
Deutsche Tankstellen melden weniger Umsatz. Schlagen die gestiegenen Benzinpreise durch? Auch im wöchentlichen Blick aufs Ausland: Nach dem Ausstieg von BMW und Mercedes aus dem Carsharing stellt sich die Frage nach der Profitabilität – und die Bahnstrecke Stuttgart-Zürich bereitet Ärger.
von Stefan Ehrbar
6. Mai 2022
Weniger Umsatz an Tankstellen
Die gestiegenen Benzinpreise scheinen sich auf das Mobilitätsverhalten auszuwirken – zumindest in Deutschland. Das berichtet der WDR mit Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach haben die Tankstellen in Deutschland im März gegenüber dem Vormonat einen realen Umsatzrückgang von 11,5 Prozent verzeichnet.
Das WDR-Verkehrsstudio registriere auch einen Rückgang der Staus in Nordrhein-Westfalen, seit die Benzinpreise gestiegen sind. Auch über Ostern waren die Staus weniger lang und häufig als vor der Pandemie.
Die Bahn hingegen vermeldete hohe Fahrgastzahlen. Rund 1,8 Millionen Passagiere hätten Fernverkehrs-Züge der Deutschen Bahn über das Osterwochenende genutzt, 20 Prozent mehr als an Ostern 2019.
Das deutsche Bundeskartellamt hat vor drei Wochen eine Sektoruntersuchung gegen Raffinerie-Betreiber und Grosshändler eingeleitet. Dabei geht es um mögliche Preisabsprachen. Ab Juni will die Bundesregierung mit einer Steuersenkung die Spritpreise drücken. Die Senkung soll für drei Monate bis Ende August gelten.
Keinen solchen Effekt gab es zunächst in der Schweiz: Im März konnten Tankstellen im Vergleich zum Vorjahresmonat einen realen Umsatzanstieg von 17 Prozent verbuchen, wie der «Blick» mit Verweis auf Zahlen des Bundesamts für Statistik berichtete.
Lässt sich mit Carsharing Geld verdienen?
Die deutschen Autohersteller BMW und Mercedes verkaufen ihr gemeinsam gehaltenes Carsharing-Unternehmen Share-Now an die Opel-Mutter Stellantis. Das kommunizierte Stellantis am Dienstag. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Share-Now ist in 16 europäischen Grossstädten mit 11’000 Autos und 3,4 Millionen Kunden aktiv.
Der «Tagesspiegel» nimmt das zum Anlass, der Frage nachzugehen, ob sich mit Carsharing Geld verdienen lässt. Share-Now habe hohe Verluste angehäuft, nur in einigen Grossstädten sei das Geschäft profitabel. Alleine Mercedes hatte zuletzt einen Verlust von 329 Millionen Euro pro Jahr für seinen Teil des Geschäfts verbucht.
Mobility-as-a-Service-Angebote blieben für Autohersteller aber strategisch wichtig, sagt Dietmar Voggenreiter, Automotive-Experte beim Beratungsunternehmen Horváth der Zeitung. Autonomes Fahren werde solche Dienste deutlich attraktiver machen. Carsharing sei eine Vorstufe dazu, die aber wegen hohen Personal-, Wartungs- und Logistikkosten für viele Firmen zu teuer sei.
«In gewissen Innenstadtlagen und für einige Anwendungen kann Carsharing heute schon funktionieren, aber der Markt ist klein und die Bereitschaft, das private Auto abzugeben, ist gering», sagt Voggenreiter. Volumenhersteller wie Stellantis oder VW hingegen könnten mit grösseren Stückzahlen operieren, was ein Vorteil sei.
Die Probleme von Share-Now haben auch mit dem Fokus auf Deutschland zu tun, wo es Carsharing besonders schwer habe, weil die Autobauer starkes Interesse am Verkauf von Autos für den Individualverkehr hätten. Hinzu kämen politische Hürden.
Widerstand gegen Kappung der Gäubahn
Im Zug des Bahnhofprojekt Stuttgart 21(S21) soll die Zufahrt über die Gäubahn voraussichtlich zehn Jahre lang vom Hauptbahnhof abgekoppelt werden. Diese wird auch für die Intercity-Verbindung von Zürich nach Stuttgart genutzt. Ab 2025 soll für diese Züge deshalb vorerst in Stuttgart-Vaihingen Endstation sein.
Ein neues Rechtsgutachten hat nun bei den Gegnern dieser Pläne wieder für neue Hoffnung gesorgt, wie die «Stuttgarter Zeitung» berichtet. Das von Umweltverbänden bestellte Gutachten kommt demnach zum Schluss, dass die Deutsche Bahn keine Genehmigung hat, die Gäubahn jahrelang vom Hauptbahnhof zu trennen. Es gelte die Betriebspflicht.
«Für mich ist zentral, dass die Planung und der Bau von S21 rechtskonform ablaufen. Zudem brauchen wir eine Lösung, die die Kappung der Gäubahn am Hauptbahnhof vermeidet», wird Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, zitiert. Jede Nicht-Lösung der Gäubahnfrage sei ein «Fahrgast-Abschreckungsprogramm».
«Der Plan der Bahn, klammheimlich vollendete Tatsache zu schaffen, ist gescheitert», kommentierte das Aktionsbündnis gegen S21 das Gutachten. Einen verbindlichen Einfluss auf das Projekt S21 und die Gäubahn hat das Gutachten allerdings nicht.
Langfristig soll die Gäubahn von Böblingen zum Stuttgarter Flughafen und von dort weiter an den Hauptbahnhof geführt werden. Laut jüngsten Plänen soll dafür ein elf Kilometer langer Tunnel gebaut werden. Darauf hat sich der Lenkungsausschuss S21 unlängst geeinigt, wie das Portal schwaebische.de schreibt. Der Tunnel dürfte eine Milliarde Euro kosten.
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