
Bis Ende 2027 soll die Strecke Basel-Singen elektrifiziert werden. Danach wird sie neu ausgeschrieben. Die SBB soll sich für den Betrieb der Strecke auf deutschem Boden interessieren. Kommen jetzt Fernverkehrs-Züge auf direktem Weg von Basel nach St. Gallen?
von Stefan Ehrbar
2. August 2021
Die Hochrheinbahn verbindet Basel über Waldshut, Schaffhausen und Singen mit Konstanz. Noch hat das Angebot des ÖV auf der Strecke eher überschaubare Qualität: Auf 75 Kilometern Länge ist die Strecke nicht elektrifiziert, dort verkehren Dieseltriebzüge. Die Deutsche Bahn beschreibt die Situation in einer Broschüre wie folgt: «Die Region braucht ganz sicher keine Dieselinsel mehr, […] deren Zugtechnik immer mal wieder zu Überraschungen neigt. Zwischen dem Badischen Bahnhof in Basel und dem Bahnhof in Erzingen zeugen die Dieselfahnen der Lokomotiven und Triebfahrzeuge von ihrer schweren Arbeit. Eigentlich ein Bild aus dem letzten Jahrhundert […].»
Nun aber wird die Strecke ausgebaut. Nicht nur wird sie elektrifiziert, es werden auch Perrons erhöht und verlängert und die Signaltechnik und Weichen ersetzt. Voraussichtlich im Dezember 2027 soll es soweit sein.
Nun macht ein Gerücht die Runde – etwa im Forum «Drehscheibe Online». Demnach soll sich die SBB für den Betrieb der Linie interessieren, sobald sie elektrifziert ist. Auch ein Fernverkehrs-Produkt sei durch die Schweizer Bahn geplant, und zwar bis nach St. Gallen. Die Direktverbindung von Basel SBB nach St. Gallen existiert zurzeit nicht.
Was ist da dran?
Sicher ist: Das Land Baden-Württemberg wird die Leistungen im Nahverkehr auf der Schiene für den Zeitraum nach der Elektrifizierung in mehreren Losen neu vergeben. Eine Schweizer Bewerbung wäre gern gesehen, sagt eine Sprecherin vom zuständigen Ministerium für Verkehr zu Mobimag. «Auch Schweizer Unternehmen können sich an Vergabeverfahren des Landes Baden-Württemberg beteiligen, wenn sie die Anforderungen des Lastenheftes erfüllen. Dies wird vom Land ausdrücklich begrüsst.»
Der Fokus der Ausschreibung werde auf der Qualität und Zuverlässigkeit der Verkehrsleistung liegen.
Und was sagt die SBB?
Der Bahn sei zurzeit nicht bekannt, wie die grenzüberschreitenden Verfahren und Angebote ausgestaltet würden, sagt eine Sprecherin. Sämtliche Züge würden heute von Baden-Württemberg bestellt und finanziert. Weil das Vergabeverfahren noch nicht gestartet worden sei, könne man keine weiteren Aussagen machen. Wird sich die SBB an der Ausschreibung beteiligen? Dazu will sich die Bahn «zum aktuellen Zeitpunkt» nicht äussern.
Heute findet auf der Strecke kein Fernverkehr statt. Laut dem Land Baden-Württemberg ist das von Seiten der Deutschen Bahn auch nach der Elektrifizierung nicht geplant. Allerdings werde es dann den sogenannten «Spangenzug» geben, der Basel und St. Gallen als zusätzliches schnelles Produkt verbinde.
Laut der Projektwebsite von DB Netze zum Ausbau soll es künftig alle 60 Minuten einen Interregio-Express von Basel SBB via Singen und Konstanz nach St. Gallen geben. Zurzeit verkehren diese Züge zwischen Basel Badischer Bahnhof und Singen. Zwischen Basel und Singen soll der Zug im Halbstundentakt verkehren. Zudem sollen die Regionalzüge von Basel nach Waldshut künftig ebenfalls im Halbstundentakt verkehren. Das entspricht einer Verdoppelung des aktuellen Takts.
Sicher ist also: Es wird eine schnelle Verbindung von Basel SBB nach St. Gallen geben. Wer diese betreibt, ist aber noch offen – genauso wie die genaue Ausgestaltung des Angebots und Fahrplans. Dass die Direktverbindung deutlich schneller wird als die Fahrt über Zürich HB mit Umsteigen, darf bezweifelt werden: Die Fahrzeiten auf der Strecke bleiben trotz dem Ausbau die selben. Eine Fahrzeit von etwa zweieinhalb Stunden dürfte wohl das höchste der Gefühle bleiben. Die Fahrt über Zürich dauert zwei Stunden.
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