
In den nächsten Jahren will die italienische Bahn 160 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren und ihren Anteil am Güterverkehr verdoppeln. Ausserdem im Blick aufs Ausland: Hamburg könnte der nachhaltigste Kreuzfahrthafen werden und Frauen werden bei Autounfällen häufiger eingeklemmt.
von Stefan Ehrbar
20. Mai 2022
Italienische Bahn will zur Schweiz aufholen
Die italienische Bahn FS will in den nächsten zehn Jahren 160 Milliarden Euro (umgerechnet 168 Milliarden Franken ) in die Infrastruktur investieren. Das berichtet das Portal «railfreight.com». Die Investitionen sind Teil eines Industrieplans der Regierung.
Die Bahn verfolgt ambitionierte Ziele: So soll etwa der in Italien vergleichsweise tiefe Anteil der Schiene am Güterverkehr von 10 auf 20 Prozent verdoppelt werden. Als Vorbild wird die Schweiz genannt, wo der Anteil der Bahn am alpenquerenden Güterverkehr 75 Prozent beträgt.
FS-Chef Luigi Ferraris spricht von einem «Gamechanger». Die FS-Gruppe ist in vier Tochtergesellschaften aufgeteilt: Infrastruktur, Fahrgäste, Logistik und Stadtverkehr. Der Teil Infrastruktur mit der Betreiberin RFI wird 150 Milliarden Euro erhalten, weitere 10 Milliarden Euro sind für die FS-Tochter Anas vorgesehen, welche für die Strasseninfrastruktur zuständig ist.
FS werde in neues Material, neue Terminals und Gleise investieren, um die Verdoppelung des Anteils zu erreichen. Ein neues Terminal in Milano Smistamento ist bereits im Bau und soll 2025 fertiggestellt werden. Die Schweiz hat sich an der Finanzierung beteiligt, um eine rechtzeitige Fertigstellung zu gewährleisten. Die FS möchte aber auch ihre Position an den Häfen verbessern. Eine Schlüsselrolle spielen dürfte der Hafen von Genua, der mit einem neuen Bahntunnel an den Rhein-Alpen-Korridor angeschlossen werden soll.
«Die Schweiz ist der Massstab für den Modal Split, den wir erreichen wollen», wird Ferraris zitiert. «Die bestehende und künftige Infrastruktur wird die Rolle Italiens auf dem internationalen Markt verändern.»
Wie wird die Kreuzschifffahrt CO2-neutral?
Schiffe verursachen fast 14 Prozent aller Verkehrsemissionen der Europäischen Union. Kreuzfahrten gelten als eine der dreckigsten Arten der Fortbewegung – etwa wegen ihres hohen CO2-Ausstosses, Russ-Emissionen und Wasserverschmutzung (Mobimag berichtete). Doch wie kann die Kreuzschifffahrt nachhaltiger werden?
Dieser Frage hat sich kürzlich ein Panel in Berlin gewidmet, über welches das Portal travelnews.ch berichtet. Dieses fand auf Einladung der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation (BWI) in Kooperation mit Hamburg Cruise Net e.V. (HCN) statt.
Senator Michael Westhagemann von der Behörde sagte, Hamburg werde der nachhaltigste Kreuzfahrthafen Europas werden. Bis 2024 sollen in allen Cruiseterminals Landstrom-Anschlüsse zur Verfügung stehen. Das ist relevant, weil Kreuzfahrtschiffe ohne Landstrom auch im Hafen Strom mittels dieselbetriebener Generatoren erzeugen.
Der Kreuzfahrt-Experte und Journalist Thomas P. Illes sagte, Kreuzfahrtschiffe seien wegen ihrer Sichtbarkeit zum Symbol eines umweltschädlichen, dekadenten Lifestyles geworden, obwohl sie eine Nische im Tourismus darstellten. Sie seien aber auch ein wichtiges Element in der Wertschöpfungskette und zusammen mit der Fährschifffahrt eine Innovationstreiberin in Sachen alternative Antriebstechnologien und Kraftstoffe.
Von der Ausrüstung von Kreuzfahrtschiffen mit Landstromanschlüssen, Batterietechnologien oder der Nutzung von Flüssiggas bis hin zur Entwicklung von maritimen Brennstoffzellensystemen und optimierten Abgas- und Abwasserreinigungssystemen profitierten auch Frachtschiffe.
Felix Eichhorn, Präsident des Kreuzfahrtriesen Aida, sagte, sein Unternehmen sei zusammen mit der Meyer Werft und deutschen Industriepartnern Pionier für technische Innovationen in Richtung klimaneutrale Kreuzfahrt. Aida hoffe, mit deutscher Technologie 2030 das erste emissionsfreie Kreuzfahrtschiff in Betrieb nehmen zu können und bis 2040 flottenweit klimaneutral zu sein.
Frauen verletzen sich bei Autounfällen schwerer
Eine britische Studie belegt: Frauen verletzen sich im Strassenverkehr schwerer als Männer. Das liegt auch an altmodischen und auf Männern zugeschnittenen Crashtests, berichtet spiegel.de.
Frauen werden demnach fast doppelt so häufig in einem Unfallauto eingeschlossen als Männer und Fahrerinnen werden öfter schwer verletzt. Für die Studie wurden Daten von über 70’000 britischen Spitalpatienten ausgewertet.
Zwar werden Männer statistisch gesehen eher in schwere Unfälle verwickelt, doch nur in neun Prozent der Fälle werden sie in ein Unfallfahrzeug eingeklemmt. Bei Frauen beträgt dieser Anteil 16 Prozent. Sie erleiden zudem mehr Hüft- und Wirbelsäulenverletzungen, während Männer häufiger an Kopf, Gesicht, Brust und Gliedmassen verletzt werden.
Ursachen für diese Unterschiede sind laut den Studienautoren einerseits Unterschiede in der Fahrweise und im Körperbau. So sitzen Frauen näher am Lenkrad. Das Becken von Frauen ist zudem breiter als jenes von Männern.
Allerdings sind auch die Crasthests und die Dummys auf Männer zugeschnitten. Sie seien eher einem Durchschnittsmann nachempfunden, heisst es in der Studie. Weibliche Dummys wiederum, die zur Simulation von Unfällen verwendet werden, ähneln laut der Studie «eher einem 12-jährigen vorpubertären Mädchen als einer erwachsenen Frau».
Weibliche Körpermerkmale erschwerten es Frauen, bei einem Unfall aus Autowracks zu kommen. So sei es schwieriger, sich selbst zu befreien, wenn man das Becken gebrochen habe.
Die Autoren hoffen, dass die Ergebnisse Fahrzeugherstellern helfen, das Fahrzeugdesign und die Sicherheitsmerkmale zu verbessern.
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