Die Low-Cost Fluggesellschaften überflügelten im Jahr 2025 in Europa erstmals die Netz-Airlines bei der Anzahl Flüge

Die klassischen Netzfluggesellschaften wie SWISS, Lufthansa, SAS, British Airways und Air France verlieren im Europaverkehr an Marktanteilen. Bild P. Trippi

Der europäische Luftverkehr hat gemäss Eurocontrol 2025 erstmals das Niveau von 2019 übertroffen. Der Markt ist von einem starken Ferienflugsegment, besonders in Südeuropa und einer zunehmenden Dominanz von Billigfliegern geprägt.

von Peider Trippi,
18. März 2026

2025 wurden 11,1 Millionen Flüge im Eurocontrol-Network-Manager-Gebiet registriert, plus 4,1 Prozent im Vergleich zu 2024. Täglich kann das Wachstum nach Berücksichtigung des Schaltjahres 2024 auf +4,3 % angepasst werden. Das künftige Verkehrswachstum wurde im Vergleich zu den früheren Prognosen nach unten korrigiert: Für das Jahr 2050 werden nun 12,2 Millionen Flüge respektive 15,4 und 18,0 im Rahmen des niedrigen, des Basis- und des hohen Verkehrsszenarios in Europa erwartet.

Das grösste Marktsegment Europas im Jahr 2025 erreichten die Low-Cost Carrier (auch Billigfluggesellschaften genannt) mit 35,2 % Marktanteil. Damit übertrafen sie erstmals die Netzflug-Gesellschaften, die 34,7 % erreichten. Die LCC waren 2025 dynamischer (+6 % gegenüber Vorjahr) als klassische Gesellschaften (+4 %) unterwegs. Insgesamt haben sich die Low-Cost-Betreiber schneller von der COVID-Krise erholt als die grossen Netzgesellschaften. Die LCC sind im Aufwind, weil ihr Geschäftsmodell mit günstigen Tickets, dichter Bestuhlung, hoher Flottenauslastung und Fokus auf Punkt‑zu‑Punkt‑Verkehr genau zur preissensiblen Nachfrage in Europa passt. Sie können Flugzeuge flexibel zwischen Basen und Märkten verschieben, setzen stark auf sekundäre oder kostengünstigere Flughäfen und nutzen neue Flugzeuge, um zusätzliche Strecken zu eröffnen.

Europäische Low‑Cost Airlines haben mit einer Ausnahme ihr Streckennetz seit 2019 deutlich ausgeweitet. Graphik: Statista/P. Trippi

Wachstum verstärkte sich im vierten Quartal

Der Flugverkehr in Europa erholte sich gemäss Eurocontrol weiter. Doch die Entwicklung verlief in Europa im Jahresverlauf wie regional höchst unterschiedlich. Das Jahr 2025 verzeichnete im ersten Quartal einen verhaltenen Start hinsichtlich der Anzahl Flüge aufgrund der reduzierten Kapazitäten durch Billiganbieter und einigen Stornierungen wegen des schlechten Wetters. Mit dem Sommerflugplan vom April bis Oktober lagen die Werte bei plus 3,6 % respektive plus 0,8 % zu 2019. Im vierten Quartal beschleunigte sich das Wachstum und erreichte 5,2 % zu 2024 und 2,4 % zu 2019.

Die Mehrheit der südeuropäischen Staaten verzeichnete weiterhin die höchsten Flugwachstumsraten im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024, obwohl sich diese abflachten und das Niveau von 2019 überschritten haben. Abgesehen von einigen Ausnahmen (z. B. Polen, Irland) verzeichneten die Länder in Nordeuropa schwache Quoten und liegen immer noch unter dem Niveau von 2019.

Erfolgreiche Fluggesellschaften

Im Jahr 2025 verzeichneten die 10 verkehrsreichsten Flugzeugbetreiber gemäss den Statistiken von Eurocontrol insgesamt plus 4,8 % mehr Flüge im Vergleich zu 2024 (plus 37 % zu 2019). Die Ryanair Group belegte zum elften Mal in Folge mit 3.184 täglichen Flügen die Spitzenposition. Dieser Anstieg der Ryanair-Gruppe wurde hauptsächlich durch einen starken Anstieg der Inlandnachfrage in Italien, Spanien, Grossbritannien und Polen verursacht. Die zweite erfolgreiche Low-Cost Airline, die ungarische Wizz Air Group, verzeichnete ein Wachstum von 8,6 % im Vergleich zu 2024 (plus 54 % zu 2019), was auf mehr Verbindungen in den Regionen Italien, Polen, Spanien und Rumänien zurückzuführen ist.

Im Jahr 2025 verzeichnete die skandinavische SAS mit plus 14 % der Flüge den grössten Anstieg unter den verkehrsreichsten 30 Betreibern, dies auch dank ihrer Wet-Lease-Partnerschaft mit Braathens, die darauf abzielte, zuverlässige und effiziente inländische Luftverbindungen in Schweden zu sichern. Zu diesem Wachstum trugen auch die gesteigerten Flugverbindungen zwischen den nordischen Ländern bei.

Die Turkish Airlines Group verzeichnete einen Anstieg von plus 8,6 %, was auf eine Erholung der Inlandnachfrage in der Türkei (ab 2024) und auf einen Anstieg der Flüge zwischen der Türkei und Saudi-Arabien, Deutschland, Ägypten und der Russischen Föderation zurückzuführen sind. Da die Türkei die Flugsanktionen gegenüber Russland nicht mitträgt, verkehrten täglich mehrere Flugzeuge ab den türkischen Städten und Badeorten zu den Flughäfen in Moskau und St. Petersburg. Hiervon profitierte auch die türkische Billigfluggesellschaft Pegasus.

Die weiteren Netzfluggesellschaften steigerten die Anzahl ihrer Abflüge wie folgt: LOT-Polen um 8 %, Air France + 6 %, AUA + 4 %. Rund um 2 Prozent Wachstum verzeichneten KLM, SWISS, British Airways und Finnair. Reduktionen bei den Anzahl Flügen verzeichneten Lufthansa mit minus 2 %, Iberia -5 % und ITA-Italien -10 %.

Durchschnittlich tägliche Flüge der Top 20 Fluggesellschaften 2025 in Europa. Der Anteil der LCC-Flüge beträgt dabei 47,1 Prozent. Graphik: Eurocontrol/P. Trippi

Das Low-Cost – Marksegment wächst stärker

Gemäss Eurocontrol hatten im Jahr 2025 die Niedrigkosten- und die Netzbetreiber jeweils einen ähnlichen Marktanteil von je 35 Prozent der Flüge. Letztlich verzeichneten die Low-Cost Fluggesellschaften (LCC) täglich 220 mehr Abflüge. Hierbei gilt es zu beachten, dass Eurocontrol Fluglinien wie Condor und Eurowings zu den LCC zählt. Im Vergleich zu 2024 hat sich der Marktanteil des Niedrigkostensegments leicht um 0,7 Prozentpunkte erweitert, was einer Zunahme von 6 % bei der Zahl der Abflüge entspricht. Dies wurde hauptsächlich durch eine Ausweitung der Low-Cost Inlandverbindungen in der Türkei sowie durch Flüge zwischen Spanien und Grossbritannien, Deutschland-Türkei, Italien-Spanien und Italien-Polen verursacht. Low-Cost Airlines fokussieren ihr Wachstum auf jene Märkte, die die besten Rahmenbedingungen bieten. Deutschland gehört derzeit nicht dazu wie der teilweise Rückzug von Ryanair belegt, das Angebot wurde hier um 33 % reduziert. Der Marktanteil der LCC in Deutschland reduzierte sich gemäss einer DLR-Studie von über 32 Prozent im Jahr 2019 auf rund 21,2 Prozent im Jahr 2025.

Der Segmentanteil der Netzfluggesellschaften blieb im Vergleich zu 2024 praktisch unverändert. Dieses Segment liegt immer noch 4 % unter dem Niveau von 2019, was vor allem auf die Schwäche heimischer Märkte in der Türkei, Deutschland, Frankreich, Italien und Norwegen zurück zu führen ist sowie auf die verlorenen Verbindungen zwischen europäischen Staaten und der Russischen Föderation.

Regionalverkehr verliert

Das Segment des Regionalverkehrs verzeichnete bei den Anzahl Flügen einen Marktanteil von 12 % und schrumpfte im Vergleich zu 2024 um einen Prozentpunkt. Es ist das Segment, das mit minus 19 % am weitesten von 2019 entfernt ist. Hierbei spielten verschiedene Einflussfaktoren mit. Einige traditionelle Routen hatten höhere Flugpreise durch Zuschläge zu verzeichnen. Der Wettbewerb durch Hochgeschwindigkeitszüge, staatliche Initiativen und Umweltkampagnen bewirkten ebenfalls eine geringere Nachfrage nach Flügen. Insbesondere sind heute dabei Schweden, Frankreich, Deutschland und Spanien betroffen.

Die Liberalisierung des spanischen Bahn-Personenverkehrs und der Rückgang der Fahrkartenpreise haben sich gemäss Trenvista Hochgeschwindigkeitszüge als Top-Wahl gegenüber dem Flugverkehr auf Spaniens wichtigsten Korridoren etabliert. Laut Zahlen von Renfe, die von El País berichtet wurden, entscheiden sich inzwischen 82 % der Fahrgäste für den Zug auf sieben Hauptstrecken. So lag der Modalanteil zwischen Barcelona und Madrid Ende 2009 bei 47,1 % für den Bahnverkehr, 2022 stieg der Bahnanteil dort schon auf 75 %.

Die gleichen Entwicklungen in Italien und Frankreich

Mit dem Aufstieg der Hochgeschwindigkeits-Bahnverbindungen in Italien wurde dies zu einem der Hauptfaktoren für den Niedergang des einträglichen Alitalia-Inlandluftverkehrs zwischen Mailand und Rom. Diese Verbindung hatte früher bis zu 60 tägliche Flüge. Ähnliches wurde mit den TGV-Linien in Frankreich erreicht. Der Bahnanteil auf den Strecken Paris-Lyon und Paris-Bordeaux liegt heute bei 95 respektive 89 Prozent.

Ausblick

Der europäische und internationale Flugverkehr wird weiterwachsen. In Europa insbesondere der Ferien- und der ethnische Verkehr, beides begünstigt durch die attraktiven Flugpreise der Billigfluggesellschaften. Das Passagierwachstum wird stärker steigen als die Anzahl Flüge was durch den vermehrten Einsatz grössere Flugzeuge wie die Airbus A321 und längeren Langstreckenmaschinen begründet ist. An Bedeutung wird der regionale Luftverkehr verlieren. Der stetige Ausbau internationaler Züge und Hochgeschwindigkeitsstrecken sowie die Liberalisierung im Bahnverkehr erschweren einen wirtschaftlichen Luftverkehr auf kurzen, innereuropäischen Strecken. Die Nachhaltigkeits- und CO2-Diskussionen sprechen ebenfalls ganz klar für die Bahnverbindungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Diesen Artikel kommentieren