Stau verlagert sich in den Abend und ins Wochenende – in diesen Städten stehen Autofahrer am längsten

Zürich bleibt Deutschschweizer Meister in Sachen Stau. Bild: Mobimag

Im Vergleich zu 2019 verzeichnen Schweizer Städte weniger Staus – eigentlich. Denn es ist eine Verschiebung zu beobachten: Jetzt brauchen Autofahrer auch abends und an Wochenenden mehr Geduld, wie eine exklusive Mobimag-Analyse zeigt. Nicht alle Städte sind gleich stark betroffen.

von Stefan Ehrbar
21. Februar 2022

Im Vergleich zur selben Zeitperiode des Jahres 2019 sitzen Autofahrerinnen und Autofahrer in Schweizer Städten derzeit weniger lang im Stau. Das zeigt eine Analyse von Daten des Anbieters TomTom durch Mobimag.

Allerdings zeichnet sich eine Verlagerung ab – und zwar in zwei Richtungen:

  • Einerseits finden die Stauspitzen derzeit später statt. Im Jahr 2019 waren diese jeweils zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen und zwischen 17 und 18 Uhr am Abend. Derzeit gibt es in den untersuchten Städten Zürich, Bern und Basel zwischen 8 und 9 Uhr und abends zwischen 18 und 19 Uhr am meisten Staus. Meistens ist die Staugefahr um 18 Uhr derzeit sogar höher als vor der Krise.
  • Am Wochenende kommt es zu mehr Staus als im Jahr 2019.

Erklärungsansätze dafür gibt es einige. So sind noch immer viele Angestellte häufiger im Homeoffice als vor der Krise (und werden es wohl auch bleiben). Diese hatten das Auto zuvor zu den klassischen Pendlerzeiten genutzt. Wenn diese nun wegfallen, dann ist die Staugefahr zu diesen Zeiten kleiner. Denkbar ist auch, dass mehr Menschen ihren Arbeitstag zuhause beginnen und erst später ins Büro losfahren, um den Stau zu umgehen – und dafür am Abend später nachhause zurückkehren.

Dafür scheint der Freizeitverkehr auf einem mindestens so hohen, wenn nicht höheren Niveau als noch vor der Krise stattzufinden, was sich auch auf die Staus niederschlägt. Dies deckt sich auch mit den Beobachtungen des Bundesamt für Strassen (Astra): «Corona hat das Verkehrsgeschehen vor allem unberechenbarer gemacht. Wir haben heute Stau, wo es früher keinen gab – in Richtung Ausflugsgebiete an einem Freitag zum Beispiel», sagte Astra-Chef Jürg Röthlisberger kürzlich den Tamedia-Zeitungen. «Auch die Nordumfahrung von Zürich ist am Samstag um Mitternacht voller Verkehr. Wir gehen Richtung Freizeitgesellschaft. Natürlich wird Homeoffice etwas weniger Pendlerverkehr bringen. Die Frage ist, ob der Rückgang des Pendlerverkehrs grösser oder kleiner als die Zunahme des Freizeitverkehrs ist.»

Im Folgenden finden Sie die derzeitigen Veränderungen in Sachen Stau gegenüber 2019 für die Stunden von 7 bis 8 Uhr, von 17 bis 18 Uhr und von 18 bis 19 Uhr für die Städte Zürich, Bern und Basel. Sie basieren auf dem Traffic Index des Navigationsgeräte-Herstellers TomTom. Angegeben ist die Veränderung des sogenannten «congestion level».

Diese Zahl gibt an, um wie viele Prozent sich eine Fahrt im Vergleich zur staufreien Situation verlängert. Diese Zahl ist an Wochenendtagen kleiner, wenn deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs sind. Weitere Daten finden Sie auf tomtom.com für Zürich, Bern und Basel.

Ein Lesebeispiel: Wenn eine Fahrt normalerweise 30 Minuten dauert, dauert sie mit einem Congestion Level von 60 Prozent 18 Minuten länger. Nimmt dieser nun um 20 Prozentpunkte ab, beträgt er noch 40 Prozent und die Fahrt verlängert sich nur noch um 12 Minuten. Die Veränderung dieses Levels um die jeweilige Zahl Prozentpunkte ist in den Grafiken abgebildet.

 

TomTom führt zudem eine Auflistung der 416 am stärksten von Stau betroffenen Städte der Welt. Die aktuellsten Daten stammen aus dem Jahr 2020, als coronabedingt weniger Autos unterwegs waren und weniger Staus gezählt wurden. Die Resultate für die Schweizer Städte sind die folgenden:

StadtRang 2020 (global)Zeitverlust Morgen*Zeitverlust Abend*Verlust Jahr**
Genf6214 min16 min112 h
Zürich8713 min17 min112 h
Lugano9513 min15 min108 h
Basel15910 min15 min98 h
Lausanne1609 min14 min92 h
Bern2568 min13 min82 h
* für eine Fahrt von 30 Minuten ohne Stau
** Im Stau verlorene Zeit bei täglichem Pendeln in der Rush Hour

Die gemäss TomTom weltweit am stärksten von Stau betroffene Stadt war im Jahr 2020 Moskau. Ganze 200 Stunden verloren dort Autofahrerinnen und Autofahrer, die zu Stosszeiten pendeln. Auf Platz 2 folgte das indische Mumbai, auf Platz 3 Bogota in Kolumbien.

Alle Daten finden sich bei tomtom.com.

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