
So sehen die neuen Züge der S-Bahn Zürich aus. Bild: SBB / Siemens
Die Bahn bestellt für 2,1 Milliarden Franken neue Züge für die S-Bahn Zürich und die Westschweiz. Gewonnen hat den Auftrag mit Siemens ein ausländischer Anbieter. Der Schweizer Bahnbauer Stadler ist enttäuscht und könnte den Auftrag anfechten. Für die SBB hat der Ausgang der Beschaffung allerdings Vorteile.
Stefan Ehrbar,
10. November 2025
Niemanden erwähnte Vincent Ducrot am Freitag so oft wie «den Steuerzahler». Mehrfach brachte ihn der SBB-Chef ins Spiel, um die Vergabe der bisher grössten Beschaffung der Bahn zu rechtfertigen. Für 2,1 Milliarden Franken darf der deutsche Hersteller Siemens Mobility mindestens 116 Züge für die S-Bahn Zürich und die Westschweiz liefern, zu einem grossen Teil finanziert von der öffentlichen Hand. Der Schweizer Hersteller Stadler und ein dritter Anbieter gingen leer aus.
Die Kritik von Stadler Rail kam postwendend. Eine «grosse Enttäuschung» sei der Entscheid, lässt sich Stadler-Chef Markus Bernsteiner in einer Mitteilung zitieren. Während Siemens die Züge hauptsächlich im deutschen Krefeld produzieren wird, fertige Stadler in der Schweiz. Dadurch blieben bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung im Land. Ob Stadler die Vergabe anfechten wird, lässt die Firma offen. Ein mögliches Argument für ein juristisches Verfahren liefert Stadler aber: Das eigene Angebot sei nur 0,6 Prozent teurer gewesen als jenes von Siemens.
SBB-Chef Ducrot überzeugt das nicht. «Selbst wenn Stadler nur 0,01 Prozent teurer gewesen wäre, ist das Gesetz klar», sagt er zu Mobimag. Zudem sei der Produktionspreis nur ein Faktor. Siemens habe ein Angebot gemacht, das bei den Kosten über die gesamte Lebensdauer hinweg sehr attraktiv sei und habe auch in Sachen Stromverbrauch oder Nachhaltigkeit gepunktet. Ducrot spricht von einem «klaren Entscheid». In der Gesamtbeurteilung habe sich Siemens mit einem «nicht diskutierbaren Abstand» durchgesetzt.
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