
Die Aussicht auf regulatorische Unterstützung und finanzielle Anreize sowohl aus dem öffentlichen als auch aus dem privaten Sektor hat zu einer wachsenden Pipeline von SAF-Kapazitäten geführt, die vor 2030 in Betrieb genommen werden sollen. Mobimag stellt Initiativen und Projekte aus dem Bereich des nachhaltigen Flugtreibstoffs vor.
von Peider Trippi,
10. Dezember 2025
Bei vielen der SAF-Projekte, die in den letzten Jahren angekündigt wurden, kam es zu Verzögerungen und/oder Neugestaltungen, da sie auf die endgültigen politischen Details sowie Finanzierungszusagen warteten. Um die stetig wachsende Pipeline von SAF-Projekten zu bewältigen, müssen jetzt die politischen Vorschläge in langfristige regulatorische Rahmenbedingungen umgesetzt werden. Damit können die Projektrisiken für SAF-Abnehmer und Investoren auf ein akzeptables Niveau gesenkt werden. Die Dynamik für SAF ist auf einem Allzeithoch: Pressemitteilungen über SAF-Ankündigungen, politische Entwicklungen und Abnahmen von Fluggesellschaften sind allgegenwärtig.
Erster e-SAF im Einsatz
Swiss International Air Lines (SWISS) hat als weltweit erste Fluggesellschaft Solartreibstoff des Schweizer Cleantech-Unternehmens Synhelion in ihren regulären Flugbetrieb integriert. Synhelion lieferte ein erstes 190-Liter-Fass synthetisches Rohöl aus seiner Produktionsanlage DAWN an eine Raffinerie in Norddeutschland. Dort wurde das mittels Solarenergie hergestellte Rohöl zu zertifiziertem Flugtreibstoff (Jet-A-1) verarbeitet, welcher anschliessend über den Flughafen Hamburg in das Treibstoffversorgungssystem eingespeist wurde.
Die zugeführte Menge entspricht etwa sieben Prozent des Treibstoffbedarfs für einen Flug zwischen Hamburg und Zürich – ein symbolischer, aber kraftvoller Auftakt. Denn was nach wenig klingt, ist ein echter Meilenstein für die Luftfahrt: Es zeigt, dass die Technologie von Synhelion funktioniert und bereit ist für die nächsten Schritte. Die nahtlose Integration in bestehende Raffinerieprozesse ist eine zentrale Voraussetzung für die rasche globale Skalierbarkeit von Synhelions Technologie.
Neste erweitert Rotterdam für HVO-Diesel und SAF
Zusätzlich zu den jüngsten Umbauten an der Raffinerie in Rotterdam setzt Neste sein strategisches Wachstumsinvestitionsprojekt fort, das die Produktionskapazität des Unternehmens in der Rotterdamer Raffinerie auf 2,7 Millionen Tonnen erneuerbarer Produkte pro Jahr mehr als verdoppeln wird. Damit wird die Raffinerie zur weltweit grössten Anlage zur Herstellung von erneuerbarem Diesel und SAF. Diese Erweiterung, die im Jahr 2027 abgeschlossen sein soll, wird die weltweite jährliche Produktionskapazität von Neste für erneuerbare Kraftstoffe auf 6,8 Millionen Tonnen erhöhen, wobei die gesamte jährliche SAF-Produktionskapazität von Neste 2,2 Millionen Tonnen beträgt. Neben der Raffinerie in Rotterdam verfügt Neste über SAF-Produktionskapazitäten in seinen Raffinerien in Singapur und Porvoo, Finnland. Wie Neste Sustainable Aviation Fuel hergestellt wird in einem Video (auf Englisch) aufgezeigt.
Dezentrale und modulare SAF-Herstellung
CGF, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der irischen CATAGEN, wird eine patentierte modulare Technologie nutzen, um nachhaltigen SAF-Flugkraftstoff unter Verwendung netzunabhängiger erneuerbarer/kohlenstoffarmer Stromquellen herzustellen. Das bedeutet, dass der Kraftstoff weiterhin konstant produziert werden kann und flexibel und widerstandsfähig gegenüber Schwankungen der Netzkonnektivität ist.

Im Gegensatz zu zentralisierten SAF-Projekten, die grosse Investitionen, langwierige Genehmigungsverfahren, lange Bauzeiten und eine umfangreiche Energieversorgung erfordern, handelt es sich bei CGF um ein dezentrales, elektrifiziertes, modulares Produktionsmodell. Anlässlich der Einführung von CGF kündigte Catagen neue strategische Partnerschaften mit Ryanair und Shell Aviation Ireland Limited für Abnahmeverträge zur Produktion und Nutzung von SAF an.
CATAGENs einzigartiges SAF-Produktionssystem wird in Kürze den kommerziellen Betrieb aufnehmen und eine Million Liter SAF pro Jahr produzieren. Dank dieser Abnahmepartnerschaften ist CATAGEN nun in der Lage, ein Netzwerk dezentraler Produktionseinheiten weltweit aufzubauen und Produktionsstandorte mit einer Kapazität von jährlich bis zu 10 Millionen Litern anzubieten.
Die Entwicklung der ClimaHtech-, E-FUEL-, GEN- und BIOHGEN-Technologien von CATAGEN wurde durch das Net Zero Innovation Portfolio des britischen Ministeriums für Energiesicherheit und Net Zero in Höhe von einer Milliarde Pfund unterstützt. Dies stellt Finanzmittel für kohlenstoffarme Technologien und Systeme bereit.
Europas grösste e-Fuel-Produktionsanlage geht in Betrieb
Das deutsche Cleantech-Unternehmen INERATEC hatte im Juni 2025 die ERA ONE -Anlage in Frankfurt offiziell eingeweiht, eine Power-to-Liquid- Anlage zur Produktion von E-Fuels und E-Chemicals, die eine neue Ära nachhaltiger Mobilität einläuten wird. Die Anlage in Frankfurt-Höchst ist die grösste ihrer Art in Europa und wird jährlich bis zu 2.500 Tonnen CO2-neutrale E-Fuels produzieren. Damit werden erstmals synthetische Kraftstoffe in kommerziellem Massstab in Europa verfügbar.
ERA ONE nutzt CO₂ aus biogenen Quellen und grünen Wasserstoff zur Herstellung von synthetischem Rohöl, das anschliessend zu nachhaltigem Flugkraftstoff (e-SAF), e-Diesel und weiteren Produkten weiterverarbeitet wird. Die beiden Rohstoffe für die neue Anlage stammen direkt aus dem Industriepark Frankfurt-Höchst, wo sie sich befindet. Das CO₂ stammt aus einer Biogasanlage, die Abfälle verwertet, und der Wasserstoff ist ein Nebenprodukt der Chlorproduktion. INERATEC e-Fuels sind „Drop-in-ready“, d. h. sie können ohne Modifikationen an bestehenden Systemen, wie beispielsweise Flugzeugtriebwerken, eingesetzt werden.
Der modulare Aufbau der Anlagen von INERATEC ermöglicht eine schnelle und effiziente Erweiterung der Produktionskapazität. Bis 2030 plant das Unternehmen, seine Jahresproduktion durch zusätzliche Projekte um ein Vielfaches zu steigern. Diese Skalierung ist entscheidend für die Erfüllung regulatorischer Anforderungen, wie beispielsweise der ReFuelEU Aviation-Verordnung, welche verbindliche Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe festlegt.
Projekte für den französischen Markt
Gemäss France Hydrogène zielt der Projektaufruf der staatlichen französischen Initiative Carb Aero darauf ab, den französischen e-SAF-Produktionssektor mit einer Finanzierung eines Teils der technischen Studien zu unterstützen.
Das von Verso Energy geleitete Projekt DEZiR entsteht in der Nähe von Rouen in der Normandie. Ziel ist die Produktion von 81.000 Tonnen e-SAF pro Jahr aus durch Wasserelektrolyse erzeugtem Wasserstoff und abgeschiedenem CO₂. Der Standort profitiert von einem dichten Industrienetzwerk und der Nähe zu den Flughäfen der Region Ile-de-France, die für die Vermarktung dieser Kraftstoffe vorrangig sind. Das Projekt sieht vor, diese Kraftstoffe noch vor Ende des Jahrzehnts industriell einzusetzen.
KerEAUzen, das zweite Projekt wird von ENGIE verwaltet und befindet sich im Industrie- und Hafengebiet von Le Havre. Mit einer angekündigten Kapazität von 70.000 Tonnen e-SAF pro Jahr profitiert es von den logistischen Vorteilen des Standorts, der sich über das Programm Le Havre Smart Port City bereits der Energiewende verschrieben hat. KerEAUzen verfolgt einen Kreislaufwirtschaftsansatz auf lokaler Ebene: Jedes Jahr wird das Unternehmen 290.000 Tonnen CO2 aus der Industrie von Le Havre zurückgewinnen.
Das von Elyse Energy geleitete BioTJet -Projekt kombiniert nachhaltige Biomasse, hauptsächlich aus Forstrückständen und Altholz, mit kohlenstoffarmem Wasserstoff. Das Projekt befindet sich im Industriegebiet Lacq in den Pyrénées-Atlantiques und plant die jährliche Produktion von 87.000 Tonnen e-bio SAF.
Im Hafen von Nantes Saint-Nazaire, einem wichtigen Akteur in der Dekarbonisierung der Schifffahrt und Luftfahrt, entsteht das Projekt Take Kair unter der Leitung von Hynamics, einer auf Wasserstoff spezialisierten EDF-Tochtergesellschaft. Das Projekt sieht eine Kapazität von 37.500 Tonnen e-SAF pro Jahr vor und ist Teil der regionalen Dynamik, die vom Ökosystem „Vallée Hydrogène Grand Ouest“ vorangetrieben wird. Take Kair beabsichtigt, auf die bestehende Infrastruktur für eine schnelle Bereitstellung und integrierte Logistik zu regionalen Flughäfen zurückzugreifen.
Das Projekt H4 Marseille Fos, angesiedelt auf der Industrieplattform Fos-sur-Mer, soll die erste euromediterrane Infrastruktur zur Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe werden. Das Projekt mobilisiert 390 MW Elektrolyse und basiert auf der innovativen „Methanol-to-Jet“-Technologie, die e-Methanol in e-Kerosin umwandelt. Der Flughafen Marseille Provence und VINCI Airports sind ebenfalls Partner mit dem Ziel, bis 2030 eine lokale Versorgung mit nachhaltigem Kraftstoff anzubieten, die die gesetzlichen Anforderungen übertrifft und eine sauberere und wettbewerbsfähigere Luftfahrt unterstützt.

Last-minute-SAF-Nachfrage führt zu Preissteigerungen von über 60 Prozent
Gemäss Resourcewise haben in Grossbritannien die Fluggesellschaften «Torschlusspanik» im Erreichen ihrer SAF-Quoten. Im Vorjahr blieben die SAF-Preise bei 1.800 US-Dollar pro Tonne relativ stabil. Ab Juli 2025 stiegen die Preise von diesen stabilen 1.800 US-Dollar auf über 2.900 US-Dollar pro Tonne an. Das sind wegen des schlechten Timings ein Unterschied von 61 Prozent. Dieser rasche Anstieg spiegelt den intensiven, kurzfristigen Vorstoss der verpflichteten Parteien wider, die die Beschaffung verzögert haben.
Bei einer vorgeschriebenen 2%-SAF-Beimischung muss UK insgesamt 277 Millionen Liter SAF erreichen. Es wurden 158 Millionen Liter bis Mitte September verbraucht, der verbleibende Bedarf beträgt 119 Millionen. Nach der Berechnung bedeutet das, dass 43 % der jährlichen SAF-Anforderung in den letzten 29 % des Jahres erfüllt werden müssen. Diese Diskrepanz zwischen Angebotszeitpunkten und regulatorischen Fristen ist die eindeutige Erklärung für den aktuellen Preisanstieg. Aber die wichtigste Erkenntnis ist: Der Preisanstieg ist ein Zeichen für eine stark steigende Nachfrage. Das britische SAF-Mandat funktioniert genau wie vorgesehen. Es treibt eine echte Akzeptanz voran, stimuliert den Markt und sendet starke Signale an die Produzenten.
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