Die Zitate der Woche: «Wir stören die Weihnachtsbesinnlichkeit. Sie ist trügerisch. Wir steuern auf den Klimanotstand zu»

Renovate Switzerland führte zuletzt wieder Klebeaktionen durch, etwa in Zürich. Bild: Renovate Switzerland

Jede Woche wirft Mobimag einen Blick auf die wichtigsten Zitate. Dieses Mal mit den Aktivisten von Renovate Switzerland, die erklären, warum sie weiterhin Klebeaktionen durchführen, dem Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel, der Nachtzüge kritisiert und selber Widerspruch erfährt und eine Mobilitätsforscher, der dem Auto eine grosse Zukunft prognostiziert.

von Stefan Ehrbar
20. Dezember 2023

Die Zitate der Woche

Die umgesetzten Stabilisierungsmassnahmen haben bedauerlicherweise noch nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Pünktlichkeit geführt.

SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, warum der Eurocity zwischen Zürich und München dieses Jahr noch mehr Verspätungsminuten eingesammelt hat als im Vorjahr (tagblatt.ch)

Zur Ehrenrettung von Deutschland muss ich aber sagen: Der bestehende Korridor funktioniert einigermassen. […] Das stärkste Argument für Schienengüterverkehr ist Verlässlichkeit. […] Dieses Versprechen können wir im Moment nicht einlösen. Auch da muss ganz massiv an der Qualität gearbeitet werden.

Der Direktor des Bundesamt für Verkehr, Peter Füglistaler, gibt gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur DPA eine Einschätzung der Lage des Bahnverkehrs im nördlichen Nachbarland ab (cash.ch)

Wir stören die Weihnachtsbesinnlichkeit. Sie ist trügerisch, denn wir steuern auf den Klimanotstand zu. Wir müssen endlich aufwachen. […] Wir bleiben bei unserer Strategie. Wir werden weiterhin sämtliche Formen des gewaltfreien Widerstands anwenden.

Marie Seidel von Renovate Switzerland sagt, warum die Organisation weiterhin Protestmärsche und Klebeaktionen durchführen wird (tagesanzeiger.ch)

Auch in vielen europäischen Städten ist über die Hälfte des öffentlichen Raums durch Autos belegt (in denen wiederum, wenn nur eine Person unterwegs ist, 80 Prozent des Raums unbenutzt bleibt). Es ist nur leider so, dass die progressive Stadtplanung chronisch unterschätzt, wie viel der Verkehr zum genuinen Erlebnis Stadt beiträgt, nicht trotz, sondern eigentlich genau wegen seiner angeblich so negativen Aspekte; die Verengung der Verhältnisse, das Durcheinander, der Lärm, die Hektik, ja sogar das Gefahrenelement, das der Individualverkehr mit sich bringt. Sie alle fügen dem Stadtleben das Gefühl bei, dort zu sein, «wo es gerade passiert» – etwas, was in Städten, die eigentlich lieber ein Dorf wären, verlorengeht, genauso wie die befreiende Anonymität des Tohuwabohus. Ich übernachtete neulich in einem gar nicht billigen Hotel in Athen. Der Lärm bis ins Morgengrauen war höllisch, und ich war am anderen Morgen nahe dran, mich bei der Réception zu beschweren. Doch dann registrierte ich in mir wieder einmal diese Energie, die einem mit all ihren Belästigungen nur Grossstädte schenken und die den verpassten Schlaf mehr als kompensiert.

Der Leiter des Ressort Gesellschaft der «NZZ am Sonntag», Christoph Zürcher, kann autozentrierter Stadtplanung einiges abgewinnen (magazin.nzz.ch)

Selbstverständlich gab es auch immer Autofahrende, die wenig Verständnis für die Massnahmen – insbesondere bei den Dosierungen der Autobahnausfahrten – zeigten respektive dies auch zum Ausdruck brachten. Im Extremfall kam es zu Beleidigungen und gar Spuckattacken.

Gustav Planzer, Stabschef der Urner Kantonspolizei, zu den dieses Jahr erstmals umgesetzten Massnahmen für ein neues Stauregime am Gotthard etwa mit Sperrung von Autobahn-Einfahrten (urnerzeitung.ch)

Das Kriterium ist da eine ausgewiesene Hebelwirkung beim CO₂-Ausstoss. Das ist beim Nachtzug nicht der Fall. Deshalb bin ich der Meinung, dass man keinen einzigen Subventionsfranken in einen Nachtzug stecken sollte.

Der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel hält Nachtzüge für ineffizient und nicht forderungswürdig. Das sagt er vor dem Hintergrund der Preiserhöhungen der ÖBB-Nightjets (tagesanzeiger.ch)

Nachtzüge haben eine Berechtigung und eine Zukunft – wie auch zusätzliche internationale direkte Tageszüge.. Es braucht beides. Wir sollten das nicht gegeneinander ausspielen. […] Die Nachfrage nach Nachtzügen boomt! […] Im ÖV kann nicht immer jedes Element für sich ein lohnendes Geschäftsmodell sein. Viele Reisende legen einen Weg mit dem Nachtzug zurück und den anderen mit dem Tageszug.

Ueli Stückelberger, der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) widerspricht: Für weit entfernte Destinationen wie Wien, Hamburg oder Barcelona seien Nachtzüge sehr attraktiv (tagesanzeiger.ch)

Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Strassenverkehrs im Zürcher Oberland rührt daher, dass der überregionale Bahnverkehr schlicht und einfach unbrauchbar ist. Der Umweg über Zürich HB ist auch ziemlich mühsam und wieder mit zahlreichen Umstiegen verbunden. Für in die Ferien reisende Familien mit Gepäck und Kindern ist das schlicht eine Zumutung.

Der Ustermer Verkehrsplaner Paul Stopper fordert mit seiner Vereinigung Pro Oberland einen Versuch mit einem Direktzug vom Zürcher Oberland via Linthgebiet nach Chur (zueriost.ch)

Wir erhoffen uns die prognostizierte Verkehrsdrehscheibe. Dass das Gewusel, das an einem Bahnhof herrscht, besser organisiert und strukturiert ist, als es das heute ist. Wir erhoffen uns auch, dass die Personenflüsse besser funktionieren, insbesondere zu Stosszeiten. Ich erachte das, was heute passiert, sei es in der Unterführung oder auf den Perrons, teilweise als sehr gefährlich. Wir erhoffen uns vom neuen Bahnhof eine Verbesserung des Komforts für die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Verkehrs. Und ich gehe davon aus, dass es mit dem nächsten Ausbauschritt auch beim Bahnangebot Verbesserungen geben wird.

Der Stadtammann von Lenzburg AG, Daniel Mosimann, hofft auf Verbesserungen durch den Ausbau und die Sanierung des Bahnhofs, der als einer der kritischen bezüglich Kapazität gilt (aargauerzeitung.ch)

Das Auto wurde bisher als praktisch, aber gerade urban zunehmend als ein Problem wahrgenommen. Es belastet das lokale Umfeld mit Lärm und Abgasen, ist grösster Treiber des Klimawandels und verbraucht Fläche. Dieses Narrativ dürfte sich ändern, wenn kleine, leise E-Fahrzeuge gemeinsam als riesiger Stromspeicher die Energiewende befeuern. Vielleicht werden zukünftig sogar Autos überwiegend im Paket mit Solaroder Windenergiekapazitäten für den Fahrbetrieb verkauft. Das hat Potenzial für eine Saulus-Paulus-Geschichte.

Der Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW glaubt, dass das Auto zur «grünen Erlebnismaschine» wird und der ÖV sich deshalb stärker entwickeln muss (derbund.ch)

Schreiben Sie einen Kommentar

Diesen Artikel kommentieren