
Wie gerecht sind Steuern auf das Fliegen? Eine neue Studie gibt Antworten. Ausserdem im wöchentlichen Blick aufs Ausland mit den Links zu spannenden Geschichten: Ab Dezember fahren neue internationale Tages- und Nachtzüge – und viele Autofahrer ignorieren das Tempolimit.
von Stefan Ehrbar
23. September 2022
So gerecht sind Aviatik-Steuern
Die Auswirkungen der Fliegerei auf das Klima nehmen zu, während eine CO2-neutrale Aviatik noch in weiter Ferne liegt. Um die Nachfrage zu drosseln, werden verschiedentlich neue Steuern auf das Fliegen debattiert. Doch wie gerecht wären diese – und wie würden sie am besten ausgestaltet?
Eine neue Studie, welche letzte Woche im «Journal of Sustainable Tourism» veröffentlicht wurde, gibt Antworten auf diese Fragen. Untersucht wurden die Effekte von Pauschalsteuern pro Flug, Steuern auf Flugkilometer oder Emissionen und Abgaben für Vielflieger am Beispiel von Grossbritannien.
Die wichtigste Erkenntnis ist laut den Autoren, dass CO2-Steuern auf Flugreisen verteilungsneutral oder sogar progressiv sind, also reichere stärker belasten als ärmere, während CO2-Steuern auf Haushaltsenergie oder Benzin im Gegenteil dazu regressiv seien und Haushalte mit niedrigem Einkommen stärker treffen. «Flugsteuern belasten in der Regel diejenigen, die am meisten zu den Treibhausgas-Emissionen beitragen und aufgrund ihres sozialen Status die grössten Möglichkeiten zur Emissionsminderung haben», schreiben die Autoren.
Die progressivste Form sei die Vielfliegersteuer, die sowohl Emissionen als auch die Anzahl der Flüge berücksichtigte. Danach folgten Vielfliegerabgaben. Eine pauschale Steuer pro Flug sei progressiv, wenn der erste Hin- und Rückflug ausgeschlossen werde, und verteilungsneutral, wenn das nicht geschehe.
Das liegt daran, dass die Anzahl der Flugreisen in der Bevölkerung ungleich verteilt ist. Im Beispiel Grossbritanniens erhöhen ein hohes Einkommen, ein hoher Bildungsstand, ein junges Alter, eine Erwerbstätigkeit und ein Wohnort in London die Wahrscheinlichkeit, viele Flugreisen zu unternehmen.
Allerdings gibt es auch eine Gruppe von Menschen mit tieferem Einkommen, die relativ häufig fliegt. Dazu gehören insbesondere Immigranten und Neuzuwanderer, die noch über ein grosses soziales Netz im Ausland verfügen. Um diese nicht übermässig zu belasten, könnte ein Hin- und Rückflug pro Jahr von einer Steuer ausgenommen werden. Zudem könnte es Ausnahmen für Notsituationen geben, etwa familiäre Krisen.
Die Autoren empfehlen zudem, die Steuern auf Flugreisen auch für Reisende in jungem Alter zu erheben. Denn wenn jüngere Menschen billige Flugreisen als selbstverständlich ansehen, könnten sie ihren künftigen Lebensstil danach ausrichten und sich künftigen Steuererhöhungen widersetzen.
Rabatte schlagen die Forscher nicht nur für Migranten, sondern auch für Einwohner aus Randlagen etwa in Schottland oder Nordirland vor, weil sie aufgrund der geografischen Lage häufiger fliegen.
So viele ignorieren das Tempolimit
Wie viele Autofahrer halten sich an die vorgeschriebenen Tempolimits auf den Strassen? Dieser Frage ist das niederländische Datenzentrum «National Dataportaal Wegverkeer» (NDW) nachgegangen, das von verschiedenen Provinzen und Gemeinden getragen wird. Das Ergebnis ist einigermassen erschütternd.
Im Durchschnitt hielten sich laut einem Artikel des NDW im vergangenen Jahr nur 60 Prozent der Verkehrsteilnehmer an das geltende Tempolimit. In Südholland war dieser Anteil mit 62 Prozent am höchsten, in Flevoland mit 55 Prozent am tiefsten.
Am häufigsten werden Geschwindigkeitsüberschreitungen auf Strassen begangen, auf denen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde signalisiert ist. An diese halten sich nur 36 Prozent der Fahrzeuge. Den höchsten Wert erzielt hier erstaunlicherweise das sonst nicht eben vorbildliche Flevoland, wo sich 55 Prozent an die Beschränkung halten.
Das NDW berechnet jedes Jahr die auf den Strassen der Niederlande gefahrenen Geschwindigkeiten. Seit diesem Jahr wurden erstmals auch Tempo-30-Strecken in die Analyse aufgenommen.
Ausführlichere Analysen wird das NDW später im Jahr veröffentlichen. Ein detaillierter Datensatz kann per Mail auf der NDW-Internetseite angefragt werden.
Diese neuen Züge verkehren ab Dezember
Am 11. Dezember ist Fahrplanwechsel. In Österreich wurde diese Woche bereits der neue Fahrplan vorgestellt. Er bringt neue Nacht- und Tageszüge auf internationalen Verbindungen mit sich. Eine Übersicht hat der ÖBB-Mitarbeiter Helmut Uttenthaler auf Twitter vorgestellt.
Neu fährt täglich der Nightjet 236/237 von Venedig nach Stuttgart statt München. Er verlässt Venedig um 21.05 Uhr und kommt in Stuttgart um 8.37 Uhr an. In Gegenrichtung verlässt er Stuttgart um 20.29 Uhr und kommt in Venedig um 8.34 Uhr an. Der Zug verkehrt über München und hat dort einen Anschluss auf die Eurocity nach Zürich, womit auch die Rückreise ab Venedig in die Schweiz mit dem Nachtzug möglich wird.
Wie bereits angekündigt, werden zudem die Nachtzüge ab der Schweiz ausgebaut und aufgeteilt. Neu verkehrt der Euronight von Zürich nach Prag via Basel, Leipzig und Dresden, das erstmals seit Jahren wieder mit Nachtzügen erschlossen wird. Abfahrt in Zürich ist um 19.59 Uhr, Ankunft in Prag um 9.35 Uhr. In Gegenrichtung verlässt der Zug Prag um 18.25 Uhr und erreicht Zürich um 9.05 Uhr.
Die Nightjet-Züge Zürich-Berlin und Zürich-Hamburg fahren zudem künftig separat, letzterer neu via Bremen. Abfahrt des NJ 470 nach Hamburg ist in Zürich um 20.59 Uhr, Ankunft in Hamburg um 8.10 Uhr. In Gegenrichtung geht es um 21.53 Uhr in Hamburg los, die Ankunft in Zürich ist mit 10.05 Uhr eher spät.
Der Nachtzug nach Berlin verlässt Zürich um 19.59 Uhr und erreicht die deutsche Hauptstadt um 7.20 Uhr, in Gegenrichtung verlässt er Berlin um 20.51 Uhr und erreicht Zürich um 9.05 Uhr.
Zu den weiteren Verbindungen gehört etwa ein Ausbau des Euronights von Bratislava via Wien nach Split, verschiedene Ausbauten spät am Abend und der neue ICE 1218/1219 von Innsbruck via München, Stuttgart und Frankfurt nach Berlin.
Die Neuerungen im Schweizer Fahrplan sind auf fahrplanentwurf.ch aufgeschaltet, wobei noch nicht alle Daten etwa des ZVV eingepflegt sind.
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