Kritik an Röstis Bahnausbau-Gutachten: Mit Zürich warnt der grösste Kanton vor Problemen und überfüllten Zügen

Kann der Ausbau der Zürcher S-Bahn wie geplant umgesetzt werden? Bild: Mobimag

Im Auftrag von Bundesrat Albert Rösti (SVP) hat ETH-Professor Ulrich Weidmann geplante Ausbauten der Infrastruktur neu priorisiert. Die Liste fällt selbst im Kanton Zürich durch, der Milliarden-Investitionen zugesprochen erhält. Er warnt: Das jahrelang geplante Konzept liesse sich so nicht mehr realisieren.

Stefan Ehrbar,
1. Dezember 2025

Auf den ersten Blick braucht der Kanton Zürich nicht zu jammern. Im Gutachten zum künftigen Bahnausbau, das ETH-Professor Ulrich Weidmann im Oktober präsentierte, wurden milliardenschwere Projekte in seinem Gebiet gut bewertet. In Auftrag gegeben hatte die Arbeit Bundesrat Albert Rösti (SVP), der damit auf die Kostenexplosion des Bahnausbaus reagierte. Rösti erhoffte sich von der Analyse eine Grundlage für die Botschaft zum nächsten Ausbauschritt.

Weidmann hält Projekte wie den Zimmerberg-Basistunnel II für 1,8 Milliarden Franken oder den Ausbau des Bahnhofs Zürich-Stadelhofen für 1,6 Milliarden Franken für prioritär. Das Projekt Mehrspur Zürich-Winterthur für über 3 Milliarden Franken, das unter anderem den neuen Brüttener Tunnel beinhaltet, ist zudem so weit fortgeschritten, dass es von der Priorisierung ausgenommen war und sowieso realisiert wird. Im grössten Kanton jubelt trotzdem niemand. Denn gleichzeitig empfiehlt der ETH-Fachmann, Perronverlängerungen oder neue Kreuzungsgleise im Grossraum Zürich auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Es sind vergleichsweise kleine Investitionen – aber aus Sicht von Fachleuten unverzichtbare.

Würde Rösti die Priorisierungsliste 1:1 übernehmen, drohe das schlechtestmögliche Szenario, warnen Fachleute im Gespräch mit Mobimag. Es könnten dann für Milliarden von Franken Grossprojekte gebaut werden, die ihre Wirkung gar nicht entfalten könnten, weil auf entscheidende Ausbauten auf den Strecken vorher und nachher verzichtet würde. Von einer drohenden «Katastrophe» ist gar die Rede.

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