«Scheitern mit Ansage»: Warum das Aus des Malmö-Nachtzug nicht tragisch ist – und welche Alternativen die SBB jetzt hat

Wohin soll der nächste Nachtzug fahren? Malmö wird es nicht. Bild: ÖBB

Der Nachtzug von Basel nach Malmö kann seinen Betrieb nicht aufnehmen. Das Parlament hat die für die Verbindung vorgesehenen Subventionen gestrichen. Bahnjournalist Kaspar P. Woker schreibt, warum es sich um ein Scheitern mit Ansage handelt – und macht einen Vorschlag, wie die SBB ihr Nachtzug-Netz rasch ausbauen könnte.

Kaspar P. Woker,
22. Dezember 2025

Das Parlament hat den Förderbeitrag für den im Sommer dreimal wöchentlichen Nachtzug von Basel nach Malmö gestrichen. Die Umweltszene ist erzürnt. Eine staatliche Unterstützung über drei Jahre (kaschiert als Anschubfinanzierung) von mehr als einhundert Franken pro Reisenden gehört hinterfragt, weg von der These, dass eine solche Massnahme der Umwelt kaum etwas bringe. Das Scheitern hat mit naheliegenden Gründen zu tun. Der Markt verlangte seit Jahren die Wiedereinführung der sehr geschätzten Nachtzüge nach Rom oder Barcelona. Man glaubte sich mit Hilfe der ÖBB nahe daran. Unrentabel die offizielle Antwort, die regulatorischen und bahnbetrieblichen Hürden wurden verschwiegen. Ein anderes Ziel musste her. Malmö via Kopenhagen. Die Nachfrage Richtung Norden scheine da zu sein. Doch reisen Schweden und Dänen im Sommer per Bahn in die Schweiz? Nein, zu teuer, äussert sich jetzt ein schwedischer Touristiker.

Zürich – Amsterdam, respektive Hamburg zählen zu den Stammstrecken der ÖBB-Nachtzüge. Beide glänzten in den letzten Jahren durch Unzuverlässigkeit. Altes, zeitweise defektes oder fehlendes Rollmaterial. Ausfall, Verspätungen und Umleitungen wegen Streckensperrungen in Deutschland. Keine Empfehlung für Nachtzüge. Die Österreicher setzen für diese Verbindungen nun die neusten NightJet-Garnituren ein. Das alte Wagenmaterial wird frei und sollte u.a. für den Nachtzug nach Malmö herhalten. Das Bauchaos auf deutschen Schienen wird nicht verschwinden. Der Bistrowagen werde nur von Basel bis Padborg mitlaufen, DSB und SJ verweigern die Zulassung. Also weder ein gemütliches Morgenessen oder ein abendlicher Drink im Bistro. Ein Minuspunkt, erst kürzlich aufgetaucht.

Die seinerzeit ohne konkrete Projekte festgelegte Förderung – jährlich 10 Mio. Franken – werden fast vollständig – für eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Massnahme eingesetzt. Das polarisierte – männiglich erwartete ein Angebot für Ferien im Süden, mit der Familie im Nachtzug hinreisen. Ist Schweden ein Familienziel?

Inhouse-Konkurrenz

Im Moment der Budgetdebatte des Parlaments weihen SBB und ÖBB den NightJet der neusten Generation mit revolutionären Minicabins ein, Ziel Hamburg. Abfahrt täglich, analoge Route für Nordlandreisende, zwar im Sommer meist ausgebucht, aber sicherlich eine Inhouse Konkurrenz. Hatte niemand daran gedacht? War doch eine Steilvorlage für ein Nein der Skeptiker des Alleingangs Richtung Malmö. Der neue NightJet bietet exakt 160 Schlaf-/Liegeplätze sowie 96 Komfortsitze. Als Frequenzbringer werden noch drei SBB-Sitzwagen u.a. mit Velohaken mitgeführt, deklariert als IC mit Halt an 15 Bahnhöfen unterwegs. Verbessert die Rentabilität.

Zusammengefasst: ein Scheitern mit Ansage. Doch bleiben wir bei den Nachtzügen. Die ÖBB hatte eine Bestellung für weitere zehn NightJet-Garnituren bei Siemens in petto. Kürzlich storniert, weil sich weitere Nachtzüge kaum rechnen würden. Und wenn die SBB in die Bresche spränge, diese per Leasing übernähmen und nach Rom oder Barcelona schicken würde? Das Leasing mitfinanziert aus der Klimaticket-Abgabe, resp. dem soeben abgelehnten Umweltfonds. Wäre ein positiveres Signal an enttäuschte Bahnkunden als nach Malmö im Norden. Unternehmerischer Mut, Ausdauer und das Herzblut eines Gastgebers sind Voraussetzung. So liessen sich täglich zwei, drei Flugrotationen einsparen. Gut für die CO2-Bilanz. Die EU drängt auf mehr internationale Verbindungen, an nationalen Hürden darf dies nicht scheitern. Dafür zu kämpfen stünde den SBB gut an.

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