Neue Nachtzüge von Zürich nach Nizza, Bordeaux und Marseille: Das plant die französische Regierung (Abo)

Gibt es bald mehr Nachtzüge nach Frankreich? Bild: Léo Lacrose / Unsplash

«Étude du développement de nouvelles lignes de trains d’équilibre du territoire (TET)»: So heisst das Dokument, in welchem das französische Verkehrsministerium seine Pläne für neue Zugverbindungen der TET-Kategorie vorgestellt. Viele davon sollen in die Schweiz führen. Mobimag hat das Dokument analysiert und zeigt auf, welche Pläne unser westliches Nachbarland hegt.

von Stefan Ehrbar
8. Juni 2021

Das französische Eisenbahnnetz ist vor allem bekannt für die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge.


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In den letzten Jahren gab es verschiedene Reformen des TET-System. Seit dem 1. Januar 2020 besteht es aus nur noch zwei Nachtzugverbindungen von Paris nach Briançon und von Paris nach Rodez, aus drei Hauptverbindungen, drei «regionalen Entwicklungslinien» und zwei lokalen Linien. Im Zuge eines letztes Jahr aufgegleisten Konjunkturprogramms des französischen Staats werden ab 2022 zwei weitere Nachtzugverbindungen aufgenommen, nämlich von Paris nach Nizza und von Paris nach Tarbes.

Nun aber erleben Nachtzüge eine Renaissance und der Klimaaspekt rückt beim Reisen in den Vordergrund. Deshalb hat das französische Verkehrsministerium eine Studie vorgelegt, welche zeigt, wie sich das TET-Netz in den kommenden Jahren weiter entwickeln soll. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf neue Nachtzuglinien gesetzt. 

Eigentlich hätte die Studie schon im Sommer des vergangenen Jahres vorgelegt werden sollen, doch die Coronakrise verunmöglichte die notwendigen Anhörungen. Im Mai hat das Ministerium das Papier nun endlich publiziert. Die Studie analysiert einerseits den Bedarf und das bisherige Reiseverhalten, identifiziert andererseits neue Routen, deren wirtschaftliches Potenzial und mögliche Fahrzeiten. Es handelt sich also nicht um ein konkretes Fahrplankonzept, aber um die Grundlage, auf die sich Frankreich bei der Weiterentwicklung des Netzes stützen wird. Das Ministerium betont in der Studie, dass die vorgeschlagenen Routen auch praktikabel seien und operationell durchführbar, darauf sei bei der Erstellung grossen Wert gelegt worden.

Im Tagesnetz werden verschiedene neue TET-Linien etwa von Bordeaux nach Nizza oder von Orléans nach Lyon vorgeschlagen. Die Schweiz ist von diesen Vorschlägen nicht direkt betroffen. Anders sieht es bei den Nachtzug-Plänen aus. Konkret werden folgende neue Nachtzugverbindungen vorgeschlagen:

  • Zürich – Genf – Avignon – Bordeaux / Barcelona / Nizza: Während der Nachtzug Zürich-Barcelona bereits geplant ist und ab Ende 2024 verkehren soll, sind die Wagengruppen nach Bordeaux und Nizza neu. Ob ein solcher Zug tatsächlich ab Zürich verkehren könnte, ist laut den französischen Unterlagen von der Schweiz respektive der SBB abhängig. Ab Genf soll der Zug mit 190 Plätzen in Richtung Nizza und 310 Plätzen in Richtung Barcelona starten – davon 26 respektive 54 Betten, der Rest als Sitzplätze und im Liegewagen. Nach der Schweizer soll der Zug mit einem Nachtzug aus Metz vereinigt werden, was auch direkte Wagen nach Bordeaux ermöglichen würde.
  • Genf – Lyon – Quimper und Genf – Lyon – Bordeaux
  • Paris – Lausanne – Florenz – Rom: Diese Verbindung ist nicht ganz neu. Die Gesellschaft Thello betreibt bereits einen Nachtzug Paris – Mailand – Venedig, der allerdings in der Schweiz nicht hält. In den Unterlagen des französischen Ministeriums ist ein Halt in Lausanne allerdings explizit geplant – um den Zug besser füllen zu können.
  • Wann und ob diese Verbindungen tatsächlich aufgenommen werden, ist noch völlig unklar. Allerdings sind die Linien als eine Art Gesamtpaket zu verstehen: Nur mit der Umsetzung der ganzen Vision liessen sich Netzwerkeffekte umsetzen und Ressourcen bündeln, etwa beim Rollmaterial und der Wartung, aber auch der Optimierung von Verbindungen. 

    Angepeilt würde bei den Nachtzügen ein Marktanteil von etwa 10 Prozent auf den jeweiligen Verbindungen. Damit sollte laut der Studie ein kostendeckender Betrieb tendenziell möglich sein, die öffentliche Hand könnte aber auch mit einem Dienstleistungsauftrag einen Zuschuss an die Betriebskosten sprechen.

    Die ganze Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden (auf Französisch).

    Der französische Transportminister Jean-Baptiste Djebbari hat auf Twitter einen Zeitplan bekanntgegeben: Demnach sollen die neuen Nachtzüge bis 2030 den Betrieb aufnehmen. Ob das klappt, steht in den Sternen und wird auch davon abhängen, welche Schritte die EU unternimmt, um die Nachtzüge zu fördern. Wenn alles gut läuft, heisst es schon bald: Abends in Zürich einsteigen, morgens an der französischen Riviera aufwachen. Es ist keine schlechte Perspektive.

    [armelse]


     

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