
Gemäss jüngsten Angaben der IATA (International Air Transport Association – Dachverband der Fluggesellschaften) wird die Nachfrage nach Flugreisen 2025 voraussichtlich um 5,8 Prozent steigen (gemessen in RPK – Passagierkilometern), dies bei einem weltweiten BIP-Wachstum von 2,5 Prozent. Im Jahr 2024 wuchs der Luftverkehr mit 10,6 Prozent, was weitgehend noch auf den Aufholeffekt nach der Pandemie zurück zu führen war.
von Peider Trippi,
20. August 2025
Die robuste Erholung der Weltwirtschaft der letzten Jahre lässt nach. Die jüngsten politischen Kurswechsel unter der neuen US-Regierung haben die Unsicherheit noch verstärkt und die ohnehin fragile geopolitische Lage verschärft. Dies wird zwar das Wachstum im Luftverkehr dämpfen, die IATA erwartet jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine grösseren Auswirkungen auf den Passagierverkehr der gesamten Branche. Anhaltende und wachsende Bedenken hinsichtlich Lieferkettenunterbrechungen bei den Flugzeugherstellern werden das Verkehrswachstum ebenfalls belasten.
Der asiatisch-pazifische Raum wird mit einem Anstieg von 9 % im Vergleich zum Vorjahr die am schnellsten wachsende Region sein und 2025 die Hälfte zum Passagierkilometer-Wachstum der Branche beitragen. Dies unterstreicht die wirtschaftliche Dynamik dieser Region und die Ausweitung des internationalen Reiseverkehrs. Europa liegt mit einem geschätzten Wachstum von 6 % im Vergleich zum Vorjahr an zweiter Stelle und trägt 2025 über ein Viertel zum Gesamtwachstum bei. Obwohl es sich um einen reifen Markt handelt, besteht weiterhin Potenzial für überdurchschnittliches Wachstum, angetrieben vom Segment der Billigflieger, das 2024 vor allem aufgrund von Problemen mit der Triebwerkprobleme unter Druck stand (Mobimag berichtete).

Flugzeug-Auslieferungen mit positivem Momentum
Airbus lieferte in den sechs Monaten bis zum 30. Juni nur 306 Flugzeuge aus und blieb damit hinter den 323 ausgelieferten Flugzeugen im gleichen Zeitraum des Jahres 2024 zurück. Die Auslieferungszahlen von Boeing im Vergleich zum Vorjahr für das erste Halbjahr zeigen deutlichere Fortschritte, 280 Flugzeuge gegenüber 175. Der US-Hersteller hat von einer niedrigen Basis aus aufgebaut, wo sich selbstverschuldete Qualitäts- und Lieferantenprobleme bremsend auswirkten.
Die veröffentlichten Auslieferungszahlen für den Juni 2025 sowohl für Airbus als auch für Boeing zeigen, dass die Zahlen wieder nach oben tendieren. Im Laufe des Monats übergab der europäische Flugzeugbauer 63 Flugzeuge, gegenüber 51 im Mai, während Boeing 60 Jets auslieferte, gegenüber 45 im Mai.
Embraer hat im 2. Quartal 2025 im Vergleich zu den Vormonaten deutlich mehr Linien- und Privatflugzeuge ausgeliefert: Im 2. Quartal wurden61 Flugzeuge ausgeliefert gegenüber 30 im 1. Quartal. Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2024 ist dies eine Steigerung von 30 Prozent.
Bestellungs-Boom weltweit
Europa und Afrika
Die International Airlines Group (IAG) hat einen Auftrag über 71 Grossraumjets von Airbus und Boeing bekannt gegeben. Diese Bestellung umfasst 32 Boeing 787-10 für British Airways und 21 Airbus A330-900, die Aer Lingus, Iberia und Level zugeteilt werden. Die 787 Dreamliner, die für BA bestimmt sind, werden ältere Flugzeuge ersetzen und das Netzwerk der Fluggesellschaft erweitern. Die Auslieferungen werden voraussichtlich im Jahr 2028 beginnen und bis 2033 laufen.
IAG bestätigte auch, dass die Airline-Gruppe im März einen bisher unangekündigten Auftrag über sechs Airbus A350-900 erteilt hat, die an Iberia gehen werden, sowie sechs A350-1000 und sechs Boeing 777-9 für BA. IAG bestätigte ferner, dass sie sich Optionen für weitere zehn 787 und bis zu 13 weitere A330-900 gesichert hat.

Transavia, Gesellschaft der Air France-KLM-Gruppe, beginnt mit der Ausmusterung der Boeing 737, einem historischen Moment in der Modernisierung der Flotte. Bis 2030 wird die gesamte Boeing 737-Flotte durch die leiseren und wirtschaftlicheren Airbus A321neo und Airbus A320neo ersetzt. Transavia betreibt eine heute Flotte von 131 Flugzeugen.
Die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor hat vier weitere Airbus A330-900 bestellt und vier Optionen gezeichnet. Damit wird sich ihre Gesamtflotte dieses Typs bis 2031 auf 25 Flugzeuge erhöhen.
Scandinavian Airlines (SAS) hat 45 Embraer E195-E2-Jets bestellt, mit Optionen für 10 weitere Flugzeuge, was den grössten Flugzeugkauf seit 1996 darstellt. Eine Bestellung mit einem Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar.
Air Algerie bestellte 16 ATR 72-600 für ihre neue Inlandsfluggesellschaft Domestic Airlines. Die Turboprop-Maschinen sollen zwischen 2026 und 2029 zur Ablieferung kommen.
Naher Osten
Qatar Airways hat Boeing einen Grossauftrag für 130 787 Dreamliner und 30 777-9, mit Optionen für 50 weitere, im Wert von 30 bis 35 Milliarden US-Dollar erteilt. Die Vereinbarung, die während des Nahostbesuchs von Präsident Trump erfolgte, steht im Einklang mit den Flottenexpansionszielen der Fluggesellschaft für 2030 und stärkt die strategischen Partnerschaften zwischen den USA und Katar.

Riyadh Air hat anlässlich des Luftfahrtsalon in Le Bourget einen Auftrag über 25 Airbus A350-1000 mit der Option auf eine Ausweitung auf 50 Flugzeuge bestätigt. Neben den A350 sind sechzig Airbus A321neo und 38 Boeing B787 Dreamliner bestellt. Weitere 33 B787 sind geplant. Die Gründung der Airline erfolgte vor zwei Jahren am 12. März 2023.
Etihad Airways, die nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, baut ihre Flotte weiter aus und bestätigt einen Auftrag über 28 Grossraumflugzeuge von Boeing. Die Vereinbarung umfasst eine Mischung aus Boeing 787- und 777X-Flugzeugen. Diese Flugzeuge werden voraussichtlich ab 2028 in die Flotte aufgenommen und werden die bestehenden Pläne von Etihad für Wachstum unterstützen.
Die Saudia Group hat einen Auftrag über 10 Flugzeuge des Typs Airbus A330-900 für ihre Low-Cost-Tochter flyadeal erteilt und will damit den Grossraumbetrieb ausweiten. Die Vereinbarung unterstützt die umfassendere Flottenexpansionsstrategie der Gruppe und steht im Einklang mit den Zielen der Saudi Vision 2030, die Konnektivität und die Passagierkapazität zu erhöhen.
Die bahrainische Fluggesellschaft Gulf Air hat sich bereit erklärt, 12 Boeing 787 im Rahmen einer Absichtserklärung zu kaufen, die am 17. Juli bekannt gegeben wurde. Dies einen Tag nachdem der Kronprinz des Landes US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus besucht hatte.
Asien
Im Juni 2023 hatte Air India Aufträge für den Kauf von Flugzeugen von Airbus (40 A350, 140 A320, 70 A321) und von Boeing (20 B787-9, 10 B777-9, 190 B737 MAX10) im Rahmen seines laufenden Transformationsprogramms erteilt, die nun zur schrittweisen Auslieferung bei Air India und Air India Express gelangen. 2024 wurde ein weiterer Auftrag über den Kauf von 100 Airbus-Flugzeugen (10 A350 und 90 A320) abgeschlossen, wodurch sich die Gesamtzahl der bestellten Flugzeuge auf 570 erhöht.
Die aufstrebende indische Low-Cost-Gesellschaft IndiGo, gegründet 2005, betreibt heute über 450 Flugzeuge. IndiGo machte im Juni 2023 mit dem weltweit grössten Einzelauftrag über 500 Jets der Airbus A320-Familie Schlagzeilen in der Luftfahrt. Im Rahmen ihrer Langstreckenambitionen hatte die Airline Festbestellungen über 60 Airbus A350-900 sowie Optionen für 40 weitere Flugzeuge aufgegeben, die Auslieferungen sollen ab 2027 erfolgen. Inzwischen hält IndiGo einen Anteil von 65 Prozent am indischen Inlandsflugverkehrsmarkt. Die Flottengrösse soll dereinst über 1000 Flugzeuge umfassen.
AirAsia hat den Kauf von fünfzig Airbus A321XLR-Flugzeugen unterzeichnet und damit die erste Bestellung seit der Covid-19-Pandemie aufgegeben. Der Vertrag, der am Rande eines Staatsbesuchs des malaysischen Premierministers Anwar Ibrahim in Paris angekündigt wurde, hat einen Wert von mehr als 12,2 Milliarden Dollar. Mit Stand Juli 2025 hat AirAsia insgesamt 254 Flugzeuge in ihrer Gruppe mit einem Durchschnittsalter der Flotte von 12,1 Jahren.
Die japanische ANA Holding hatte im Juni bekannt gegeben von Airbus 24 A321neo und drei A321XLR, von Embraer 15 E190-E2 und von Boeing 18 787-9 und 10 737 Max 8 fest zu bestellen. Davon wird die Low-Cost-Tochter Peach Aviation zehn A321neo und die A321XLR betreiben. Die Verträge für diese Flugzeuge wurden auf der Pariser Luftfahrtmesse abgeschlossen.
Die taiwanische China Airlines hat 10 Boeing 777-9-Passagierflugzeuge und vier 777-8F (Frachter) fest bestellt und ist damit die erste Fluggesellschaft in Taiwan, die in die 777X-Plattform investiert. Mit dieser strategischen Flottenerneuerungsplan soll der Passagierdienst auf der Langstrecke verbessert und die Frachtkapazität mit treibstoffeffizienteren Grossraumflugzeugen erweitert werden.
Die indonesische Airline Garuda verhandelt mit Boeing über den Kauf von 50 bis 75 Flugzeugen der Baureihen B737Max 8 und B787-9. Wie CH-Aviation im April meldete, haben Garuda und ihre Inlandtochter Citilink 21 respektive 23 Airbus- und Boeing-Flugzeuge ausser Betrieb.
Die Malaysia Aviation Group (MAG), die Muttergesellschaft von Malaysia Airlines, hat ihre Optionen für 20 weitere Airbus A330-900 im Juli 2025 ausgeübt und damit ihre ursprüngliche Verpflichtung verdoppelt. Durch den Kauf, der am Rande eines Staatsbesuchs des malaysischen Premierministers Anwar Ibrahimin Paris bekannt gegeben wurde, wird die nationale Fluggesellschaft zu einem der grössten A330neo-Betreiber im asiatisch-pazifischen Raum.
Thai Airways erwägt, eine Option zum Kauf von 35 weiteren Boeing787-9 einzulösen. Die mögliche Flugzeugbestellung steht im Zusammenhang mit laufenden Handelsverhandlungen zwischen der thailändischen Regierung und der Trump-Administration.
Vietjet, Vietnams grösste private Fluggesellschaft hat einen Erstauftrag für 100 Airbus A321 Flugzeuge mit einer Option auf weitere 50 Flugzeuge an der Paris Air Show 2025 bekannt gegeben. Der unterzeichnete Vertrag hat einen potenziellen Wert von rund 9,4 Milliarden US-Dollar. Beim offiziellen Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Hanoi wurde ein Festauftrag über 20 weitere Airbus A330-900 erteilt und damit hat Vietjet ihren Auftragsbestand für die A330neo auf 40 Flugzeuge verdoppelt.
Welche Faktoren beeinflussen die Flugzeugbestellungen?
- Die Fluggesellschaften stützen die Flugzeugbestellungen auf die zukünftigen Nachfrageprognosen für Wachstum, Strecken- und Marktbedingungen ab.
- Bei der strategischen Flottenplanung geht es darum, ältere Flugzeuge ausser Dienst zu stellen um die Effizienz zu erhöhen, die Wartungskosten zu senken und den technologischen Fortschritt zu nutzen.
- Finanzierungskonditionen, Preisverhandlungen und der Aufbau von Beziehungen zu Herstellern spielen beim Flugzeugkauf für Fluggesellschaften eine wichtige Rolle.
- Die Verfügbarkeit von passendem Fluggerät auf den benötigten Zeitpunkt.
Nicht ganz neu sind die Bekanntgaben von Grossbestellungen bei Staatsbesuchen. Ob Bestellungen bei Boeing mit Lieferhorizont 2030+ (um dem amerikanischen Präsidenten Genüge zu tun) zur Auslieferung kommen wird sich weisen. Grössere Stornierungen von Bestellungen gab es in der Vergangenheit auch immer wieder.
Ausblick
Die weltweite Flotte soll gemäss dem jüngsten Global Market Forecast von Airbus von Ende 2024 von 24.730 Flugzeugen bis 2044 auf 49.210 wachsen. In den nächsten 20 Jahren rechnet Airbus weltweit mit einem Bedarf von 43.420 neuen Passagier- und Frachtflugzeugen, davon 9170 Grossraumflugzeuge. Dies wird nicht nur dem Wachstum zugutekommen, sondern auch den entscheidenden Ersatz älterer, weniger kraftstoffeffizienter Flotten vorantreiben.
Treiber des Verkehrswachstums sind vor allem das Wachstum der Mittelschicht um 1,5 Milliarden Menschen. Dies ist die wahrscheinlichste Bevölkerungsgruppe, die mit dem Flugzeug reist. Die expandierenden Volkswirtschaften (BIP +2,5 %), der zunehmende Welthandel (+2,6 %) und Zunahme der städtischen Bevölkerung (+1,2 Mrd.) sowie verbesserte Infrastrukturen und eine bessere Zugänglichkeit des Luftverkehrs sind weitere Gründe für den wachsenden Bedarf.
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