Zürich plant Velo-Parkabo für 50 Franken pro Jahr, Bern prüft Gratis-Abstellmöglichkeit

Zürich plant ein Abo für Parkstationen wie hier am Europaplatz. Bild: Stadt Zürich

Die Stadt Zürich lanciert ein Jahresabo für Velostationen zum Tiefpreis. Dafür will sie Gratisplätze abbauen – und greift tief in die Kasse. Ein einzelner Platz wird mit 200 Franken jährlich subventioniert Auch in Bern werden Vergünstigungen geprüft.

Das dürfte Zürcher Velofahrer freuen: Sie können ihr Velo künftig zum unschlagbaren Preis von 50 Franken pro Jahr in einer der fünf städtischen Abstellanlagen parkieren. Bisher kostete das 120 Franken.

Eingeführt werden soll das neue System Anfang 2023. Roger Schaad, Sprecher des Stadtzürcher Tiefbauamts, bestätigt den Zeitplan und die vorgesehene Kostenstruktur. Vor der Einführung müssen bauliche Anpassungen vorgenommen werden und ein einheitliches Zutrittssystem installiert werden. Die Stadt will auf das System «Velocity» setzen, das von der «Fondation des Parkings» entwickelt wurde, einer öffentlichen Anstalt des Kanton Genf. «Velocity» wird bereits in Dutzenden Velostationen der Schweiz genutzt.

Im Preis von 50 Franken inbegriffen sein wird die Nutzung folgender Veloabstellstationen:

  • Bahnhof Altstetten
  • Bahnhof Oerlikon Andreasstrasse
  • Bahnhof Oerlikon Quartierverbindung / Passage
  • Bahnhof Stadelhofen Haus zum Falken (wird noch gebaut, ab ca. 2024)
  • Europaplatz (beim Hauptbahnhof in der Nähe der Sihlpost)

Insgesamt bieten diese Velostationen 2720 Abstellplätze, 1600 davon befinden sich alleine in der Station Europaplatz.

Das neue Abo bleibt aber nicht ohne negative Folgen. Weil es die Attraktivität der Velostation Europaplatz «deutlich steigert», wie es der Zürcher Stadtrat ausdrückt, soll die Zahl der Gratisveloabstellplätze rund um den Hauptbahnhof reduziert werden. Diese nähmen viel Platz ein, argumentiert die Stadt – und der könne besser für eine Aufwertung des Stadtraums oder eine Begrünung genutzt werden. Allerdings sind diese Pläne noch nicht spruchreif: Die entsprechende Weisung ist laut dem Tiefbauamt nach wie vor in der Spezialkommission Sicherheit/Verkehr des Gemeinderats pendent. Wann sie behandelt wird, ist noch nicht bekannt.

Das neue Park-Abo geht zurück auf eine Forderung der SP-Fraktion im Gemeinderat, die am 20. Dezember 2017 eingereicht und am 28. November 2018 an den Stadtrat überwiesen wurde.

Mit dem neuen Angebot wird die Rentabilität der Velostationen deutlich reduziert. Schon heute decken diese ihre Kosten nur etwa zu 35 Prozent – jährlichen Betriebskosten von 640’000 Franken stehen Einnahmen von 220’000 Franken gegenüber. Dieses Verhältnis wird sich deutlich verschlechtern: Die Betriebs- und Systemkosten steigen auf 664’500 Franken jährlich, die Einnahmen sinken auf 123’000 Franken. Damit beträgt der Kostendeckungsgrad noch 15 bis 20 Prozent. Jeder Stellplatz wird damit mit 200 Franken pro Jahr subventioniert. Dabei sind die Baukosten noch nicht einmal einberechnet.

So viel kosten die Velostationen derzeit – und so viel bringen sie ein. Bild: Stadt Zürich

Neben den Jahresabos soll es auch weitere Angebote geben, nämlich:

  • Einzeleintritte für 24 Stunden à 2 Franken
  • Ein 10er-Abo (je 24 Stunden) für 10 Franken
  • Ein Quartalsabo für 25 Franken

Die Preissenkung für Velofahrer kommt in einer Zeit, in der die Stadt Zürich das Parkieren für Autofahrer deutlich verteuern will. Die Anwohnerparkkarte für die Blaue Zone soll künftig 780 statt 300 Franken kosten, das kostenlose Parkieren in der Nacht soll der Vergangenheit angehören.

Mit den Preisen für das neue Velo-Parkabo unterbietet die Stadt Zürich aber auch andere Städte deutlich. Die Benützung von vier der fünf städtischen Velostationen in Bern – darunter jene mit über 3000 wettergeschützten und sicheren Veloparkplätzen beim Bahnhof – kostet im Jahresabo 150 Franken. Ein Halbjahresabo ist für 90 Franken zu haben, der Einzeleintritt ist dafür mit einem Franken deutlich billiger. Gratis ist nur die Nutzung der Velostation beim Hochschulzentrum Länggasse.

Allerdings prüft Bern nun weitere Vergünstigungen, nachdem die Stadtberner Stimmbevölkerung am Wochenende Ja gesagt hat zu Massnahmen zur Verkehrsleitung rund um den Bahnhof Bern (unter anderem wird eine neue Personenunterführung gebaut). Geplant war zunächst eine unterirdische Velostation, deren Bewilligungsfähigkeit aber unklar ist und die deshalb aus der Vorlage ausgeklammert wurde. Die Stadt Bern sucht nun nach Alternativen, beispielsweise im Gebäude der Welle 7. Und laut Stadtpräsident Alec von Graffenried wird auch eine Vergünstigung geprüft. Die Stadt schaue, ob Velos in den bereits existierenden oder neuen Velostationen «nach dem Vorbild von Amsterdam» für 24 Stunden gratis parkiert werden könnten, sagte er dem «Bund».

Andere Städte verlangen mehr Geld. Die Stadt Genf etwa will für ein Jahresabo 200 Franken. In Basel ist die Nutzung der Velostation beim Bahnhof St. Johann mit einer Dauerkarte zwar kostenlos, doch diese Station bietet nur Platz für 300 Velos. Die Nutzung der beiden Velostationen beim Bahnhof Basel SBB mit über 2100 Standplätzen kostet 120 Franken im Jahr.

Nicht überall ist das Velo-Parkieren in Basel gratis. Bild: David Norman / Unsplash

Ähnliche Preise müssen für die Velostation Aarau (Jahresabo: 150 Franken), die Velostation beim Bahnhofplatz Chur (Jahresabo: 90 Franken), für zwei Velostationen der Stadt St. Gallen (Jahresabo: 130 Franken) oder Winterthur (150 Franken für zwei Stationen) bezahlt werden.

Geradezu paradiesisch leben hingegen die Velofahrer in Luzern: Dort kostet die Benützung der Velostation mit 1100 Plätzen beim Bahnhof nichts – noch zumindest. Weil der Bau einer neuen Velostation 17 Millionen Franken kosten soll, fordern die GLP und die CVP im Stadtparlament, dafür Gebühren zu erheben. Das berichtet die «Luzerner Zeitung». Ähnlichen Vorstössen war allerdings in der Vergangenheit kein Erfolg beschieden.

Ob die Gebührenoffensive der Stadt Zürich nun auch in anderen Gemeinden zu einer Senkung der Tarife führt, wird sich zeigen. Einerseits sind die Finanzen wegen der Coronakrise überall eng, Sparen ist angesagt. Andererseits aber passt die Förderung des Velofahrens zur städtischen Politik. Mehr Einsatz fürs Velo hatte kürzlich auch die Städtekonferenz Mobilität gefordert (Mobimag berichtete).

Billiger als Autoparkplätze bleiben die Veloabstellplätze auf jeden Fall – einerseits, weil sie viel weniger Platz benötigen und viel effizienter sind, andererseits aber auch wegen politischen Vorgaben. Denn anders als Veloplätze müssen solche fürs Auto etwa in der Stadt Zürich laut dem «Leitfaden Parkierung» «mindestens kostendeckend» sein. Im Parkhaus Opéra unter dem Sechseläutenplatz parkieren Autofahrer für 45 Franken denn auch nicht ein Jahr lang – sondern einen Tag.



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