einen Skitag eines Skifahrers oder einer Skifahrerin in Graubünden anschaut, es die Anfahrt ist, die für das Klima wirklich zählt. Da geht es um jeden Einzelnen. Und der kann entsprechend viel tun. Es macht einen Unterschied, ob er mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Auto anreist – und wie weit.

Christoph Marty, Klimatologe am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos, zur Ökobilanz des Skifahrens (suedostschweiz.ch)

Die Befürworter versprechen das Blaue vom Himmel: Von einer «einmaligen Chance» ist die Rede, einem «Vorzeigeprojekt für den Schweizer Tourismus», Synergien, Zeitgewinn und Arbeitsplätzen. Umwelt und Sport sollen profitieren. Und das zu einem «Spottpreis». Wir sollten uns nicht darauf verlassen. Die Grimselbahn bringt die besten Voraussetzungen mit, dereinst zur Fallstudie für Bent Flyvbjerg zu werden. Der renommierte Experte für Megaprojekte hat mehr als 2000 von ihnen analysiert – Tunnel, Brücken, Hochhäuser, Dämme, Kraftwerke, Eisenbahnen, Strassen. Sein Fazit: Die Kosten werden systematisch unterschätzt, der Nutzen überschätzt.

Die Sonntagszeitung in einem Kommentar zum Grimsel-Bahntunnel, der im Ständerat letzte Woche neuen Aufschwung erhalten hat (tagesanzeiger.ch)

Es ist nun wichtig, genau zu analysieren, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Ich erwarte eine lückenlose Aufarbeitung.

Der St. Galler Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Technischen Betriebe zur Strafanzeige gegen Mitarbeitende der Verkehrsbetriebe St. Gallen, nachdem eine gefälschte Baubewilligung aufgetaucht ist (tagblatt.ch)

Die bekannten Fälle sind Münster, Karlsruhe, Kopenhagen oder Amsterdam. Dort wird viel Velo gefahren, aber es handelt sich überwiegend um eine Umverteilung in dem Sinne, dass die Velofahrenden weniger zu Fuss gehen oder den ÖV weniger nutzen als vorher ohne Velo. Die grosse Herausforderung ist immer, die Autofahrerinnen und Autofahrer zu erreichen. Die Menschen zu überzeugen, dass auch andere Verkehrsmittel sicher und bequem sind, ist in diesen Städten auch noch nicht gelöst, insbesondere im Hinblick auf die CO₂-Problematik.

ETH-Professor Kay W. Axhausen zu seiner Studie zu einer E-Bike-City am Beispiel von Zürich (handelszeitung.ch)

Die Probleme beginnen zwischen 80 und 85, ab 85 ist es die Ausnahme, wenn jemand in den Tests sehr gut abschneidet. Bei den 90-Jährigen habe ich manchmal Angst, dass ich jemanden durchkommen lasse, der vielleicht nicht mehr fahren kann. Die 90-Jährigen, die zu mir kommen, haben teils sehr gute Testresultate. Es kommen ja nur noch die, die fit sind. Aber reicht dies? Wir müssen wissen: Autofahren ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Es ist eine Gesamtleistung. Und mit 90 ist man nicht mehr wie mit 70.

Der Solothurner Verkehrsmediziner Christian Lanz zum Nutzen von medizinischen Verkehrsuntersuchungen bei Rentnern (solothurnerzeitung.ch)

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