Christliche Agentur will ÖV erobern – Verkehrsbetriebe uneins (Abo)

Ein Bus der VBZ im Werbekleid. Bild: Mobimag

Die Verkehrsbetriebe von Zürich, Winterthur oder Chur bekleben ihre Busse neuerdings mit religiöser Werbung der Agentur C. Das ist Teil einer gross angelegten Kampagne der christlichen Werbe-Bude. Nicht alle Verkehrsbetriebe wollen das aber akzeptieren – und nicht alle sind gleich konsequent.

von Stefan Ehrbar
10. August 2021


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«Eine solche Art von Werbung würden wir nicht tolerieren. Unsere Fahrgäste könnten sich gestört fühlen»: So kommentierte eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im Jahr 2009 eine geplante Werbeaktion der Freidenker Schweiz. Diese wollten einen Bus mit folgendem Slogan bekleben: «Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge – geniess das Leben!».


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Einige Jahre später nun kurvt mindestens ein Bus der VBZ mit religiöser Werbung durch die Stadt. «Glaubt der guten Botschaft – Jesus Christus» steht auf dem Plakat, das die Heckscheibe überdeckt. Verantwortlich dafür ist die Agentur C. Diese hat religiöse Werbung nicht nur auf Zürcher Bussen gebucht, sondern auch auf je einem Bus in Zug, Winterthur, Schwyz und zwei Bussen in Chur und im Raum Sursee-Luzern, wie sie auf ihrer Internetseite bekannt gibt. Auf dem Bus, der im Raum Luzern verkehrt, wurde gar die Seite mit dem Bibelzitat verklebt, so dass Fahrgäste aus dem Innenraum nicht mehr nach aussen schauen können, ohne die «gute Botschaft» zu erkennen.

Die Beklebung von Bussen ist Teil einer grösseren Aktion der Agentur, die sie «Gottes Wort rollt» nennt. «Die Agentur C ist nicht zu bremsen», schreibt sie auf ihrer Internetseite. «Alle 30 Minuten fährt ein Bus mit einem Jesus-Zitat beim Bahnhof in Luzern durch», wird Agentur-Präsident Pesche Stucki in einem Gespräch mit dem christlichen Portal Livenet zitiert. 

Das stellt Verkehrsbetriebe vor eine Herausforderung. Während sich einige Passagiere an Werbung stören, die etwa in ihren Augen als zu sexistisch oder plump daherkommt, wollen andere keine Belehrung von weltanschaulichen Gemeinschaften. Die Verkehrsbetriebe gehen auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema um. Spannend ist der Fall der VBZ, die sich explizit gegen Werbung von Freidenkern aussprachen, nun aber keine Berührungsängste mit der christlichen Agentur zeigen. Wie begründen die VBZ ihren Spagat – Freidenker nein, Werbung fürs Christentum ja?


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