
Jede Woche wirft Mobimag einen Blick auf die wichtigsten Zitate. Dieses Mal mit deutscher Selbstkritik in Sachen ICE-Züge in die Schweiz, dem Berner Verkehrsdirektor, der Grünen «Vergrämungspolitik» vorwirft und einem Experten aus Schwyz, der erklärt, warum sein Kanton wegen des tiefen ÖV-Anteil deutlich mehr Energie benötigt.
von Stefan Ehrbar
9. November 2022
Die Zitate der Woche
Ich bin generell immer offen für neue, visionäre Ideen. Und das Thema urbane Seilbahn ist ja nicht neu. Vor allem in Städten, die Verkehrsprobleme haben, wird das diskutiert und auch umgesetzt, gerade wenn man nach Südamerika schaut. Deshalb finde ich es super, darüber nachzudenken, wie man eine Stadt wie Biel, die für mich auch Verkehrsprobleme hat, entlasten kann. Es hat alle auf der Strasse, Autos, Busse, Velos, Fussgänger. Und alle teilen sich eine Infrastruktur, die man nicht einfach vergrössern kann, ohne Häuser abzureissen. Wie können wir also mit dem Wachstum von Mobilität umgehen? Da komme ich schnell auf den Gedanken, nach oben oder nach unten zu gehen.
Christine Maier, die Direktorin der Bieler Verkehrsbetriebe, zur Idee einer Stadtseilbahn in Biel (ajour.ch)
Die Einwohnerkontrolle soll nicht zum SBB-Schalter werden. Es gibt bei den Tagessparkarten kein Limit wie bei den Tageskarten. Es könnte sein, dass täglich mehrere Personen vorbeikommen und diesen Dienst in Anspruch nehmen. Das ist jedoch nicht die Aufgabe einer Gemeindeverwaltung.
Die Gemeinde Weiningen ZH kritisiert die angedachte Nachfolge der Gemeinde-Tageskarten mit dem Verkauf normaler Spartageskarten durch Gemeinden (limmattalerzeitung.ch)
Dass Leute umsteigen, die im Stau stehen, sagen jene Grünen, die mit dem Cargo-Velo vom Breitsch in die Altstadt pendeln. Das ist Vergrämungspolitik, die zu nichts führt. Ab zehn bis fünfzehn Kilometer Arbeitsweg steigen die meisten dann eh aufs Auto oder den ÖV um.
Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) zum Widerstand gegen den Ausbau der A1 beim Grauholz (bernerzeitung.ch)
Ich meine damit, nachfrageorientierte Serviceleistungen zu bieten, welche den Bahnhofnutzer:innen das Unterwegssein erleichtern und verbesserten Komfort bringen, angepasst an das Mobilitäts- und Konsumverhalten. Das reicht von Sitzgelegenheiten über Verpflegungsmöglichkeiten bis zu Sanitäreinrichtungen. Mit modernen und sauberen Kundentoiletten am Bahnhof zeigen wir unseren Kund:innen, dass die Marke SBB für Qualität und Komfort steht. Ein weiteres wichtiges Thema ist das Arbeiten am Bahnhof – sei es in einem Meeting-Point, einem Restaurant oder einer kleineren, buchbaren Arbeitsstelle. Auch diesbezüglich wollen wir in Zukunft Fortschritte machen.
Alexis Leuthold, Leiter Bewirtschaftung bei SBB Immobilien, zu seinen Plänen mit den Bahnhöfen (sbb-immobilien.ch)
Die Bus Ostschweiz AG hat das Vergleichsangebot angenommen. […] Ein Vergleich ist kein Schuldeingeständnis. […] Die angestrebte Vereinbarung steht im Zeichen der Stärkung des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz.
Ralph Dietsche, Sprecher der Bus Ostschweiz AG, zu einer Einigung im Subventionsstreit mit dem Kanton St. Gallen (tagblatt.ch)
Wir müssen das Momentum mitnehmen. Es gibt die Autos, es gibt engagierte Händler und gute Argumente für Steckerfahrzeuge – und auch die Überzeugung bei der Kundschaft wächst noch mit der Spritpreis-Entwicklung. […] Politische Richtlinien für Neubauten sind nicht nötig – der Markt wird es regeln, weil absehbar nur Überbauungen mit Lademöglichkeit noch attraktiv sein werden.
Marcel Guerry, Leiter des Schweiz-Geschäfts der Emil-Frey-Gruppe, zu Elektroautos (blick.ch)
Der Mehrverbrauch des Kanton Schwyz im Verhältnis zu anderen Kantonen von knapp 10 Prozent bezieht sich nicht nur auf den Strom, sondern auf den gesamten Endenergieverbrauch, also auf Gebäude, Mobilität und Strom. 2020 betrug dieser 24,4 Megawattstunde pro Einwohner. Der schweizerische Durchschnitt lag bei 22,8 Megawattstunde pro Einwohner. Die Hauptursache des erhöhten Endenergiebedarfs liegt vor allem am überdurchschnittlichen Anteil des Individualverkehrs. Dies wird häufig in ländlichen Kantonen beobachtet, da die Anbindung an den öffentlichen Verkehr schwieriger zu lösen ist.
Peter Inhelder, Vorsteher des Amt für Umwelt und Energie des Kanton Schwyz, zum Strom-Mehrverbrauch des Kanton Schwyz (bote.ch)
Die Situation in diesem Jahr ist insgesamt sehr unbefriedigend. Auf deutscher Seite ist uns allen bewusst: Die Bahn muss deutlich besser werden. Die Zuverlässigkeit und die Qualität für die Fahrgäste müssen deutlich steigen. Uns ist auch wichtig, dass genügend Mittel für Bestandsmodernisierung und modernes Zugmaterial zur Verfügung gestellt werden. Bis 2029 sollen allein im ICE-Verkehr 10 Milliarden Euro in neue Züge investiert werden. Nächstes Jahr erhält die Deutsche Bahn 37 neue ICE-Züge und hat dann eine Gesamtflotte, wie wir sie in dieser Form noch nicht hatten.
Die deutsche Staatssekretärin Susanne Henckel zu den Problemen der Deutschen Bahn im Verkehr mit der Schweiz (tagesanzeiger.ch)
Fast jeder fünfte Luzerner lebte 2019 gemäss Lustat Statistik mit einer Behinderung. Auch ältere Personen sind auf einen hindernisfreien Zugang zum ÖV angewiesen. Ausserdem profitieren die anderen Fahrgäste: Niveaugleiche Einstiege beschleunigen den Fahrgastfluss und dienen allen Reisenden, beispielsweise mit schwerem Gepäck und Kinderwagen.
Beat Husmann, Berater bei der Fachstelle Hindernisfreies Bauen Luzern, zur Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetz im ÖV (bote.ch)
Die Verantwortlichen haben die Tragweite der Situation zu spät erkannt. Dass die Holdingstruktur der VBL intransparent ist, wusste der VVL bereits seit 2012 – ein Bericht des Bundes machte ihn darauf aufmerksam. Wieso es so lange dauerte, bis dieser Missstand angesprochen und beseitigt wurde, ist rückblickend schwer nachvollziehbar. Offenbar sah es der VVL als seine eigene Aufgabe an, eine Lösung zu finden.
Die «Luzerner Zeitung» zu den Verfahren gegen die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) wegen mutmasslich zu hoch bezogenen Subventionsgeldern (luzernerzeitung.ch)
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