
Hunderte Feuerwehrleute bekämpfen Brände, die über 20.000 Hektar Wald- und Buschflächen in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland verwüstet haben. Starke Winde fachen die Flammen und Temperaturen immer wieder an. Dabei werden die Feuerwehren von Löschflugzeugen verschiedener Unternehmen unterstützt.
von Peider Trippi,
22. Juli 2026
Ein grossflächiger Waldbrand wütete Anfangs April in der Region von Cravagliana (Piemont) bis hinauf in die Täler und setzte die Einsatzkräfte unter Druck, wie die Lokalzeitung Notizia Oggi berichtete. Ein erster Einsatz der Feuerwehr hatte die Hoffnung geweckt, die Lage unter Kontrolle zu bringen, doch im Laufe der Nacht flammten die Flammen wieder auf, breiteten sich weiter aus und erforderten neue, aufwendigere Löscharbeiten. Die Lage wird durch die schlechte Sicht, zumindest am frühen Morgen, erschwert: Dichter Rauch verhinderte den Einsatz von Flugzeugenund beschränkte die Löscharbeiten auf Bodenmassnahmen. Im weiteren Verlauf konnten Helikopter und später Canadair CL-415 Flugzeuge eingesetzt werden, die von Rom aus eingeflogen wurden. Die Behörden rechnen inzwischen mit über 700.000 zerstörten Bäumen.

Der italienische Zivilschutz (Protezione Civile) betreibt mit 19 Einheiten eine der grössten Flotten von Canadair CL-415 Amphibien-Löschflugzeugen in Europa. Mit ihrer Fähigkeit, mehrere Tausend Liter Wasser in wenigen Sekunden aus grossen Flüssen, Seen oder dem Meer aufzunehmen, sind die Maschinen essenziell für die Bekämpfung von Waldbränden in ganz Italien und auch europaweit im Einsatz.
Breite Palette von Löschflugzeugen
Während Feuerwehrleute die Bekämpfung am Boden tun, rufen sie oft Luftunterstützung in Form von Lufttankern an, indem sie die Infernos von oben mit Wasser oder Brandschutz bombardieren. Es ist eine gefährliche Aufgabe, aber eine, die einigen «pensionierten» Flugzeugen ein zweites Leben über den Transport von Passagieren oder Fracht hinaus ermöglicht. Sehr wenige Flugzeuge sind mit Blick auf die Feuerbekämpfung gebaut, daher nehmen Unternehmen die von den Fluggesellschaften ausgeschiedenen veralteten Flugzeuge und nutzen sie um, um Brände zu stoppen und letztlich Leben und Eigentum zu retten.
Löschflugzeuge zur Vegetationsbrandbekämpfung werden primär in Amphibienflugzeuge (mit Wasseraufnahme im Flug) und konventionelle Löschflugzeuge (an Land befüllt) unterteilt. Die wichtigsten Modelle unterscheiden sich signifikant in ihrer Einsatzkapazität, Geschwindigkeit und Taktik. Ein Löschflugzeug ist ein speziell für die Brandbekämpfung mit Tanks ausgerüstetes Flugzeug. Herkömmliche Starrflügelflugzeuge werden vor dem Einsatz mit Löschmittel betankt. Flugboote und Amphibienflugzeuge, die als Löschflugzeuge eingesetzt werden, können während des Fluges Wasser aus einem Gewässer aufnehmen, indem sie mit offenen Klappen ins Wasser eintauchen, ohne jedoch auf dem Wasser zu landen. Hubschrauber nehmen das Wasser in einem besonderen Löschwasser-Aussenlastbehälter im Schwebeflug auf.
Löschmitteleinsatz
In der Regel mischen die fliegenden Feuerwehren dem Wasser Chemikalien bei. Ein gelartiger Effekt lässt das Wasser dann besser an Bäumen und Büschen haften. Auf Ammoniumphosphat basierende Verbindungen bringen einen zusätzlichen Kühleffekt mit. Die auffällige Färbung ist ein beigemischter Farbstoff. Sie dient der visuellen Orientierung, damit Piloten und Einsatzkräfte am Boden exakt sehen können, wo das Mittel bereits abgeworfen wurde und wo Lücken in der Schutzlinie bestehen.
Die rot gefärbten Einsatzmittel sind Langzeit-Löschmittel. Es besteht meist aus Wasser, Ammoniumphosphat und dem roten Farbstoff. Es wird nicht direkt auf die Flammen, sondern vorbeugend an die Ränder des Brandes gesprüht. Blau sind Kurzzeit-Löschmittel oder Gele. Sie dienen der schnellen direkten Brandunterdrückung und ist oft flüchtig oder biologisch abbaubar.
Amphibienflugzeuge
Das am meisten mit rund 200 Einheiten eingesetzte Amphibien-Löschflugzeug ist die Canadair CL-415 und sein Vorgänger CL-215. Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme stellte der ehemalige Hersteller Bombardier die Produktion Ende 2015 ein, heute wird das Programm von Viking Air Limited weiter geführt. Der Erstflug der mit zwei Pratt & Whitney Canada PW123AF Turboprop angetriebene CL-415 war am 6. Dezember 1993. Sie fliegt mit einer Reisegeschwindigkeit von 350 km/h und verfügt über eine Reichweite von rund 2400 Kilometer.
6140 Liter Wasser können während eines Touch-and-Go-Manövers in Gleitfahrt an der Wasseroberfläche mit – je nach Serienstand – bis zu 80 oder 90 Knoten Geschwindigkeit über Wasser (ca. 148 bzw. 167 km/h) während etwa 12 Sekunden aufgenommen werden. Dabei taucht der Boden des Rumpfes geringfügig ins Wasser ein. Zwei hinter der Schwimmerstufe des Rumpfes angebrachte, ausfahrbare Klappen fördern das Wasser unter Ausnutzung der Relativgeschwindigkeit des Wassers gegenüber dem Flugzeug hydrodynamisch in den Tank. Im Boden des Rumpfes liegen 4 schmale, längs orientierter Klappen, die an den Längsseiten abgelenkt 90° nach unten geklappt werden, um binnen etwa 3 Sekunden den Wasserinhalt abzuwerfen. Zusätzlich verfügt die CL-415 über zwei 340 l-Container für Schaumlöschmittel.
Das neueste Mitglied der legendären Flugzeugfamilie, die Canadair 515 wird nun im Werk von De Havilland Aircraft of Canada (DHC) in Calgary gebaut. Die DHC-515 basiert auf dem Vorgängerflugzeug CL-415, verfügt jedoch über Verbesserungen zur Erhöhung der Funktionalität wie modernste Navigationsinstrumente sowie einen Hochauftriebsflügel und effizientere Turboprop-Triebwerke. In einem Produktionsupdate vom März 2026 gab der Hersteller bekannt, dass derzeit 22 der gefragten DHC-515 für europäische Kunden, darunter Kroatien, Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich, gefertigt werden. Die Auslieferung des ersten Flugzeugs wird für die Waldbrandsaison 2028 erwartet.

Landbasierte Löschflugzeuge
Als grösste in ihrer Klasse wurden Boeing B747 als sogenannte VLAT – Very Large Air Tanker eingesetzt. Das ehemalige Unternehmen Global SuperTanker, mit Sitz in Colorado/USA, betrieb bis 2021 mit ihrer B747-400 das weltweit grösste Feuerlöschflugzeug in der Branche und transportierte auf einem einzigen Flug bis zu 72.600 Liter Wasser oder 66.200 Liter Brandschutzmittel. Um zwischen den Missionen Löschmittel wieder aufzutanken benötigte die B747 nur 35 Minuten zum Bunkern (Video in Englisch und Spanisch).
Ehemalige Passagierflugzeuge wie die McDonnell Douglas DC-10-30 (Fassungsvermögen bis 45.000 Liter Feuerlöschmittel), Boeing B737 (15.000 Liter), McDD MD-87 (11.300 Liter) und Avro RJ85 (11.300 Liter) wurden zu Feuerlösch-Tanker umgebaut. Die vier vom Unternehmen 10 Tanker Air Carrier aus Albuquerque/USA eingesetzten DC-10-30 werden saisonal abwechseln in den USA und Australien eingesetzt. Coulson Aviation operiert sechs Boeing 737-300 Fireliner, von denen einige früher für Southwest Airlines flogen. Sie sind in ganz Australien positioniert und werden eingesetzt um Busch- und Waldbrände zu bekämpfen. (Australia’s National Large Air Tanker in Englisch). Ab 2028 werden die ersten Airbus A319 (17.000 Liter) einsatzbereit sein: Neptune Aviation Service aus Missoula/USA hat kürzlich seine kritische Designüberprüfung des A319 abgeschlossen. Das Unternehmen wird in den kommenden Wochen Testflüge durchführen und erwartet, dass Commercial Jet die Modifikationen des Flugzeugs innerhalb von 18 Monaten abschliessen wird, was Neptune auf Kurs für die Waldbrandsaison 2028 bringt.
Zuverlässigkeit mit vier Jet-Triebwerken bietet die von vielen Unternehmen eingesetzte Avro RJ85 Airtanker auf der Basis des BAe 146 hervorragende Leistungen auf kurzen Pisten sowie mehrfache Systemredundanz. Die RJ85 bietet ein breites Geschwindigkeitsspektrum und hat ein Fassungsvermögen von 11.300 Liter Löschmittel, was dieses Flugzeug zu einem idealen Löschflugzeug, auch in schwierigem Gelände macht. Die RJ85 AT verwendet ein computergesteuertes System, das unbegrenzte Durchflusskombinationen ermöglicht, die von der Besatzung ausgewählt werden.
Auch Lockheed Martin C-130 Hercules Transportflugzeuge werden umgebaut. Die viermotorigen Turboprops werden am häufigsten von den Militärs der Welt für Fracht- und Truppentransporte eingesetzt. Die C-130 kann bis zu 15.000 Liter Wasser oder Brandschutzmittel in seinen Tanks aufnehmen und hat den Vorteil gegenüber seinen Jet-Pendants, dass er abgelegene Orte erreichen und unbefestigte Start- und Landebahnen benutzen kann.
Mit zwei effizienten Pratt & Whitney PW 150A Turboprop-Motoren ist der Dash 8-400 Tanker das jüngste Feuerbekämpfungs-Einsatzflugzeug, das heute verfügbar ist. Das Spezialflugzeug ist aufgrund seiner Grösse, Geschwindigkeit, Leistung und Sicherheit ideal für Kriseneinsätze geeignet. Der Dash 8-400AT wurde für Luftbrandbekämpfungseinsätze entwickelt und liefert Löschmittel, Schaum oder 10.000 Liter Wasser. Der Mittelabwurf erfolgt bei 230 km/h.
Feuerlösch-Nachrüstkit für den Airbus A400M
Airbus Defence and Space gab Ende Juni 2026 den erfolgreichen Abschluss einer Reihe von Testabwürfen und Vorführungen seines A400M-Feuerlöschdemonstrator-Kits bekannt. Die Versuchsreihe umfasste mehrere Abwürfe von rot gefärbtem Löschwasser über einem „Becher-Gitterraster“ auf dem Gelände des Flughafens Nîmes-Garons in Frankreich. Diese Markierungen dienen dazu, die Verteilung und Konzentration des Löschmittels am Boden exakt bewerten zu können. Bei den Überflügen ergossen sich bis zu 400 Meter lange Löschmittelschneisen aus der Heckrampe. Bei den Feuerlöschkits handelt es sich um sogenannte Roll-on/Roll-off (Ro-Ro)-Kits in Form von installierten Tanks im Frachtraum. Laut Airbus kann mit ihnen jede A400M innerhalb kurzer Zeit für Löschmissionen bestückt werden. Mit Standardpumpen sollen die Tanks binnen zehn Minuten mit bis zu 20.000 Liter Wasser oder Löschmittel befüllt sein.
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