Fast alle Bahnhöfe verloren zwischen 2019 und 2022 – bis auf zwei: Die Liste der Nutzer pro Tag und der Veränderungen

Sinnlose Spassfahrt oder normaler Verkehr? Die Critical Mass polarisiert. Bild: Pascal Meier / Unsplash

Neue Zahlen der SBB zeigen, wie sehr sich die Coronakrise auf die Benutzerzahlen in den Bahnhöfen ausgewirkt hat. Im Jahr 2022 lagen unter den 25 grössten Bahnhöfen fast alle unter den Werten von 2019 – mit zwei Ausnahmen. Die Auswertung zeigt zudem: Die regionalen Unterschiede sind gross und die Rangliste nicht mehr dieselbe. 

von Stefan Ehrbar
7. März 2023

Es war zum Teil gespenstisch leer in den grössten Schweizer Bahnhöfen, nachdem die Coronakrise den Verkehr zusammenbrechen liess. Den Zürcher Hauptbahnhof nutzten etwa im Jahr 2019 durchschnittlich 461’000 Menschen pro Werktag. Die halbe Million schien in Griffweite.

Im Jahr 2020 sank diese Zahl dann allerdings auf 295’000 und im Jahr 2021 gar auf 286’000. Im vergangenen Jahr erholten sich die Bahnhöfe wieder, wurden doch die meisten Coronamassnahmen aufgehoben, viele Touristinnen und Touristen kamen zurück und das Homeoffice verlor bei einigen Firmen wieder etwas an Beliebtheit.

Mobimag liegen nun exklusiv die Zahlen der Bahnhofsnutzerinnen und Nutzer pro Werktag für das Jahr 2022 und für die 25 grössten Bahnhöfe vor. Sie zeigen: Gegenüber 2021 wurde wieder ein grosser Schritt nach vorne gemacht, aber die Vorkrisenwerte wurden mit zwei Ausnahmen noch nicht erreicht. Das könnte sich schon dieses Jahr ändern, ist doch die SBB in Sachen Personenkilometer beinahe wieder auf dem Vorkrisenwert (siehe auch das Mobimag-Mobilitätsmonitoring).

Der genaue Blick in die Daten zeigt aber auch: Die Erholung verlief je nach Region und Bahnhof sehr unterschiedlich – und zum Teil wurde gar die Rangliste durcheinander gewirbelt.

An der Spitze tat sich bei der Rangfolge nicht viel: Der Zürcher Hauptbahnhof war auch im Jahr 2022 der meistgenutzte, gefolgt von Bern, Genf, Luzern und Basel SBB. Während Zürich HB, Bern und Luzern mit gut 20 Prozent fast gleich viel hinter den Werten von 2019 hinterherhinken, stehen Genf und Basel besser da. Sie kamen im vergangenen Jahr auf nur noch gut 11 Prozent weniger Nutzerinnen und Nutzer als im Jahr 2019. Im Fall von Basel SBB könnte das mit der 2021 abgeschlossenen Sanierung zu tun haben, die den Bahnhof nach Jahren der Baustellentätigkeit wieder zu einem attraktiveren Ort machte. In Genf dürfte sich zudem weiterhin der Ende 2019 eröffnete Léman Express bemerkbar machen, der den ÖV deutlich attraktiver machte und neue Kundschaft in die Züge gelockt haben dürfte. 

Zum ersten Mal in der Rangliste taucht denn auch der relativ neue Genfer Bahnhof Eaux-Vives auf, den 2022 etwa 11'000 Menschen pro Tag frequentierten.

Einen relativ grossen Rückgang mit 22,5 Prozent gegenüber 2019 musste der Bahnhof Lausanne verzeichnen. Das dürfte auch mit den dort weiterhin stattfindenden Bauarbeiten zu tun haben. Denn gleichzeitig verzeichnete die Metro in Lausanne letztes Jahr Rekordzahlen. An einer «ÖV-Müdigkeit» in der Stadt dürfte das aussergewöhnlich grosse Minus also nicht gelegen haben.

Ebenfalls über 20 Prozent verloren hat der Bahnhof Genf Flughafen, wobei dies keine Überraschung ist, wurde doch im vergangenen Jahr immer noch deutlich weniger Flugkapazität angeboten als in den Jahren vor der Coronakrise. Das führte zu viel weniger Flugreisen als noch 2019. 

Teils wurde sogar die Rangliste durcheinander gewirbelt. So haben Basel SBB und Winterthur den Bahnhof Lausanne überholt und nehmen neu die Ränge 5 und 6 ein. St. Gallen hat zudem Olten überholt und liegt neu auf Rang 11. Uster hingegen ist hinter Lugano zurückgefallen.

Lugano ist eine von zwei Ausnahmen: Gegenüber 2019 verlor der Bahnhof keine Nutzerinnen und Nutzer, sondern lag 2022 exakt gleichauf. Neben der gestiegenen Attraktivität des Bahnhofs dank dem 2020 abgeschlossenen Umbau und dem grösseren Angebot dank der ÖV-Offensive des Kanton Tessin, die gleichzeitig mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnel Ende 2019 einsetzte, dürfte dies auch damit zu tun haben, dass das Tessin in den vergangenen drei Jahren eine der beliebtesten Destinationen von inländischen Feriengästen war.

Welchen Einfluss das haben kann, zeigt sich auch beim einzigen Bahnhof, der im Vergleich der drei Jahre zulegen konnte: Chur. Mit 36'000 Menschen pro Werktag nutzten diesen letztes Jahr fast 29 Prozent mehr als noch 2019. Das dürfte ebenfalls zu einem grossen Teil auf die Beliebtheit des Kanton Graubünden als Tourismus-Destination zu tun haben, aber auch mit einem Ausbau des ÖV-Angebots im Kanton.

Zum Teil zeigen sich aber auch innerhalb derselben Region grosse Unterschiede. So verlor der Bahnhof Zürich-Oerlikon nur knapp 13 Prozent der Passagiere, während es in Zürich-Stadelhofen 19 Prozent waren und in Zürich-Hardbrücke 20 Prozent. Das dürfte einerseits mit neuen Angeboten, etwa dem Halt des IC1 in Zürich-Oerlikon, zu tun haben, aber auch mit der sehr dynamischen Bevölkerungsentwicklung in Zürich-Nord. Dort wachsen die Bevölkerungszahlen deutlich stärker als im Rest der Stadt Zürich. 

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