MAN bringt keine neuen Dieselbusse mehr // London: Tube wieder bei 90% des Vorkrisenniveau // Der Kampf gegen Privatjets beginnt

MAN setzt auf Elektrobusse. Bild: MAN

Die Elektrifizierung des Verkehrs schreitet voran. Der deutsche Busbauer MAN will keine neuen Dieselbusse mehr entwickeln. Ausserdem im wöchentlichen Blick aufs Ausland mit den Links zu spannenden Geschichten: Der ÖV in London erholt sich stark – und der Kampf gegen Privatjets nimmt an Fahrt auf. Die Schweiz spielt eine unrühmliche Rolle.

von Stefan Ehrbar
9. Juni 2023

MAN bringt keine neuen Dieselbusse

Die VW-Tochter MAN gehört mit fast 5000 verkauften Bussen im letzten Jahr zu den grössten Busherstellern Europas. Nun hat der Konzern die Entscheidung gefällt, sich in Zukunft auf Elektrobusse zu fokussieren.

Grund dafür ist unter anderem die neue Abgasnorm EU-7 der Europäischen Union. Sie soll für Autos, Transporter, Lastwagen und Busse gelten und ab dem 1. Juli 2025 in Kraft treten. Im vergangenen Jahr hat die EU-Kommission einen Vorschlag für die neue Norm veröffentlicht, der derzeit diskutiert wird und in einigen Mitgliedsländern – allen voran Italien und Frankreich – auf Ablehnung stösst. Die Einführung und der Einführungszeitpunkt sind deshalb noch nicht gesichert.

Nichtsdestotrotz hat MAN nun entschieden, ab dem Jahr 2030 in Europa ausschliesslich Elektrobusse verkaufen zu wollen. Auf Investitionen in Busse, die die Euro-7-Norm erfüllen, will der Hersteller verzichten. Das berichtet das Portal «Sustainable Bus».

«Im Jahr 2030 werden wir in Europa keinen Stadtbus mit Verbrennungsmotor mehr verkaufen», zitiert das Portal Heinz Kiess, den Leiter des Produktmarketings Bus bei MAN Bus & Truck. Die Aussagen machte er demnach diese Woche in Barcelona.

Es sei nicht möglich, für die gesamte Produktpalette Euro-7-Fahrzeuge zu entwickeln, und Investitionen nur in ein Segment liessen sich nicht amortisieren. Ein Blick auf die Entwicklung des Stadtbusmarktes zeigt laut Kiess zudem, dass es keinen Markt für Gasbusse mehr gibt und dass Brennstoffzellenbusse künftig höchstens 10 Prozent des Marktes ausmachen werden.

Der nächste Schritt in der Elektrifizierungsstrategie von MAN ist demnach die Elektrifizierung der Niederflur-Busse der Klassen I und II. Mehr Details dazu sollen Ende Jahr bekannt gegeben werden.

Wie das Portal berichtet, ist MAN mit dieser Entscheidung nicht alleine. Im Jahr 2022 hat demnach bereits Konkurrent Daimler beschlossen, nicht in die Entwicklung von Bussen zu investieren, welche die Euro-7-Norm erfüllen, sondern sich auf Elektrobusse zu fokussieren.

MAN hat bisher bereits 450 Exemplare des elektrischen Stadtbus Lion’s City E verkauft und hat über 1000 Bestellungen dafür in den Auftragsbüchern. Im Jahr 2025 soll eine neue Batteriegeneration die Reichweite der MAN-Elektrobusse um 25 Prozent erhöhen. In den nächsten Jahren will MAN zudem Pantographen-Lösungen lancieren.

Dass sich MAN auf Elektrobusse fokussiert, begründet Kiess auch damit, dass die Batterietechnologie mehr Spielraum für Verbesserungen bei Energiedichte und Ladeleistung biete als beispielsweise die Wasserstofftechnologie.

London: Tube wieder bei 90 Prozent

Die Zahl der Fahrten mit der Londoner U-Bahn hat wieder 90 Prozent des Niveaus von vor der Coronakrise erreicht. Das berichtet diese Woche die BBC mit Verweis auf Transport for London (TfL).

Im April wurden demnach 91 Millionen Fahrten mit der U-Bahn unternommen, verglichen mit 101 Millionen Fahrten im April des Jahres 2019. Im Vergleich zum April 2021 ist die Zahl der Fahrten um fast 12 Millionen gestiegen.

Laut Angaben von TfL sind einige Bahnhöfe im Zentrum von London an Wochenenden mittlerweile wieder stärker frequentiert als vor Beginn der Pandemie.

Der Chief Operating Officer Glynn Barton wird damit zitiert, dass dies sowohl für TfL als auch für die Stadt im Allgemeinen sehr positiv sei. Der ÖV sei Rückgrat der wirtschaftlichen Erholung.

Gemäss Barton trug auch die vor einem Jahr eröffnete Elizabeth Line «massiv» dazu bei, Menschen wieder zum Umsteigen auf den ÖV zu bewegen. Im April wurden 14 Millionen Fahrten auf der 118 Kilometer langen Linie gezählt, die Teile von Berkshire, Buckinghamshire und Essex mit zentralen und südöstlichen Bezirken von Greater London verbindet. Der Bau der Elizabeth Line kostete 18,25 Milliarden Pfund (knapp 21 Milliarden Franken). Herzstück sind Tunnelstrecken auf einer Länge von 21,6 Kilometern Länge.

Wie die TfL weiter mitteilte, waren die Fahrgastzahlen auf der Docklands Light Railway (DLR) im April auf einem Niveau von 92 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Noch etwas stärker ist der Rückgang bei den Bussen. Dort wurden 137 Millionen Fahrten registriert, was gegenüber 2019 einem Rückgang von 12 Prozent entspricht. Auch die Trams sind erst auf einem Niveau von 70 Prozent des Vorkrisenwertes.

Der Kampf gegen die Privatjets beginnt

Privatjets sind zwar so beliebt wie schon lange nicht mehr. Doch wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) schreibt, regt sich in der EU nun Widerstand und erste Flughäfen verzichten auf die privaten Flugzeuge.

Gemäss einer Auswertung der Nichtregierungsorganisation CE Delft wurde im letzten Jahr die Strecke vom Flughafen München zum Flugplatz Oberpfaffenhofen mehr als 100-mal mit einem Privatjet zurückgelegt, schreibt die Zeitung. Dabei handle es sich um eine Strecke mit 50 Kilometern Luftlinie.

Auf ähnlich kurzen Strecken wie Friedrichshafen- Altenrhein oder Oberpfaffenhofen-Augsburg wurden mit 39 und 20 Flügen ebenfalls erstaunlich viele Privatjet-Bewegungen registriert. «Solche Flüge sind keine Seltenheit», schreibt die Zeitung. Kurztrips von unter 500 Kilometern machten in Europa 40 Prozent aller Privatflüge aus.

Die CO2-Emissionen je Passagier seien in solchen Flügen je nach Berechnung bis zu 14-mal so hoch wie in einem normalen Flugzeug und 50-mal höher als in einem Zug.

Österreich, Frankreich und die Niederlande haben deshalb kürzlich von der EU-Kommission gefordert, strengere Klimaschutzregeln für Flüge mit Privatjets aufzustellen. Im entsprechenden Schreiben heisst es laut der FAZ, dass diese Flüge einen «exzessiven Kohlenstoff-Fussabdruck» hätten: «Vor diesem Hintergrund sind jüngst erhobene Forderungen nach Schritten wie dem Verbot von Reisen mit Privatjets verständlich und müssen adressiert werden».

Neben den Klimaaspekten hat die Diskussion um Privatjets auch eine soziale Komponente, können sich doch nur sehr vermögende Menschen Flüge in Privatjets leisten. Deshalb setzen sich auch viele linke Politiker gegen diese Art der Fortbewegung ein.

Die meist genutzt Flugroute in Europa für Privatjets ist jene von Paris nach London, auf der letztes Jahr 3357 Privatjet-Flüge gezählt wurden. Es folgen Nizza-London (2896 Flüge), Paris-Genf (2745 Flüge), Paris-Nizza (2311 Flüge), Genf-London (1997 Flüge) und Genf-Nizza (1671 Flüge). Die Strecke Paris-Genf lässt beispielsweise mit dem TGV in 3 Stunden und 13 Minuten zurücklegen.

Laut dem Artikel machen Privatjets derzeit rund zehn Prozent der Flugbewegungen an deutschen Flughäfen aus. Die Branche boome. Das Flugaufkommen sei im ersten Quartal des Jahres höher gewesen als im Jahr 2019.

Allerdings haben auch erste Flughäfen Zweifel. Der Flughafen Amsterdam-Schiphol will laut der FAZ Geschäftsflieger komplett verbannen – «wobei wohl eher Personalmangel und Kapazitätsprobleme den Ausschlag gaben». Der Flughafen Düsseldorf erwäge ähnliche Schritte.

Die Schweiz ist in der Diskussion besonders relevant. Nicht nur sind Strecken von und nach Genf unter den meistgeflogenen Privatjet-Routen. Auch die hiesigen Flughäfen spielen ganz vorne mit. Laut den Zahlen von CE Delft ist der Flughafen Nizza-Côte d’Azur mit 34’710 Privatflügen im Jahr 2022 der von Privatjets meistgenutzte in Europa. Es folgen Paris-Le Bourget (33’496 Flüge), Genf (28’630 Flüge), London-Luton (24’359 Flüge), Zürich (22’057 Flüge) und Farnborough (20’343 Flüge).

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