
Die Gemeinden Rümlang, Opfikon und Kloten treten aus dem Schatten der Stadt Zürich. Sie haben eine Vision für die nächsten 30 Jahre entwickelt, die schweizweit wohl einmalig ist. Das Velo soll künftig eine zentrale Rolle spielen, Parkfelder hingegen in grosse Parkhäuser verbannt werden. Auch ein Bahnhof soll gezügelt werden.
von Stefan Ehrbar
3. August 2021
Für Auswärtige ist es eine Art urbanes Niemandsland: Die Region zwischen der Stadt Zürich und dem Flughafen Zürich. 50’000 Menschen wohnen in den drei Gemeinden Opfikon, Rümlang und Kloten. Sie gehören zu den schweizweit am schnellst wachsenden.
Mit der Eröffnung der Glattalbahn von der Stadtgrenze Zürichs an den Flughafen vor 13 Jahren und der Grossüberbauung Glattpark in Opfikon, die etwa 7’000 Einwohnern Platz bietet, hat die Region einen grossen Entwicklungsschub erfahren. Hinzu kam der stetig wachsende Flughafen Zürich, der immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz bot und bis vor der Krise der grösste Verkehrserzeuger des Kanton Zürich war.
Nun holen die Gemeinden und der Verband der fünf grössten Grundeigentümer in der Region (UBS, Coop, Alpine Finanz, Priora Suisse und Flughafen Zürich) zum nächsten grossen Schlag aus. Ihre Vision trägt den Namen «Airport City» und soll in den nächsten 30 Jahren umgesetzt werden. Schon nächstes Jahr soll in Opfikon, wo die Massnahmen grösstenteils umgesetzt werden, die Richt- und Nutzungsplanung starten und der politische Prozess in Gang gesetzt werden.
Bereits informiert wurden die Grundeigentümer in der Region. Mobimag liegen die Unterlagen vor. Sie erlauben den Blick in eine Planung, wie sie als vorbildhaft für die ganze Schweiz gelten kann.
Zuständig für die Planungsarbeiten sind das Studio Vulkan und EBP Schweiz. Lukas Schweingruber, Architekt von Vulkan, hat an der virtuellen Veranstaltung vor wenigen Wochen die Eckwerte der «Airport City» skizziert.
Im Zentrum steht eine «Green Line» genannte neue Verbindung für den Langsamverkehr. Sie soll den Flughafen Zürich mit der Stadt Zürich verbinden. Es handelt sich laut Schweingruber um eine «hocheffiziente Velo-Autobahn mit entsprechenden Unternetzen und Zubringern».

Diese Verbindung soll nicht nur Velofahrern, sondern auch Fussgängern oder Nutzern von E-Scootern und anderen neuen Mobilitätsformen offen stehen.
In der Airport City gibt es laut Schweingruber verschiedene Orte mit unterschiedlichen Zentralitäten. «Die Airport City ist nicht die Kernstadt. Es ist ein Gefüge unterschiedlicher Zentralitäten. Nicht überall ist es dicht, nicht überall zentral. Immer wieder gibt es Lücken dazwischen». Als zentrale Orte im Konzept gelten der Flughafen, der Balsberg das Unterfeld, die Region Bäuler Cher, die Region um den Bahnhof Glattbrugg und das Zentrum von Opfikon. All diese Orte sind laut Schweingruber «extrem gut über den ÖV erschlossen».
Das sei zentral: «Die Airport City setzt auf den ÖV», so Schweingruber. Das neue, «hervorragende Velonetz» soll zudem die Zentralitäten verbinden. Die ganze Entwicklung passiere in Kombination mit dem Autoverkehr. Doch für diesen wird es Änderungen geben: Es soll in der Region mehrere grosse Parkhäuser an zentralen Orten geben – und zwar dort, wo auch der ÖV und der Langsamverkehr zusammenkommen. Dort wird es dann eigentliche Mobilitäts-Hubs geben. «Dort entsteht Zentralität, Dichte und Stadt», so Schwingruber. Den in der Region heute noch sehr präsenten grösseren Parkfeldern hingegen soll es an den Kragen gehen. «Sie sind grosse Flächenfresser, die wir wegbringen wollen.».
Ein grösseres Parkhaus könnte etwa im Gebiet Bäuler Cher entstehen, aber auch im Unterfeld und beim Balsberg sind Parkhäuser in den Unterlagen vermerkt (siehe Bildergalerie unten). Teils könnten diese auch unterirdisch entstehen. «Künftig werden die Strassen nicht mehr vom Auto dominiert, sondern gemeinsam mit dem Langsamverkehr genutzt», so Schweingruber. Geprüft werden auch neue Verkehrsregimes etwa mit Durchfahrtssperren für den Autoverkehr und neuen Wegen für Fussgänger.
Der Bahnhof Balsberg soll gar verlegt werden, und zwar südlich über die Brücke und die Autobahn. Zusammen mit der Glattalbahn könne so an diesem Ort eine «enorm hohe Zentralität» entstehen, so Schweingruber. Hinzu komme, dass der Flughafen Zürich plane, sein Operation Center an den Balsberg zu zügeln, womit dort viele Arbeitsplätze hinzu kämen.
Der Fluss Glatt soll ebenfalls aufgewertet werden und als «verwunschene Perle» eine Art zusammenhängenden grossen Park schaffen.
Bruno Maurer, der Bauvorstand von Opfikon, sprach in seiner Präsentation vor den Grundeigentümern von einem Horizont von 30 Jahren. Schon nächstes Jahr soll der politische Prozess aber starten, in diesem Sommer sind weitere Veranstaltungen mit Grundeigentümern geplant.
«In der Schweiz ist es wohl die einzige Gelegenheit, eine neue Stadt entwickeln zu können», sagte Peter Meier-Neves, der Gemeindepräsident von Rümlang. Es gehe darum, attraktive Lebensräume zu schaffen mit kurzen Wegen. Einkäufe sollen zu Fuss oder mit dem Velo erledigt werden können. «Airport City soll so gestaltet werden, dass die Bewohner begeistert sind, hier zu leben.»
Roland Gemperle, der Präsident des Vereins Airport City, sagte wiederum, die Region müsse ein «AAA-Standort» werden. Es gehe um eine «riesige Aufwertung und einen riesigen Mehrwert für jene, die hier arbeiten und leben». Eine Lage mit einem internationalen Flughafen auf der einen und einer internationalen Stadt auf der anderen Seite und sehr kurzen Wegen sei wohl weltweit einmalig.
Finanziell profitieren dürften aber nicht zuletzt auch die Grundeigentümer. «Sie kriegen eine Aufwertung ihrer Liegenschaften», so Gemperle an der Veranstaltung. René Huber, der Stadtpräsident von Kloten, sagte: «Die betroffenen Grundeigentümer profitieren besonders».
Eine erste Information der Öffentlichkeit dürfte wohl noch dieses Jahr erfolgen. Eine offizielle Anfrage von Mobimag wurde von der Stadt Opfikon früher im Jahr damit beantwortet, dass es sich noch um Planungen und Berichte mit einem internen Charakter handle und dass man hoffe, baldmöglichst die Medien einbeziehen zu können.
In der Bildergalerie sehen Sie erste Ausschnitte der Planung des Studio Vulkan.





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