
Wer ein E-Bike kauft, fährt längere Distanzen und nutzt es öfter als das konventionelle Velo. Diese Effekte sind nachhaltig, zeigt eine Studie. Ausserdem im wöchentlichen Blick aufs Ausland mit Links zu spannenden Geschichten: Auch Kanada verbietet bald Verbrenner-Autos – und das fehlt den Nachtzügen noch zum Grosserfolg.
von Stefan Ehrbar
22. Dezember 2023
Wer ein E-Bike hat, fährt häufiger Velo
E-Bikes werden anders genutzt als normale Velos. Wer mit dem elektrischen Antrieb unterwegs ist, fährt häufiger Velo und nutzt es für weitere Strecken. Darüber berichtet der Blog treehugger.com.
Der Autor zitiert dazu eine Studie mit dem Titel «Do people who buy e-bikes cycle more?». In dieser haben zwei Forscher des Institute of Transport Economics im norwegischen Oslo die Gewohnheiten von Menschen untersucht, die in Oslo ein E-Bike gekauft haben – und zwar vor und nach dem Kauf.
Bei den E-Bikes handelte es sich laut dem Artikel um Pedelecs im europäischen Stil, also um E-Bikes, bei denen der Fahrer in die Pedale treten muss, damit der Motor läuft. Im Gegensatz zu in den USA beliebten E-Bikes gibt es bei diesen keinen Gashebel.
Die Forscher haben die Ergebnisse aus der Gruppe der E-Bike-Käufer mit einer Gruppe verglichen, die sich zwar für E-Bikes interessierte, dann aber doch keines kaufte. Damit wollten die Forscher unter anderem herausfinden, ob der Kauf eines E-Bikes zu einer höheren mit dem Velo zurückgelegten Kilometerzahl oder einer höheren Nutzung des Velofahrens führte.
Die Ergebnisse sind laut dem Blog-Beitrag, der im Jahr 2020 veröffentlicht und diese Woche wieder breit diskutiert wurde, klar: Personen, die ein E-Bike kauften, steigerten demnach ihre Velonutzung von durchschnittlich 2,1 Kilometern auf 9,2 Kilometer pro Tag. Das entspricht einer Zunahme um 340 Prozent.
Auch der Anteil des Velos an der Gesamtverkehrsleistung dieser Personen sei drastisch angestiegen – nämlich von 17 Prozent auf 49 Prozent, wobei das E-Bike für Wege genutzt wurde, die zuvor zu Fuss, mit dem ÖV oder mit dem Auto zurückgelegt wurden.
Doch ist dieser «E-Bike-Effekt» auch nachhaltig – oder fahren Leute nur gerade kurz nach dem Kauf so viel mehr Velo, weil es dann noch neu und aufregend ist? Ähnliche Phänomene sieht man etwa bei Fitnessgeräten, die oft nur kurz nach dem Kauf intensiv genutzt werden. Dem sei aber nicht so, heisst es im Artikel. Im Gegenteil: Die Leute fuhren je mehr mit dem E-Bike, je länger sie es besassen. Die Menschen durchlaufen laut der Studie also eine Art «Lernprozess», in dem sie neue Fahrtzwecke für das E-Bike entdecken.
«Wir stellen fest, dass der Anstieg des Veloverkehrs nicht nur ein einmaliger Effekt ist, sondern anscheinend dauerhafter ist», heisst es in der Studie. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass «politische Entscheidungsträger eine positive Rendite von politischen Massnahmen erwarten können, die darauf abzielen, die Akzeptanz von E-Bikes zu erhöhen.»
Kanada verbannt die Verbrenner
Die Elektrifizierung des Strassenverkehrs schreitet auch in Nordamerika voran. Kanada hat diese Woche einen Ausstiegsplan aus Verbrenner-Fahrzeugen angekündigt. Bis 2035 sollen alle Autos emissionsfrei unterwegs sein.
Über den Plan berichtete unter anderem der «Guardian». Umweltminister Steven Guilbeault stellte demnach am Dienstag den Plan der Bundesrgierung vor, der Autohersteller verpflichtet, den Anteil der verkauften Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge in den nächsten Jahren zu erhöhen. Kanada befinde sich an einem Wendepunkt, wird er zitiert. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen übersteige derzeit das verfügbare Angebot.
Der sogenannte «Electric Vehicle Availability Standard» schreibt vor, dass im Jahr 2026 ein Fünftel der verkauften Fahrzeuge entweder rein elektrisch betrieben oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge sein müssen. Diese Zahl soll sich bis 2030 auf drei Fünftel erhöhen. Ab 2035 müssen alle in Kanada zum Verkauf angebotenen Neuwagen emissionsfrei unterwegs sein.
Davon ausgenommen sind Fahrzeuge für Notfalldienste wie die Ambulanz, Feuerwehr oder die Polizei. Autohersteller, die nicht genügend emissionsfreie Fahrzeuge im Sortiment haben, können zudem maximal 10 Prozent ihrer Zielvorgaben ausgleichen.
Dazu können sie Gutschriften im Wert von jeweils 20’000 kanadischen Dollar (knapp 13’000 Franken) von anderen Herstellern kaufen, die ihre Ziele übertreffen oder in Ladestationen investiert haben.
Die Autoindustrie hatte sich laut Medienberichten gegen die Standards gewehrt, die 2021 erstmals angekündigt und diese Woche aktualisiert wurden. Sie habe damit argumentiert, dass die Ziele angesichts der höheren Kosten von elektrisch betriebenen Autos und der lückenhaften Ladeinfrastruktur im Land unrealistisch seien. Auch um diesen Bedenken gerecht zu werden, werden Plug-In-Hybride, die mindestens 80 Kilometer rein elektrisch betrieben fahren können, zunächst als emissionsfreie Fahrzeuge gewertet.
Das fehlt den Nachtzügen noch zum Erfolg
Seit dem Fahrplanwechsel vom 10. Dezember sind die ersten neuen Nightjet-Kompositionen unterwegs, die die ÖBB bei Siemens gekauft hat. Gleichzeitig hat die ÖBB ein neues, dynamisches Preismodell eingeführt, das für Kritik sorgte, weil die Preise zum Teil stark stiegen – auch auf Strecken, die nicht mit den neuen Zügen bedient werden (Mobimag berichtete).
Mittlerweile sind die Preise allerdings auf vielen Strecken bereits wieder heruntergekommen. Im Rückblick der letzten Jahre lässt sich zudem sagen, dass die Nachtzüge eine Erfolgsgeschichte sind: Das Netz wurde vor allem von der ÖBB wieder stark ausgebaut, die Züge sind oft schon weit im Voraus ausgebucht.
Aus der Schweiz fahren derzeit Nachtzüge nach Amsterdam, Hamburg, Berlin, Wien, Graz, Zagreb, Budapest und auf zwei unterschiedlichen Laufwegen nach Prag. Geplant sind – sollte das CO2-Gesetz durch das Parlament kommen, das Subventionen für Nachtzüge vorsieht – auch Verbindungen nach Rom und Barcelona.
Allerdings sind die Nachtzüge im Vergleich zum Verkehr tagsüber noch immer ein Nischenangebot. Diese Woche ist die deutsche «Tagesschau» der Frage nachgegangen, warum das so ist und was es bräuchte, damit die Nachtzüge noch erfolgreicher werden.
Anlass für den Artikel ist die (Wieder)Inbetriebnahme der Nachtzug-Verbindung von Berlin nach Paris, die seit dem 10. Dezember dreimal wöchentlich angeboten wird und im Lauf des Jahres auf eine tägliche Verbindung aufgestockt werden soll.
Ein Problem seien nach wie vor die Preise, heisst es im Artikel. Eine im Juli von Greenpeace veröffentlichte Studie zeige, dass auf 112 untersuchten europäischen Strecken in 70 Prozent der Fälle die Reise mit dem Flugzeug günstiger sei als mit der Bahn.
Ein Grund dafür sei die strukturelle Benachteiligung der Schiene, wird Juri Maier zitiert, der Vorsitzende des Vereins «Back-on-Track Deutschland». Das europaweite Netzwerk setzt sich für mehr Nachtzüge ein.
Für Deutschland schlägt Maier vor, die Mehrwertsteuer auf internationale Bahntickets zu streichen. In den meisten EU-Ländern sei das bereits der Fall, und internationale Flüge seien ebenfalls von der Mehrwertsteuer befreit. Erst kürzlich habe Österreich diesen Schritt vollzogen.
Laut dem Artikel schreibt die ÖBB mit dem Nachtgeschäft mittlerweile schwarze Zahlen. Das liegt laut Maier auch daran, dass das Umweltbewusstsein vieler Menschen gestiegen ist. Die Bereitschaft, mehr für nachhaltige Verkehrsmittel zu bezahlen, sei höher. Trotzdem könne sich nur ein kleiner Teil Tickets im Schlaf- und Liegewagen leisten.
Damit der Nachtzug als Transportmittel populärer wird, schlägt Maier vor, die Trassenpreise für sie weiter zu senken. Zwar wurde dies in Deutschland bereits getan, doch noch immer bezahlen Nachtzüge hier den doppelten Grundpreis pro Kilometer. In Frankreich sind Nachtzüge von einem Teil der Gebühren befreit, in Belgien übernimmt der Staat die Energiekosten. Solche Vorschläge sind auch für Nachtzüge in die Schweiz relevant, fahren diese doch zu einem grossen Teil nach und durch Deutschland.
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