Die ICE-Züge aus Deutschland sind noch immer zu oft verspätet – darum enden sie auch in den nächsten Monaten vorzeitig in Basel SBB

Viele ICE-Züge fahren noch länger nicht nach Zürich und Chur. Bild: Deutsche Bahn

Weil viele ICE-Züge aus Deutschland zu spät in die Schweiz kommen, fahren sie seit einigen Monaten nur noch bis Basel. Nun zeigt sich: Aus der angekündigten Verbesserung im Sommer wird nichts. Stattdessen gilt die Massnahme wohl noch im ganzen nächsten Jahr. Dann müssen auch Italien-Reisende mit Einschränkungen rechnen.

von Stefan Ehrbar
2. Mai 2023

Seit letztem Dezember fahren verschiedene ICE-Züge aus Deutschland nicht mehr nach Zürich und teils weiter nach Chur, sondern enden bereits in Basel und starten erst von dort. Das machte CH Media im Oktober publik. Als Grund nannten die SBB damals, dass die Züge zu oft verspätet in die Schweiz kommen. Reisende von und nach Deutschland müssen seither auf diesen Verbindungen umsteigen.

Darunter leidet etwa der Kanton Graubünden. Mit der Bahn anreisende Touristen aus Deutschland müssen seither in Basel oder Zürich umsteigen, statt mit dem ICE direkt nach Landquart oder Chur zu fahren. «Solche Notlösungen sind nicht kundengerecht und für uns als Tourismuskanton alles andere als erfreulich», sagte Thomas Schmid vom Amt für Energie und Verkehr des Kantons damals dem Medienhaus. Spätestens im Sommer dieses Jahres solle aber wieder der normale Fahrplan gelten, so Schmid.

Daraus wird nichts. Die betroffenen ICE-Züge enden stattdessen bis auf weiteres in Basel und starten auch erst von dort. Aus dem kürzlich Fahrplanentwurf der Ostschweizer Kantone geht hervor, dass dies sogar nächstes Jahr gelten dürfte. «Das Ersatzkonzept zur Stabilisierung der aus Deutschland eintreffenden ICE-Züge muss aufgrund umfangreicher Bautätigkeit und weiterhin nicht ausreichender Stabilität der Incoming-Verkehre leider voraussichtlich auch im Fahrplan 2024 weitergeführt werden», heisst es dort.

Auch die SBB bestätigen dies. Es sei noch nicht absehbar, wann die Massnahme wieder aufgehoben werden kann, sagt Sprecherin Sabrina Schellenberg. Konkret betroffen sind folgende Verbindungen:

  • Die ICE-Züge 71 (Hamburg–Zürich/Chur) und 72 (Chur–Hamburg) verkehren weiterhin nur bis Basel.
  • Der ICE 75 (Hamburg–Chur) verkehrt nur bis Zürich HB.
  • Die bereits per Dezember 2022 geplanten Verlängerungen der ICE 73 (Hamburg–Zürich), 272/292 (Zürich–Hamburg/Berlin) und 4 (Zürich–Frankfurt) nach respektive von Chur an Wochenenden können weiterhin nicht umgesetzt werden.

«Die Züge werden innerhalb der Schweiz durch Rollmaterial der SBB ersetzt», sagt Schellenberg. Die SBB beobachteten die Situation genau und stünden mit der Deutschen Bahn (DB) «in engem Kontakt». Schuld an der Situation hätten auch die «zahlreichen Baustellen auf dem deutschen Netz». Die SBB bedauerten die Situation. Durch die getroffenen Massnahmen versuche die Bahn, die Auswirkungen für die Mehrheit der Kundschaft, die im Inland unterwegs ist, so gering wie möglich zu halten.

Nächstes Jahr kommt auf Reisende von internationalen Zügen weiteres Ungemach zu. An einer kürzlich abgehaltenen Konferenz der europäischen Bahnen zur Koordination des Fahrplans im Rahmen des «Forum Train Europe» wurde bekannt, dass das Angebot für Reisende aus und in die Schweiz im nächsten Jahr reduziert wird. Wegen Baustellen in Deutschland und Italien sind laut Informationen von Mobimag folgende Unterbrüche geplant:

  • Die Eurocity-Züge von Zürich respektive Interlaken–Bern nach Hamburg und umgekehrt mit den Nummern 6 bis 9 fallen ab Mitte Juli 2024 bis Ende Jahr im deutschen Teil ersatzlos aus. 
  • Die Eurocity-Züge 52 und 53 von Mailand über Brig und Bern nach Basel respektive umgekehrt fahren das ganze Jahr 2024 über nur noch an Wochenenden. Auf den Schweizer Abschnitten verkehren wochentags Ersatzzüge. Bern und Basel verlieren damit eine tägliche Direktverbindung nach Italien.

Die SBB wollen diese Informationen nicht kommentieren und stellen Informationen für den 5. Mai in Aussicht. Dann werden die Änderungen des Fahrplans 2024 kommuniziert.

Der neue Fahrplan wird aber nicht nur wegen Verspätungen und Bauarbeiten im Ausland zu Einschränkungen führen. Wegen Bauarbeiten in Zürich-Wipkingen brauchen ab Ende Jahr beispielsweise auch die Eurocity-Züge von Zürich nach München gut 10 Minuten länger, dürften aber in Zürich-Oerlikon halten. Die Intercity-5-Züge von Lausanne nach St.Gallen verkehren in den Stosszeiten nicht mehr durchgehend. Sie werden stattdessen in Zürich HB unterbrochen und brauchen zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und dem Flughafen länger. Wer an den Flughafen will, muss bei betroffenen Zügen in Zürich umsteigen.

Auch diverse Interregio-Züge von Luzern über Zürich nach Chur respektive Konstanz fahren nicht mehr über den Zürcher Hauptbahnhof hinaus, womit umsteigefreie Verbindungen aus der Zentralschweiz an den Flughafen Zürich verloren gehen. Alle Änderungen haben die SBB auf einer Informationsseite zusammengefasst.

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