
Der Airbus A321, eine gestreckte Version der A320, ist heute eines der am meisten nachgefragten Flugzeugmodelle. Seit seiner Einführung im Jahr 1994 stehen über 2500 dieses Airbus-Modells auf Kurz- bis Langstrecken bei rund 150 Fluggesellschaften im Einsatz. Die jüngste Version, die A321XLR kann mit 200 Passagieren 8700 km weit fliegen. Wir blicken hinter die Kulissen dieses Erfolgs.
von Peider Trippi,
1. Oktober 2025
Die Airbus-Familie der A319/A320/A321-Baureihen basieren auf einem Ende der 1970er-Jahre vom Konsortium JET – Joint European Transport entwickelten Entwurf von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Als Antwort auf die erfolgreiche B737 von Boeing entwickelten die vier führenden europäischen Flugzeughersteller, British Aerospace, Aerospatiale, Dornier und Fokker ein neues Schmalrumpfflugzeug. Die Gruppe untersuchte drei verschiedene Varianten, die den Markt für 125- bis 180-Sitzer abdecken, die als JET1 bis JET3 bezeichnet wurden. Für den Antrieb waren zwei CFM56 vorgesehen. Das Programm wurde später auf Airbus übertragen, was 1980 zu den Single-Aisle-Studien SA1 bis SA3 führte. Im Februar 1981 wurde das Projekt SA2 in A320 umbenannt.
Um besser mit der B737 konkurrieren zu können, zog Airbus einen breiteren Rumpf-Querschnitt mit einer Innenbreite von 3,7 m gegenüber der Boeings Standard-Rumpfbreite mit 3,45 m von den B707, B727 und B737 vor. Die A320 sollte 150 Passagiere über 3500 bis 5000 Kilometer nur mit Treibstoff aus den Treibstofftanks der Flügel befördern. Air France war der erste Kunde, der auf dem Pariser Luftfahrtsalon 1981 eine Absichtserklärung über 25 A320 und Optionen für 25 unterzeichnete. Das Programm wurde am 2. März 1984 gestartet. Zu diesem Zeitpunkt hatte Airbus 96 Bestellungen.
Eine neue Generation hebt ab
Die erste A320 lief am 14. Februar 1987 in Toulouse vom Band und absolvierte am 22. Februar in 3 Stunden und 23 Minuten ihren Erstflug. Die A320 war das weltweit erste Verkehrsflugzeug mit einem digitalen Fly-by-Wire-Flugsteuerungssystem. Eingabebefehle über den Sidestick werden von Flugsteuerungscomputern interpretiert und an die Flugsteuerflächen elektrisch übertragen. Die Zertifizierung der europäischen Luftfahrtbehörde JAA (European Joint Aviation Authorities) wurde am 26. Februar 1988 erteilt.
Die erste Weiterentwicklung des A320 war der verlängerte Airbus A321. Dessen Programmstart erfolgte am 24. November 1988, nachdem die Zusagen für 183 Flugzeuge von 10 Kunden gesichert worden waren. Der Erstflug des Airbus A321 fand am 11. März 1993 statt. Der Rumpf der A321 ist um 6,94 Meter gestreckt, mit einem 4,27 m langen vorderen Rumpfsegment unmittelbar vor dem Flügel und einem 2,67 m langen Einschub im hinteren Rumpfabschnitt.
Da die Reichweite der A321-100 geringer war als die der A320, begann die Entwicklung der schwereren und reichweitenstärkeren A321-200 im Jahr 1995. Im Dezember 2010 kündigte Airbus eine neue Generation der A320/A321-Familie (neo – new engine option) mit neuen effizienteren Triebwerken kombiniert mit Verbesserungen an der Flugzeugzelle und der Hinzufügung von Winglets an. Die modifizierte Kabine ist, je nach Sitz-Konfiguration, für 200 bis 240 Passagiere ausgelegt.
Die Airbus A320-Familie hat sich als äusserst erfolgreich erwiesen: Mehr als 11.000 Flugzeuge wurden gebaut und an kommerzielle Fluggesellschaften und private Betreiber auf der ganzen Welt verkauft. Heute sind American Airlines (469), China Eastern Airlines (392) und IndiGo (351) die größten Betreiber von Flugzeugen der A320-Familie.
LR: Steigerung der Reichweite
Im Oktober 2018 brachte das Unternehmen den A321LR (long range) mit drei zusätzlichen Mitteltanks auf den Markt. Dadurch konnte die Reichweite um 15 Prozent auf 7400 Kilometer gesteigert werden. Die US-amerikanische Fluggesellschaft JetBlue Airways nahm 2021 als erste Fluggesellschaft die A321LR mit dem neuen Airspace-Interieur für 114 Economy-Passagiere und mit 24 Mint Business Class Sitzen auf Flügen von New York nach London in Betrieb.
Seit dem 1. August 2025 setzt Etihad Airways A321LR auf ihren Strecken ab Abu Dhabi ein. Im Herbst werden unter anderem Zürich, Bangkok, Paris, Düsseldorf und Tunis angeflogen. Die A321LR der Etihad sind mit einer Drei-Klassen-Konfiguration ausgelegt. Zwei Erstklass-Sitze werden erstmals in einem Schmalrumpf-Flugzeug der Airline angeboten. Die geschlossenen Kabineneinheiten verfügen über ein vollständig flaches Bett und 20-Zoll-Bildschirme in 4K-Auflösung.

XLR: Geringerer Treibstoffverbrauch bei noch mehr Reichweite
Als nächste Entwicklung bot Airbus die A321XLR an, die einen um 30 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch pro Sitzplatz gegenüber der vergleichbaren Boeing B757, die vor 40 Jahren den Betrieb aufnahm, und wiederum eine um 15 bis 18 Prozent grössere Reichweite als die A321LR hat. Das maximale Startgewicht der A321XLR erreicht 101 Tonnen und die Reichweite beträgt 8700 Kilometern. Das reicht für einen Nonstopflug über den Nordatlantik mit 180 Passagieren in zwei Klassen.
Um die Reichweite zu steigern, hat Airbus in Ergänzung zu den Zentral-Rumpftanks zwei neue Tanks vor und einer hinter der Tragfläche für insgesamt 16.000 Liter Treibstoff installiert (siehe Grafik). Der Rumpf sowie die Fahrwerke wurden verstärkt, um das höhere Gesamtgewicht zu berücksichtigen. Den ersten Langstrecken-Linienflug mit einer A321XLR absolvierte Iberia am 14. November 2024 auf der Strecke Madrid-Boston.
Für viele Airlines, die bereits die A321ceo oder A321neo auf Kurz- und Mittelstrecken einsetzen, ist die Version XLR eine attraktive Erweiterung ihrer Flotte. Das zeigen auch die Rekordbestellungen. Dieses Modell ermöglicht Fluggesellschaften neue Direktverbindungen in Sekundär-Märkten, wie beispielsweise zwischen Europa und den Midwest-Destinationen in den USA (z.B. Dublin nach Minneapolis), mit Flugzeiten über neun Stunden aufzunehmen. Die Billigfluggesellschaft AirAsia wird 70 Airbus A321XLR-Flugzeuge auf ihren Hub in Kuala Lumpur und Bangkok stationieren. IndiGo wird ihre 69 bestellten unter anderem für Flüge ab Indien nach dem Fernen Osten, Europa und bis nach Afrika einsetzen.

Neue Sitzangebote
Aer Lingus und Iberia statteten ihre Flugzeuge mit flachen Business-Class-Sitzen vorne und Standard-Economy-Sitzen hinten aus. American Airlines plant, bei der Markteinführung der A321XLR im Laufe des Jahres ein neues Business-Class- und Premium-Economy-Produkt einzuführen. Die Fluggesellschaft wird die Flugzeuge mit 20 ihrer neuen flachen «Flagship Suites» vorne, 12 geräumigen Premium-Economy-Sitzen in der Mitte und einem aktualisierten Economy-Produkt im Heck ausstatten.
Auch die neuseeländische Regierung setzt auf zwei Airbus A321XLR und ersetzt damit ihre beiden 30-jährigen Boeing 757. Das ist das erste Land der Welt, das auf das neue Ultra-Langstreckenflugzeug für seine Regierungs- und Militärtransporte setzt.
Bis heute hat Airbus mehr als 500 Bestellungen für diesen Typ erhalten. Wie alle Airbus-Flugzeuge kann auch das A321XLR-Flugzeug bereits heute mit bis zu 50 % Sustainable Aviation Fuel (SAF) betrieben werden. Airbus strebt an, dass seine Flugzeuge bis 2030 mit bis zu 100 % SAF fliegen können.
Mehr Informationen über die A321XLR in der Studie «Game Changer A321XLR?» in Englisch.
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