
Seit Beginn der Pandemie steigt die Zahl der Todesfälle im US-Strassenverkehr an. Es wird rücksichtsloser gefahren und mehr Alkohol konsumiert. Ausserdem im Blick aufs Ausland: Porsche baut sein E-Bike-Engagement und wegen Elektroautos könnte die deutsche Pkw-Maut doch noch kommen.
von Stefan Ehrbar
18. Februar 2022
Zunahme von getöteten Fussgängern in den USA
In vielen US-Bundesstaaten steigt die Zahl der Todesfälle im Strassenverkehr seit Beginn der Pandemie und hat mittlerweile ein Rekordniveau erreicht. Die Behörden begründen das unter anderem mit zunehmender Unsicherheit, steigendem Alkoholkonsum und Zerfall sozialer Normen. Das berichtet die «New York Times».
Im Bundesstaat New Mexico wurden vergangenes Jahr etwa 99 tödliche Unfälle mit Fussgängern gezählt. 2020 waren es noch 81 gewesen und das Jahr zuvor 83. Es ist die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung in den 90er-Jahren.
Auch New Jersey verzeichnete die höchste Zahl an tödlichen Fussgängerunfällen seit mehr als 30 Jahren, genau gleich wie Utah, wo diese Zahl um 22 Prozent stieg. Im Bundesstaat Washington wurden 2021 so viele Verkehrstote gezählt wie seit 15 Jahren nicht mehr, in Texas stieg die Zahl der tödlichen Fussgängerunfälle auf ein Rekordhoch. Doch warum?
Zu Beginn der Pandemie seien einige Experten noch optimistisch gewesen, dass die Zahl der Todesfälle zurückgehen würde, weil die Zahl der Autofahrten sinkt, schreibt die Zeitung. Doch das Gegenteil sei der Fall. Leere Strassen hätten es vielen erlaubt, schneller zu fahren als zuvor. Einige Polizeikorps hätten in der Pandemie weniger Kontrollen durchgeführt. Ausserdem schienen die Autofahrer wütender zu werden.
David Spiegel, Direktor des Zentrums für Stress und Gesundheit an der Stanford Medical School sagt, viele Fahrer hätten mit einer Art Reizüberflutung zu kämpfen. «Wir sind so voll mit Ängsten über das Virus und was es anrichten wird, dass die Menschen das Gefühl haben, von anderen Bedrohungen verschont zu bleiben.»
Ausserdem hätten viele das Gefühl, dass Regeln ausser Kraft seien und alles möglich sei. Der Verlust vieler sozialer Kontakte durch die Pandemie habe zudem eine Quelle der Freude, der Unterstützung und des Trostes entzogen. In Kombination mit der Überschätzung unserer Fähigkeit, Risiken einzuschätzen, achteten Menschen dann nicht mehr so darauf, sicher zu fahren.
Porsche baut E-Bike-Engagement aus
Der Stuttgarter Autobauer Porsche baut sein Engagement im Bereich der E-Bikes aus. Das berichtet das Portal «wiredonkeys.com». So hat Porsche 20 Prozent an der Firma Fazua erworben, welche Antriebssysteme für E-Bikes baut. Porsche hat sich auch eine Option gesichert, um Fauza dereinst vollständig übernehmen zu können.
Zudem arbeitet Porsche im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit mit der niederländischen Gesellschaft Ponooc zusammen, welche sich auf nachhaltige Energie- und Mobilitätslösungen konzentriert.
Mit Porsche will Pnooc zwei Joint Ventures gründen, die im Bereich der Elektromobilität tätig sein sollen. Das erste Joint Venture soll eine neue Generation hochwertiger Porsche E-Bikes entwickeln, herstellen und vertreiben, das zweite soll sich auf technologische Lösungen für den Markt der Mikromobilität konzentrieren.
Vor drei Jahren hatte Porsche mit dem Taycan den ersten rein elektrischen Sportwagen vorgestellt. Im vergangenen Jahr waren fast 40 Prozent der in Europa ausgelieferten Porsche-Autos elektrifiziert, wobei auch Plug-In-Hybride mit eingerechnet sind.
Das Knowhow, welches Porsche im Bereich von Elektroautos gesammelt hat, will die Firma nun auch im attraktiven und wachstumsstarken E-Bike-Markt nutzen, berichtet das Portal.
Kommt die Pkw-Maut in Deutschland?
Weil immer mehr Elektroautos in den Verkehr kommen, sinken die Einnahmen aus der Mineralölsteuer und der Kraftfahrzeugsteuer. In Deutschland sind reine Elektroautos zudem zehn Jahre lang von der Fahrzeugsteuer befreit und erhalten danach einen Rabatt von 50 Prozent.
Bis 2030 dürften in Deutschland rund 15 Millionen Elektro-Autos unterwegs sein. Das bedeutet Milliarden-Ausfälle für die Staatskasse. Deshalb bringen Experten laut der «Morgenpost» eine Lösung ins Spiel, um das Finanzloch zu stopfen, nämlich eine überarbeitete Auflage einer Pkw-Maut.
Autofahrerinnen und Autofahrer sollen danach zur Kasse gebeten werden, wie sehr sie die Strassen nutzen. Stefan Bach, Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin sagt, spätestens 2040/50 gäbe es im Zug der Energiewende keine nennenswerte Kraftstoffbesteuerung mehr, wenn es so weitergeht. Für ihn kommt als Ersatz für die Kraftstoffsteuer eine Pkw-Maut ähnlich des Lkw-Mautsystems infrage. Der Preis soll sich nach gefahrener Strecke, Gewicht und Sauberkeit des Motor richten.
Andreas Knie, Verkehrsexperte und Leiter Forschungsgruppe Digitale Mobilität am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung befürwortet ebenfalls eine Reform. Er sieht aber einen anderen Ansatz: «Ein Smartphone im Auto, mit dem sich das Fahrzeug einloggt, wenn es losfährt, und ausloggt, wenn es wieder steht, reicht», sagt er. «Bezahlt werden könnte dann zum Beispiel je nach Gewicht und Leistung des Autos». Auch die gefahrene Strecke könnte berücksichtigt werden.
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