Die wahren Schäden des Autofahrens // Bahnen investieren in Künstliche Intelligenz

Wie viele Schäden verursacht das Auto? Autobahnen in Dubai. Bild: Nick Fewings / Unsplash

Gesundheits- und Umweltschäden, die das Auto verursacht, betragen Tausende Franken pro Jahr und werden von der Gesellschaft getragen. Ausserdem im Blick aufs Ausland: Die Deutsche Bahn beteiligt sich an einem KI-Startup und eine Studie belegt Vorteile eines europaweiten Hochgeschwindigkeitsnetz.

von Stefan Ehrbar
28. Januar 2022

Die wahren Kosten des Autofahrens

Autofahren kostet mehr, als viele Menschen denken – zumindest, wenn auch jene Kosten betrachtet werden, die von der Gesellschaft getragen werden. Zu diesem Schluss kommt die neue Studie «The Lifetime costs of driving a car», über welche die «Zeit» berichtet.

Neben den Kosten für Treibstoff, Versicherung, Autosteuern, Autobahnvignetten oder Reifenwechsel fallen nämlich auch Kosten an, weil Menschen aufgrund von Lärm oder Luftverschmutzung erkranken, früher sterben oder an den Folgen des Klimawandels leiden.

In der Studie wurden die privaten und sozialen Gesamtkosten umfassend berechnet. Sie kommt zum Schluss, dass die Gesellschaft jedes Auto jährlich mit durchschnittlich 5000 Euro (umgerechnet 5200 Franken) subventioniert.

«Müssten Autofahrer und -fahrerinnen alle Kosten selbst zahlen, die ihr Wagen verursacht, könnten sich nur Gutverdienende überhaupt noch ein eigenes Auto leisten», heisst es im Artikel. Bei der typischen deutschen Fahrleistung von 15’000 Kilometern pro Jahr würde ein Opel Corsa der Studie zufolge in einem Autofahrerleben 599’082 Euro (umgerechnet 622’000 Franken) kosten, ein VW Golf umgerechnet 679’000 Franken und ein Mercedes GLC umgerechnet 994’000 Franken.

Die drei teuersten Kostenpunkte sind laut der Studie die Luftverschmutzung, der Landverbrauch und die Instandhaltung der Infrastruktur und das Bordsteinparken. Hinzu kommen noch Kosten durch Lärm, den Klimawandel und durch Einschränkungen für Velofahrende oder zu Fuss Gehende.

In Deutschland verliert laut dem Artikel jeder Bürger aufgrund von Luftverschmutzung durch Krankheit oder Tod etwa ein Lebensjahr.

Deutsche Bahn investiert in KI-Startup

Google, Biontech und die Deutsche Bahn (DB) investieren in das tunesische Startup Instadeep. Das berichtet das Portal t3n.de.

Instadeep hat seinen Sitz in London und entwickelt Entscheidungsfindungssysteme für Unternehmen, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen beruhen. Während KI sich zu Beginn vor allem mit Muster-, Text- und Bilderkennung befasste, geht es nun auch um komplexere Fragestellungen.

Doch wieso investiert ein Bahnunternehmen in eine solche Technologie?

Wie das Portal schreibt, können grosse Schiffahrtsunternehmen mit KI beispielsweise die effizienteste Art und Weise finden, Container zu beladen und zu transportieren. Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen wie die DB könnten mittels KI die ideale Auslastung ihrer Schienen berechnen und Zugtaktungen automatisieren.

Auch die SBB setzt zur Wartung des Schienennetzes auf Künstliche Intelligenz. An einem Projekt, das letztes Jahr vorgestellt wurde, ist neben der ETH Zürich und dem aus der ETH hervorgegangenen Startup LatticeFlow auch Siemens beteiligt. KI soll etwa Kamerabilder auswerten und damit Daten zur Wartung und Prüfung des Netzes liefern, berichtete die Seite s-ge.com. In KI sieht die SBB Potenzial für eine verbesserte, intelligente und automatisierte Überwachung der Bahninfrastruktur.

Die Vorteile eines europaweiten HGV-Netzes

Der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken in Europa würde neben Vorteilen für das Klima auch solche für die Wirtschaft mit sich bringen. Das belegt eine neue Studie des Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), über welche der «Standard» berichtet.

Das Institut hat errechnet, welche Vorteile ein massiver Bahnausbau in Europa hätte. Dafür hat das WIIW eine durchgehende Hochgeschwindigkeitsstrecke von Lyon bis Moskau zugrunde gelegt, mit der die Distanz zwischen den beiden Endpunkten nur noch rund zwölf Stunden Fahrtzeit betragen würde.

Vor allem Distanzen dazwischen von bis zu 1000 Kilometern könnten durch Hochgeschwindigkeitszüge gut überbrückt werden, schreiben die Autoren. Der Umstieg auf die Schiene würde Emissionen einsparen. Auf der gesamten Strecke Lyon-Moskau könnte der CO2-Ausstoss über die angenommene Lebensdauer von 60 Jahren in etwa so viel reduziert werden, wie die Niederlande oder Polen in einem Jahr ausstossen. Darin sind Emissionen, die bei Bau, Betrieb und Wartung von Hochgeschwindigkeitsstrecken anfallen, eingerechnet.

Würde man den gesamten Güterverkehr auf die Schiene verlagern, fiele die CO2-Reduktion etwa doppelt so hoch ausfallen, schätzt das Institut. Für die Studie gingen die Autoren von einer weitreichenden Verlagerung des Passagieraufkommens von Flugzeugen auf die angedachten Schnellzüge aus.

Die Studie beziffert die Baukosten für eine solche Strecke auf rund 200 Milliarden Euro bei einer Bauzeit von mindestens zehn Jahren. Das WIIW hat auch errechnet, welche Folgen eine Art Europäische Seidenstrasse auf der Schiene haben könnte. Diese würde eine Bahnstrecke von Lissabon bis Uralsk und eine von Mailand über Wien nach Baku beinhalten. Dafür würden 11’000 Kilometer Gleise quer durch Europa verlegt. «Ein solcher «Big Push» in der Infrastruktur würde nicht nur dem Klima helfen, sondern auch Wachstum und Beschäftigung ankurbeln, sind sich die Wissenschafter sicher», heisst es im Artikel.

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