Elektroautos knacken demnächst die 20-Prozent-Grenze bei den Neuzulassungen – doch auch die grossen SUVs legen stark zu

Tesla dominiert den Schweizer Automarkt weiterhin. Bild: teslafansch/Unsplash

Der Schweizer Automarkt kann in Sachen Neuzulassungen auch nach drei Quartalen nicht an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen. Bei den Elektroautos ist immerhin die 20-Prozent-Marke in Sicht, auch wenn das Wachstum sich verlangsamt hat. Ein Tesla-Modell bleibt unangefochten das meistverkaufte Fahrzeug der Schweiz. 

von Stefan Ehrbar
9. Oktober 2023

In den ersten neun Monaten wurden in der Schweiz 182’906 Fahrzeuge neu zugelassen. Das teilte Auto-Schweiz letzte Woche mit. Das sind zwar 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 43’000 Fahrzeuge weniger als im Jahr 2019 nach drei Quartalen.

Der Markt sei «leicht ins Stocken geraten», schreibt der Verband zu den neuen Zahlen. «Viele offizielle Markenhändler können fehlende Umsätze zwar teilweise im Werkstattbetrieb kompensieren», heisst es in einer Mitteilung. «Doch die gesamte Branche spürt den Rückgang der Auslieferungen im mittleren fünfstelligen Bereich deutlich.»

Deshalb begrüsse Auto-Schweiz auch, dass der Ständerat beim CO2-Gesetz auf strengere Regeln für die hiesige Autoimporteure verzichtet habe. Die Energiekommission wollte noch weiter gehen als die EU, doch der Rat hat sich nun entschieden, dass er sich an dieser orientieren will. Ab 2030 neu zugelassene Autos sollen demnach noch 45 Prozent der Treibhausgas-Emissionen von 2021 ausstossen dürfen.

Um diese Ziele zu erreichen, ist die Branche darauf angewiesen, dass die alternativen Antriebe deutlich zulegen. In den ersten drei Quartalen waren 19,8 Prozent der neu zugelassenen Autos rein elektrisch betrieben. Die 20-Prozent-Marke dürfte damit noch dieses Jahr geknackt werden.

Allerdings hat sich das Wachstumstempo der letzten Jahre verlangsamt. Bis eine Mehrheit der Neuwagen rein elektrisch betrieben ist, dürften bei diesem Tempo noch deutlich über 10 Jahre vergehen. Alle alternativen Antriebe zusammen – also auch Plug-In-Hybride und Mild-Hybride – kommen mittlerweile auf einen Marktanteil bei den Neuzulassungen von 55,9 Prozent. Keine Rolle mehr spielt Erdgas als Antriebsart.

Stabilisiert hat sich der Anteil der Plug-In-Hybride, die nur bedingt als Fortschritt für die Umwelt gelten. Sie sind wegen der Batterie schwerer. Gleichzeitig wird oft der Batterie-Antrieb zu wenig genutzt, um das zusätzliche Gewicht und den damit einhergehenden Mehrverbrauch des Verbrennermotors kompensieren zu können.

Dass die Wachstumskurven bei den Steckerfahrzeugen - also rein elektrischen Fahrzeugen und Plug-In-Hybriden - abflachen, hat auch Auto Schweiz festgestellt. «Konsequentes und kohärentes Handeln der Politik ist nötig, um die Nachfrage nach alternativen Antrieben zu stärken und synthetische Treibstoffe preislich wettbewerbsfähig zu machen», wird Präsident Peter Grünenfelder zitiert.

Werden die verkauften Modelle angeschaut, zeigt sich, dass das Tesla Model Y erneut das meistverkaufte Fahrzeug der Schweiz ist. Der Škoda Octavia, der bis und mit 2020 den Platz 1 gehalten hatte, kann den Thron nicht zurückerobern. Der Abstand ist mittlerweile gross.

Für die Umwelt weniger erfreulich ist hingegen, dass schwere und grosse SUVs mit einem hohen CO2-Ausstoss ebenfalls ungebrochen beliebt sind. Zu diesen gehört etwa die Mercedes Benz GLC-Klasse, die in den ersten drei Quartalen 12 Plätze gegenüber dem Jahr 2022 gutmachte, oder der BMW X1, der gar um 15 Plätze zulegte.

Auch der Volvo XC40, der in einem durchschnittlichen Auto-Leben auf doppelt so viele CO2-Emissionen kommt wie das Tesla Model Y, stösst mit einem Plus von 27 Rängen gegenüber 2022 in die Top 20 vor. 

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