Airbus lieferte 2025 mehr Flugzeuge aus und verzeichnete Rekordbestellungen – doch die Probleme in den Lieferketten sind immer noch aktuell

Für Fluggesellschaften, die ein Premium-Angebot wünschen, ermöglicht das Airspace-Design von Airbus den A321XLR Layout anzupassen, um luxuriöse, vollflächige Business-Class-Sitze einzubauen.  Bild: Airbus

Airbus ist eines der weltweit führenden Luft- und Raumfahrtunternehmen. Es beschäftigt über 165.000 Mitarbeitende, hat Produktionsstätten in Frankreich, Deutschland, Spanien, Grossbritannien, den USA und China und erzielte 2025 einen Umsatz von 73 Milliarden Euro.

von Peider Trippi,
5. August 2026

Airbus lieferte im letzten Jahr 793 Verkehrsflugzeuge an 91 Kunden, ein Anstieg von 4 Prozent im Jahresvergleich. Schmalrumpfflugzeuge dominierten erneut die Produktionsmischung von Airbus. Die A320-Familie verzeichnete 607 Lieferungen, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das A220-Programm verzeichnete das stärkste Wachstum und erreichte 93 Auslieferungen im Vergleich zu 75 im Jahr 2024. Die Widebody-Produktion war weitgehend stabil, mit 36 ausgelieferten Flugzeugen der A330-Familie und 57 übergebenen A350. Der Hersteller meldete für 2025 Bestellungen für 889 Flugzeuge. Der Auftragsbestand beendete das Jahr mit einem Rekord von 8.754 Flugzeugen, darunter 1.124 Grossraumflugzeuge.

Airbus identifiziert weiterhin die Lieferkette als Hauptbegrenzer für die Steigerung der Auslieferungen. Die Triebwerklieferungen für die A320neo-Familie, insbesondere von Pratt & Whitney, bilden nach wie vor einen Engpass, während bei den Grossraumflugzeugen die Komponenten der Innenausrüstung die Auslieferungen behinderten. Gegen Jahresende traten, durch eine vom Lieferanten identifizierte Abweichung in der Dicke der vorderen Rumpfhautplatten bei A319, A320 und A321, neue Lieferprobleme auf.

Airbus A350 für Ultralangstrecken

Die australische Qantas bestellte im Mai 2022 zwölf A350-1000ULR, die sie für Flüge bis zu 22 Stunden einsetzen will. Im Fokus stehen Verbindungen ab 2027 zwischen Sydney nach London und New York. Dies erfordert einige wichtige Modifikationen an der A350: Die Integration eines 20.000 Liter fassenden Heckmitteltanks, eines modifizierten Treibstoffsystems und einer neuen Kühlarchitektur für die Bordküche. Dies bedeutet, dass diese A350-Variante von der EASA, der EU-Agentur für Flugsicherheit, zertifiziert werden muss bevor sie in Betrieb genommen werden kann. 

Am 23. Juli 2026 war es soweit: Qantas und Airbus führten zwei Nonstop-Testflüge von Toulouse nach Melbourne und zurück durch, wobei sie die erste A350-1000ULR für Qantas nutzten. Die erste Etappe von Toulouse nach Melbourne wurde am 23. und 24. Juli geflogen. Ein Flug, der 19 Stunden dauerte und eine Distanz von etwa 16.900 Kilometern zurücklegte. Hierzu wurde eine Flugtestinstrumentierung in der Kabine des Airbus installiert. Achtzig Prozent der Instrumentierung, darunter über tausend speziell entwickelte Sensoren wurden montiert und installiert als das Flugzeug gebaut wurde. Tausende Kilometer Kabel – orange gefärbt für die Sicht – schlängeln sich durch die bestehenden Kabinenschienen und dem Leitwerk von der ersten A350-1000ULR um neue Öffnungen zu vermeiden. Der neue Kraftstofftank ist mit hochempfindlichen Sensoren ausgestattet, um den Kraftstofffluss, die Temperatur und die Sauerstoffkonzentration während jeder Flugphase zu überwachen. Um mit einem neuen Luftkühlsystem ein erstklassiges Kabinenklima zu gewährleisten, wurde eine umfangreiche Messtechnik zur Überwachung der Umgebungstemperatur installiert. Da sich eine vollbesetzte Kabine anders verhält, wurden im Testflugzeug Dummy-Testpassagiere installiert, die die Wärmebelastung echter Personen simulieren. Der Rückflug fand am 27. und 28. Juli statt, diesmal auf einer transpazifischen Route über die USA und Kanada. Der erfolgreiche Flug dauerte 24 Stunden und 24 Minuten und legte eine Distanz von 23.100 Kilometern zurück.

Airbus A321XLR neu mit Airspace Kabine

Auf der diesjährigen Farnborough International Airshow zog Airbus den Vorhang zurück für die A321XLR mit einer Premiumkabine, die dem Komfort in einem Grossraumflugzeug entspricht (siehe Titelbild). Dank fortschrittlichem Engineering wurde der Langstreckenkomfort des A350 in einem kleineren Flugzeug mit einer Reichweite von 8700 Kilometer nachgebildet. Für Fluggesellschaften, die eine Premium-Reise anbieten wollen, ermöglicht das Airbus Cabin Flex (ACF)-Design das Layout des A321XLR um luxuriöse, vollständig flach verstellbare Business-Class-Sitze zu erweitern. Dank der optionalen Airspace XL-Gepäckfächer, den grössten Gepäckfächern ihrer Klasse, können Gepäckstücke vertikal oder liegend verstaut werden. Die Kabinenatmosphäre des A321XLR wird so angepasst, dass in der Kabine ein durchschnittlicher Druck von 1800 Meter Höhe entspricht. Dieser Kabinendruck entspricht dem des Grossraumflugzeugs A350 und trägt dazu bei, körperliche Ermüdung, Kopfschmerzen und Jetlag zu reduzieren. 

Moderne LED-Beleuchtungssysteme der nächsten Generation an Bord des A321XLR wechseln sanft zwischen individuell anpassbaren Farbtönen und ahmen so natürliche Sonnenauf- und -untergänge nach, um den Rhythmus des Körpers zu unterstützen. Die Temperaturregelung ist in drei aktiv gesteuerte Zonen unterteilt. Fluggesellschaften können optional beheizte Bodenpaneele wählen, um den Passagieren zusätzlichen Komfort zu bieten. Nicht zuletzt werden fortschrittliche Akustiktechnologien in die Flugzeugstruktur integriert, um die Triebwerksgeräusche zu minimieren. Dies führt zu einer Geräuschreduzierung von 50 Prozent im Vergleich zu Single-Aisle-Flugzeugen der vorherigen Generation.

Erweiterung bestehender Modelle

Es wird erwartet, dass Airbus ihre Flugzeugfamilie in den nächsten Jahren erweitern könnte. So sind verlängerte Versionen der Airbus A350 und der kleinen A220 in Diskussion. Obwohl ein offizieller Starttermin noch nicht öffentlich bestätigt wurde, deutet der Branchenkonsens darauf hin, dass die Projekte die Phase der Vorstudien hinter sich gelassen haben. Was vorläufig als A350-2000 bezeichnet wird, könnte Anfang der 2030er-Jahre in Dienst gestellt werden. Die Kabine soll mit einem um vier Meter verlängerten Rumpf rund 40 Passagiere mehr befördern können. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass Fluggesellschaften, insbesondere grosse Airlines wie Singapore, Qantas und Emirates nach zuverlässigen Alternativen suchen, um ihre alternden Flotten von Boeing 777 und Airbus A380 zu ersetzen. Um das erhöhte Gewicht und die Nutzlast der A350 zu unterstützen, würde das Flugzeug wahrscheinlich von einer leistungsgesteigerten Version des Rolls-Royce Trent XWB-97-Triebwerks angetrieben.

Die kleinste Flugzeugfamilie ist bei Airbus die A220. Eine verlängerte Version als 180-sitzigen Twinjet wird derzeit als A220-500 bezeichnet. Diese grössere Version des Regionaljets würde es Airbus ermöglichen, eine breitere Palette an Rumpfkapazitäten und Reichweiten anzubieten. Laut einem aktuellen Bericht von Reuters hat Airbus bezüglich des Marktstarts der A220-500 im Jahr 2026 noch nichts entschieden. Das Nachrichtenportal führt dies auf die verhaltene Reaktion grosser Leasinggesellschaften sowie die anhaltenden Diskussionen über Reichweite und Leistung zurück. 

Airbus und MTU Aero Engines gründen ein Joint Venture zur Entwicklung eines vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellenmotors. Bild Airbus

Neue Projekte am Horizont

Die Innovationsprojekte von Airbus konzentrieren sich auf einen sauberen Antrieb, fortschrittliche Architekturen und digitale Transformation. Dies sind neben anderen Projekten die ZEROe-Wasserstoff-Initiative, das LEIA-Projekt, Wing of Tomorrow und die Airbus UpNext-Demonstratoren. Airbus verfolgt mehrere technische Ansätze, um die UN-Nachhaltigkeitsziele für emissionsfreies Fliegen zu erreichen. Für Fluggesellschaften bedeutet ein Treibstoff sparender Flugbetrieb einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Langfristig sparen Flugzeuge mit besseren Emissionsstandards nicht nur Kosten, sondern schonen auch die Umwelt. Mobimag stellt nachfolgend einige Projekte vor.

Projekt Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie

Airbus und MTU Aero Engines beabsichtigen, ihre Zusammenarbeit durch die Gründung eines Joint Ventures zur Entwicklung und Vermarktung eines vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellenmotors zu vertiefen. Diese Technologie erzeugt Strom durch eine elektrochemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, wobei als einziges Nebenprodukt Wasserdampf entsteht. Die Partner wollen die Technologieentwicklung, das Design, die Erprobung und die Zertifizierung eines revolutionären, auf einer Wasserstoff-Brennstoffzelle basierenden Antriebssystems für die Luftfahrt beschleunigen. Die neue Einheit wird von Airbus und MTU mit all ihren Kompetenzen sowie durch verschiedene Entwicklungs- und Fertigungsteams beider Unternehmen unterstützt. Das neue Joint Venture wird voraussichtlich 2027 seinen Betrieb aufnehmen.

Projekt LEIA

Wie anlässlich der Luftfahrtausstellung in Farnborough im Juni 2026 bekannt gegeben wurde, verfolgt Airbus gemeinsam mit Partnern aus der Europäischen Union, Grossbritannien und den USA mit LEIA – Large Scale Integration Demonstrator of Hybrid Electrical Architecture – sein Ziel, eine hybridelektrische, nicht-propulsive Energiearchitektur für die nächste Generation von Verkehrsflugzeugen zu entwickeln. LEIA ist eine Forschungsinitiative von Clean Aviation, die sich auf die Weiterentwicklung von Technologien für zukünftige Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge mit stärker hybrid-elektrischem Antrieb konzentriert. Durch die Überbrückung der Lücke zwischen Innovationen auf Komponentenebene und der Reife von Flugzeugsystemen zielt das Projekt darauf ab, diese Technologien für die zukünftige Integration und Zertifizierung vorzubereiten.

Projekt Flügelverlängerungen

Airbus startet eine neue Flugtestkampagne zur Bewertung der Leistungsfähigkeit von Tragflächen mit übergrosser Spannweite für die nächste Generation von Single-Aisle-Flugzeugen. Dies markiert die nächste Phase eines seiner grössten Forschungs- und Technologieprogramme, Wing of Tomorrow. Airbus wird in den kommenden drei Jahren Flügelverlängerungen in Originalgrösse entwickeln, bauen und im Flug testen. Diese werden an einem A321neo-Flugzeug montiert und dienen der Bewertung des Flugverhaltens verschiedener Flügel-Geometrien unter realen Flugbedingungen. Die jeweils mehrere Meter langen Verlängerungen simulieren einen Klappflügel in vollständig ausgefahrener Position während des Fluges. Die Flügelverlängerungen werden im  Airbus-Entwicklungszentrum für Flügeltechnologie in Grossbritannien montiert und in Toulouse flugerprobt. Airbus hat bereits drei 17 Meter lange, bodengestützte Flügeldemonstratoren gebaut, um die Vorteile einer grösseren Spannweite und die mehr als hundert neuen Fertigungs- und Montagetechnologien zu erforschen.

Projekt Airbus UpNext

Parallel zum Programm „Flügel von morgen“ beschleunigt Airbus UpNext die Entwicklung des eXtra Performance WING-Demonstrators aus dem Jahr 2023. Das von der Airbus-Tochter und dem Technologie-Inkubator UpNext geleitete Projekt eXtra Performance Wing hat zum Ziel, die Flugleistung zu verbessern und auf Umweltbedenken zu reagieren, indem Flugzeugflügel, wie wir sie heute kennen, völlig neu gedacht werden. Ziel ist die Entwicklung eines Flügels, der seine Form während des Fluges verändern kann, um die aerodynamische Effizienz zu maximieren. Die Anpassungen an der Cessna Citation VII als Flugdemonstrator stehen in Cazaux (Südfrankreich) kurz vor dem Abschluss. Ein Erstflug ist für Ende 2026 geplant. Die Produktion des eXtra Performance Wing-Demonstrators ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit der vier Gründungsnationen von Airbus: Grossbritannien fertigt die Flügel, Spanien baut die klappbaren Flügelspitzen und Deutschland entwickelt das Hochauftriebssystem. Die Modifizierung und Montage des Flugzeugs erfolgen in Frankreich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Diesen Artikel kommentieren