
Die aktuellen Quartalszahlen der Schweizer Autoimporteure zeigen: Zwar bleibt ein Tesla-Modell das meistverkaufte, doch dahinter legen die schweren und dreckigen SUV-Modelle weiter zu. Der Anteil von rein elektrisch betriebenen Autos an den Neuzulassungen sinkt sogar wieder. Ist der Höhepunkt bereits überschritten?
von Stefan Ehrbar
11. April 2023
Die Autoverkäufer in der Schweiz haben wieder Grund zur Freude. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im ersten Quartal 8,5 Prozent mehr Autos zugelassen. «Der Schweizer Fahrzeugmarkt scheint die Chipkrise und weitere Liefereinschränkungen weitestgehend überwunden zu haben», wird Christoph Wolnik zitiert, der Sprecher von Auto-Schweiz.
Das Vorkrisenniveau ist zwar noch nicht erreicht. So wurden im März etwa knapp 25’200 Autos neu immatrikuliert. Vor der Coronakrise waren es im März zum Teil über 30’000. Doch die gröbste Delle scheint überwunden zu sein.
Wie Wolnik weiter zitiert wird, könne die Branche nun viele aufgelaufene Aufträge aus dem vergangenen Jahr abarbeiten und geduldigen Kundinnen und Kunden zum Frühjahr ihre Neuwagen bereitstellen. So dürfe das Jahr gerne weitergehen.
Unter dem positiven Titel «Alternativantriebe bauen Marktanteil weiter aus» sieht sich die Branche in der Mitteilung auch in Sachen Elektrifizierung weiter auf Kurs. Zwar haben Benzin- und Dieselfahrzeuge tatsächlich leicht an Marktanteilen verloren. Nur: Der Zuwachs bei alternativen Antrieben geht hauptsächlich auf Mild-Hybride zurück – also Verbrennerfahrzeuge ohne Stecker, die zusätzlich über einen kleinen Elektromotor verfügen.
Deren Anteil ist von 24,6 Prozent im Jahr 2022 auf 27,6 Prozent im ersten Quartal gestiegen. Anders sieht es bei den rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen aus. Deren Anteil an den Neuzulassungen ist gar von 17,8 Prozent im Jahr 2022 auf 17,4 Prozent im ersten Quartal gefallen.
Schon im letzten Jahr hatte sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. «Im europäischen Vergleich wurde die Schweiz in der zweiten Jahreshälfte von Deutschland überholt und fällt weiter zurück (neu Platz 8)», schrieb der Verband Emobility damals in einer Mitteilung. Werden rein elektrisch betriebene Autos und Plug-In-Hybride zusammengezählt, liegen mittlerweile Norwegen, Island, Schweden, Finnland, Dänemark, die Niederlande und Deutschland vor der Schweiz.
Der Verband begründete dies auch mit dem hohen Anteil von Mietern hierzulande. «Der Markteintritt der Elektroautos über die hochpreisigen Fahrzeugklassen (vor allem Tesla Model S) wurden oftmals von einer Kundschaft mit Eigenheim und eigener Heimladestation gekauft. Die Diversifizierung in untere Preiskategorien spricht nun auch vermehrt Mieter:innen an, die allerdings mit schlechten Voraussetzungen für die Installation von Heimladestationen zu kämpfen haben», so Emobility. «Als Land mit dem höchsten Mieteranteil war damit das Zurückfallen im europäischen Vergleich absehbar. Dort gelten Ladestationen vermehrt als notwendige bauliche Massnahme, was den Einbau erheblich vereinfacht.» Der Nationalrat hat eben erst eine Motion gegenstandslos abgeschrieben, die Mietern ein Recht auf Laden ermöglicht hätte, weil sie zu lange hängig gewesen war.
Wie die Tabelle der meistverkauften Fahrzeuge im ersten Quartal zeigt, sind aber auch Fahrzeuge mit sehr hohem CO2-Ausstoss schuld an der schleppenden Elektrifiizierung. Diese sind in der Schweiz weiterhin sehr beliebt. So haben etwa die SUV-Modelle aus der GLC-Klasse von Mercedes-Benz oder das Modell XC40 von Volvo deutlich Plätze gutgemacht. Abgesehen vom Tesla Model Y - dem erneut meistverkauften Fahrzeugmodell - waren im ersten Quartal Elektroautos in der Schweiz dünn gesät in den Top 20 der Verkäufe.
Ob die Schweiz ihre Klimaziele im Bereich Verkehr angesichts der ungebrochen hohen Beliebtheit von solchen Fahrzeugen ohne weitere Massnahmen erreichen kann, muss deshalb bezweifelt werden.
Schreiben Sie einen Kommentar