
Wo fahren auf dem Bahnnetz künftig die Bagger auf? Bild: SBB
Die Priorisierungsliste für den Bahnausbau von ETH-Professor Ulrich Weidmann beherrscht die Debatte um künftige Grossprojekte. Ex-VBZ- und SOB-Chef Guido Schoch schreibt, warum die Probleme tiefer liegen und viel mit dem Bahninfrastrukturfonds zu tun haben, der gut gemeint, aber schlecht konstruiert ist.
Guido Schoch,
5. Januar 2026
Dieser Text erschien in gekürzter Version im Infoforum von Pro Bahn, in dessen Vorstand Guido Schoch sitzt.
Die Schweiz verfügt über ein weltweit anerkanntes Bahnsystem. Doch der heutige Erfolg beruht vor allem auf den grossen Projekten vergangener Jahrzehnte – Taktfahrplan, Bahn 2000 und NEAT. Seither fehlt eine gesamtschweizerische, zukunftsgerichtete Vision. Die verfügbaren Mittel werden nach dem Motto „immer mehr vom Gleichen“ verteilt – oft dorthin, wo das stärkste Lobbying stattfindet.
Trotz enormer Investitionen stagniert der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs seit Jahren bei rund 25 %. Das bedeutet: Drei Viertel des Wachstums im Verkehr entfallen weiterhin auf die Strasse. Gleichzeitig sind die Kosten für künftige Ausbauten aus dem Ruder gelaufen.
Investitionen in die Zukunft der Bahn sind zentral. Es fehlen aber eine Diskussion darüber, wie die Bahn der Zukunft aussehen soll und ein umfassendes, gesamtschweizerisches und langfristig ausgerichtetes Angebotskonzept. Ziellose Investitionen erzielen auch kaum Wirkung.
Um die Situation zu analysieren, beauftragte das UVEK im Januar 2025 die ETH Zürich mit einer unabhängigen Priorisierung der geplanten Erweiterungen in den Bereichen Strasse, Schiene und Agglomerationsverkehr bis 2045. Ziel war eine strategische Einordnung nach qualitativen Kriterien – ohne Entwicklung eigener Projekte oder Bewertung der Projektqualität.
Prof. Weidmann legte in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit ein schlüssiges Konzept zur Priorisierung der Bahnprojekte vor, das nun die Grundlage für die politische Diskussion bildet. Der interessante Bericht, auf den sich die Seitenzahlen in den Zitaten beziehen, findet sich hier. Die Liste aller geprüften Projekte findet sich auf Seite 56ff und der Kommentar zu den einzelnen Regionen auf Seite 38ff.
Die Zusammenfassung gibt es unter diesem Link.
Es besteht die Gefahr, dass nur über die Priorisierung der einzelnen Projekte gesprochen wird, während grundlegende Überlegungen Weidmanns zum Vorgehen beim Bahnausbau unbeachtet bleiben. Im vorliegenden Artikel wird daher speziell darauf eingegangen
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