
Neue Zahlen des Bundesamtes für Strassen (Astra) belegen: Auf den Autobahnen waren 2021 schon fast wieder so viele Fahrzeuge unterwegs wie im Vorjahr. Dabei zeigen sich regionale Muster – und am Gotthard ist das Vorkrisenniveau trotz Stau-Meldungen noch nicht erreicht. Die Zahlen in Grafiken.
von Stefan Ehrbar
7. Juni 2022
Über 130’000 Fahrzeuge befahren täglich die A1 bei Wallisellen ZH. Wie schon in den Vorjahren sichert sich der Autobahnabschnitt auch im Jahr 2021 den ersten Rang im Ranking der meistbefahrenen. Das zeigen neue Daten des Bundesamts für Strassen (Astra), die Mobimag ausgewertet hat. Auf Platz 2 folgt die A2 bei Muttenz und auf Platz 3 die A1 bei Würenlos.
Doch wie sind diese Zahlen einzuordnen? Zunächst einmal sind sie auf den meisten Abschnitten weiterhin tiefer als jene des Vorkrisenjahres 2019. Das zeigt der Vergleich der beiden Jahre, wobei nicht für ganz alle Abschnitte Daten zur Verfügung stehen, weil zum Beispiel die Messstellen wegen Baustellen temporär abgebaut wurden.
Auf der A2 bei der Schwarzwaldbrücke in Basel waren im vergangenen Jahr noch immer über 10 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs als im Jahr 2019 vor der Krise. Auch auf der A1 bei Würenlos und der A2 in Luzern waren die Rückgänge noch gross, während sie auf anderen Abschnitten nur noch im tiefen einstelligen Prozentbereich lagen, wie nachfolgende Grafik zeigt.
Im zweiten Pandemiejahr war die Schweiz schon wieder viel mobiler als im Jahr 2020, als Lockdowns, die «Bleiben Sie Zuhause»-Aufforderung und weit verbreitetes Homeoffice für leere Strassen sorgten. Im Vergleich der Jahre 2020 und 2021 wurden auf allen der 20 meistbefahrenen Autobahnabschnitte, für die Daten zur Verfügung stehen, im letzten Jahr mehr Fahrzeuge gezählt.
Am deutlichsten war der Anstieg auf der A1 bei Renens und der A2 bei Basel, wo der Rückgang im Jahr 2020 allerdings auch besonders heftig ausgefallen war. Das lag damals vor allem an den zeitweise fast geschlossenen Grenzen und dem Einbruch des Tourismus.
Insgesamt zeigt sich vereinfacht formuliert: Autobahnabschnitte, auf denen ein grosser Anteil des Verkehrs touristischen respektive ausländischen Ursprungs ist (z.B. Basel Schwarzwaldbrücke, Luzern Reussporttunnel), waren im vergangenen Jahr noch immer deutlich weniger stark befahren als vor der Krise. Anderswo herrschte schon 2021 fast wieder «Business as usual». Der öffentliche Verkehr hingegen hatte letztes Jahr noch immer sehr starke Einbussen zu beklagen, die von einem Viertel bis zu einem Drittel reichten. Gleichzeitig war der Anteil von Homeoffice letztes Jahr höher als 2019. Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass insgesamt weniger Menschen pendelten, aber auch solche, die zuvor den ÖV nahmen, dies mit dem Auto machten.
Denn dass mehr Menschen in ihrer Freizeit mit dem Auto unterwegs waren, lässt sich aus den Autobahndaten nicht ablesen – im Gegenteil. Das belegt eine Spezialauswertung der Zählstelle vor dem Gotthardtunnel. Der Autobahnabschnitt gehört zwar bei weitem nicht zu den meistbefahrenen der Schweiz, steht aber wegen der Staus in den Ferienzeiten in besonders starkem medialem Fokus.
Im vergangenen Jahr waren dort immer noch deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs als im Jahr 2019. Das gilt nicht nur für den durchschnittlichen Tagesverkehr (Montag - Sonntag), sondern auch für Samstage (DSaV) und Sonntage (DSoV). Gegenüber 2020 wurde allerdings ein deutliches Plus verzeichnet.
Dieses Jahr dürfte der Autoverkehr vor dem Gotthardtunnel wieder auf das alte Niveau zurückkehren. Das zeigen die Daten des Astra, welche jede Woche aktualisiert im Mobilitäts-Monitoring von Mobimag zur Verfügung stehen.
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