
Männer nutzen Sharing-Angebote häufiger als Frauen. Im wöchentlichen Blick aufs Ausland werden die Gründe genannt. Ausserdem: VW beschleunigt die Transformation zur Klimaneutralität und in Kalifornien und Nevada beginnen bald die Bauarbeiten für eine lange Hochgeschwindigkeitsstrecke.
von Stefan Ehrbar
1. Mai 2021
Warum Frauen Shared Mobility meiden
«Shared Mobility ist ein Männerding»: Das schreibt die Kommunikationsplattform «Emmett» in einer Analyse. Nutzungsdaten zeigten, dass 60 bis 75 Prozent Nutzer von Auto-, Moped- und E-Tretroller-Sharingangeboten Männer seien. Dieses Gefälle halte sich hartnäckig, wie Untersuchungen der Anbieter Tier und Emmy zeigten.
Schuld daran seien unter anderem Algorithmen. Diese optimierten die Zahl der Fahrzeuge. Doch wenn mehrheitlich Männer Fahrzeuge ausliehen, dann würden die Algorithmen auch deren Muster übernehmen – eine Art Teufelskreis. Frauen seien dabei eine Art «Ausreisser, die aus dem Datenpool gefischt werden».
Wegmuster von Frauen und Männer würden sich unterscheiden: «Während berufstätige Väter meist auf direktem Weg zur Arbeit fahren und am Abend ebenso heimkehren, legen berufstätige Mütter eher Wegeketten zurück.» Heutige Sharing-Angebote würden gut zur Mobilität der Männer passen, seien aber häufig unattraktiv für Frauen.
Frauen seien häufig nachhaltiger unterwegs, nutzten also häufiger das Velo oder den ÖV und gingen mehr zu Fuss. Gleichzeitig seien sie weniger experimentierfreudig als Männer. Darum probierten sie Sharing-Angebote weniger häufig aus als Männer. «Mit müden Kindern auf dem Rücksitz macht es wenig Spass, neue Technologien auszuprobieren», heisst es in der Analyse.
Die Mobilitätsforscherin Ines Kawgan-Kagan hat sich des Problems angenommen und mehr als zwei Dutzend Lösungsansätze herausgearbeitet. So könnten etwa Carsharing-Angebote standardisiert werden mit einheitlichen Buchungstools und einheitlichen Modellen, was die Hemmschwelle senke. Finanzielle Anreise wie Sondertarife für Familien oder Betreuungspersonen rund um Kitas und Pflegeeinrichtungen könnten ebenso helfen.
«Pendlerwege und damit die Alltagsmobilität der Männer dürfen nicht länger das Mass der Planung sein», sagt Kawgan-Kagan. Allerdings sei ein Problem, dass die Produkte bereits mehrheitlich von Männern entwickelt würden. Gerade einmal 22 Prozent der Beschäftigten in der Mobilitätsbranche in Europa seien weiblich.
Als erfolgreiche Initiative wird etwa das Netzwerk «Women of Tier» genannt: Frauen aus der Firma suchen nach Wegen, den Geschlechterunterschied auszugleichen. Erfolgreich sei etwa ein Training mit den Mopeds für Frauen gewesen. Viele Frauen hätten das Angebot danach häufiger genutzt. Sicher sei: Frauen bereits in der Entwicklung einzubeziehen, sei deutlich günstiger, als das Produkt danach auf sie anpassen zu müssen.
Hochgeschwindigkeitszüge in den USA
Die private US-Eisenbahngesellschaft Brightline will noch dieses Jahr die Bauarbeiten für eine Hochgeschwindigkeits-Strecke zwischen Las Vegas und Los Angeles aufnehmen. CEO Mike Reininger bestätigt das gegenüber dem Portal «Construction Review Online».
Lange sah es eher düster aus für das Projekt: Letztes Jahr hatte die Muttergesellschaft von Brightline, die Fortress Investment Group, Verzögerungen beim Projekt namens «XpressWest» angekündigt, das 8 Milliarden US-Dollar kosten soll. Die Finanzierung konnte nicht sichergestellt werden. Anfang Jahr stellte die Firma einen neuen Finanzierungsplan in Aussicht. «Das Projekt hat eine sehr hohe Priorität für uns», wird Reininger zitiert. «Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich enorm verändert: Die Aktienmärkte performen ausgezeichnet und die Menschen sind optimistisch, dass sich die Wirtschaft rasch erholt. Auch die Zahl der neuen Jobs geht in die richtige Richtung. Das gibt uns die Zuversicht, das Projekt realisieren zu können.» Der Service von Brightline werde «überragend» sein.
Die Reisezeit zwischen dem kalifornischen Los Angeles und dem etwa 420 Kilometer entfernten Las Vegas im Bundesstaat Nevada soll etwa drei Stunden betragen. Die Züge sollen mit Geschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Im Vergleich zur Fahrt mit dem Auto soll die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug zweimal weniger Zeit benötigen. Auf dieser Strecke werden gemäss Angaben der Gesellschaft jährlich 50 Millionen Fahrten pro Richtung gezählt – 85 Prozent davon mit dem Auto oder dem Bus. 11 Millionen davon will die neue Gesellschaft für sich gewinnen. Die Firma verspricht 30’000 Jobs im Konstruktionssektor und 1’000 permanente neue Jobs für den Betrieb.
Als Rollmaterial sollen Velaro-Züge von Siemens zum Einsatz kommen. Ein Datum für die Inbetriebnahme steht noch nicht. Mittlerweile erwächst der Firma Konkurrenz: Amtrak hat ebenfalls angekündigt, den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Verbindung auf dieser Route zu prüfen. Das Geld dafür soll aus dem Infrastruktur-Plan von US-Präsident Joe Biden kommen. Wird dieser vom Kongress genehmigt, soll Amtrak 80 Milliarden der insgesamt zwei Billionen US-Dollar erhalten, um damit die Infrastruktur zu modernisieren und neue Linien zu bauen.
In Kalifornien gibt es mit der «California High Speed Rail» ein weiteres Projekt für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen San Francisco, Los Angeles, Sacramento und San Diego. 2030 soll ein erster Abschnitt zwischen Merced und Bakersfield auf der Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco in Betrieb genommen werden.
VW investiert mehr in Elektroautos
Im vergangenen Jahr hat der Volkswagen-Konzern mit 369 Millionen Tonnen so viel CO2 emittiert wie Grossbritannien. Nun investiert der Konzern mehr in die Transformation zum Anbieter von Elektromobilität, berichtet der «Tagesspiegel».
Im Vergleich zu 2018 soll ein Fahrzeug der Kernmarke VW demnach künftig über seinen gesamten Lebenszyklus gesehen rund 17 Tonnen weniger CO2 ausstossen, wie VW-Markenchef Ralf Brandstätter zitiert wird. Bis 2030 sollen die Emissionen pro Fahrzeug in Europa um 40 Prozent sinken – ein höheres Ziel, als es mit 30 Prozent für den gesamten Konzern mit seinen weiteren Marken gesetzt wurde.
Um das Ziel zu erreichen, sollen noch mehr Elektroautos verkauft werden. In knapp neun Jahren sollen mindestens 70 Prozent der VW-Neuwagen in Europa Elektrofahrzeuge sein, in Nordamerika und China mehr als die Hälfte. In den nächsten fünf Jahren werde VW dafür 14 Milliarden Euro investieren. Der Löwenanteil von 13 Milliarden Euro geht in den Ausbau des Elektro- und Hybridangebots und Projekte für eine CO2-ärmere Fertigung. Noch vor kurzem waren die Investitionen mit elf Milliarden Euro deutlich tiefer angegeben worden.
«Wir stellen die Umwelt konsequent in den Mittelpunkt unseres Handelns», sagte Brandstätter am Donnerstag. Der Konzern will sich auch vermehrt für die Energiewende stark machen und will nun auch Wind- und Solarparks finanzieren, und zwar in Kooperation mit Versorgern wie Iberdrola aus Spanien oder der deutschen RWE. Auf nationaler und europäischer Ebene müsse auch die Politik aktiv werden: Es brauche einen deutlich höheren CO2-Preis bei der Erzeugung von Strom, wird Ralf Pfitzner, der Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit im VW-Konzern, zitiert. Es sei ein stärkeres Preissignal notwendig, damit auch bei der Stahl- und Aluminiumproduktion die Dekarbonisierung und die Umstellung auf wasserstoffbasierte Herstellung gelingen könne.
Ein Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor will VW allerdings weiterhin nicht nennen.
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