
Sie kaufen ein Ticket für eine Fluggesellschaft und kommen ans Abfluggate, nur um festzustellen, dass Sie die falsche Handgepäck-Grösse haben. Oder Sie haben einen Gegenstand zu viel – wie eine Handtasche und eine Laptoptasche. Der Fehler könnte ins Geld gehen. Wir beleuchten diese Wirrungen, die Situation bei den Gepäckverlusten, die EU-Bestrebungen und werfen einen Blick die Gefahrengut-Entsorgungen am Flughafen Kloten.
von Peider Trippi,
6. August 2025
Die Handgepäckbeschränkungen im Flugzeug sind unglaublich kompliziert. Airlines haben ihre eigenen Regeln für die genauen Abmessungen, jeweils inklusive Griffe und Räder, und Gewichte von Handgepäck. Manche verlangen Gebühren für alles, was über einen kleinen Rucksack, eine Laptoptasche oder eine Handtasche hinausgeht – andere nicht. Wenn man normalerweise mit Fluggesellschaft X fliegt, kann man nicht davon ausgehen, dass das gleiche Gepäck auch bei Fluggesellschaft Y den Vorschriften entspricht.
Die Menge des Freigepäcks und die Kosten für optionales Gepäck variieren auch je nach Strecke und gebuchter Reiseklasse bzw. gebuchtem Tarif. Hier helfen Gepäckrechner auf den Webseiten weiter (Swiss Gepäckrechner / Turkish Airlines).
Der Begriff «Handtasche» wird manchmal auch nur als «persönlicher Gegenstand» umschrieben. Bei kleineren Flugzeugen mit nicht mehr als 50 Sitzplätzen gelten oft besondere Bestimmungen. Hier dürfen aufgrund des beschränkten Stauraums meist nur persönliche Gegenstände mit in die Kabine genommen werden.
Achtung auch bei Codesharing- und Interline-Flügen und mit Partnerairlines: Es gelten die jeweiligen Bestimmungen der durchführenden Airline.

Flying Blue Status hat man Anspruch auf ein weiteres kostenloses Handgepäckstück, beide Gepäckstücke dürfen aber das Gesamtgewicht von 12 kg nicht übersteigen. Tabelle: P. Trippi
Die Anzahl der aufgegebenen Gepäckstücke, die man mitnehmen kann, hängt von der gebuchten Ticketart, dem Reiseziel und der Meilenbonus-Mitgliedschaft ab. Bei verschiedenen Airlines darf bei sogenannten Light-Tarifen, dem günstigsten Handgepäcktarif, nur eine Handtasche und kein Handgepäck kostenfrei mitgenommen werden (u.a. Swiss Economy Light, Finnair Economy Superlight).
Viele traditionelle Fluggesellschaften wie British Airways und nordamerikanische Fluggesellschaften erlauben grosszügige zwei Gepäckstücke als Handgepäck und teils auch höhere zulässige Gesamtgewichte. Für bestimmte Destinationen werden je nach Gesellschaft maximale Gewichte angegeben. So beispielsweise bei Delta Airlines gilt ein Höchstgewicht von 7 kg für Flüge nach Singapur und 10 kg für Flüge nach Peking und Shanghai.

Reisen mit Low-Cost-Fluggesellschaften kann eine budgetfreundliche Möglichkeit sein, neue Ziele zu erkunden. Es ist jedoch entscheidend, deren Gepäckrichtlinien zu verstehen, um unerwartete Gebühren und Komplikationen zu vermeiden. Zu beachten gilt, dass die Zusatzkosten mit der Online-Flugbuchung wesentlich günstiger sind als am Check-in Schalter. Bei einem Gepäck von 20 kg können je nach Gesellschaft und Route zusätzliche Gebühren von CHF 20 bis 60 am Check-in anfallen. Auch fallen entsprechende Zusatzkosten für spezielle Sitzplätze, Einstieg-Optionen, Airport Check-in usw. an. Die Übersichten von Ryanair, easyJet und Wizz Air. Wizz Air kennt auch saisonal höhere Gebühren an Ostern, im Sommer vom 12 Juni bis 27 September und an Weihnachten vom 15. Dezember bis 10. Januar.

Gepäck bei Flügen mit mehreren Fluggesellschaften
Umfasst Ihre bevorstehende Buchung Flüge, die von mehr als einer Fluggesellschaft durchgeführt werden? Auf diesen sogenannten Interline-Flügen hängt Ihr Freigepäck davon ab, welche Fluggesellschaft die massgebliche Fluggesellschaft (Most Significant Carrier, MSC) ist.
Wenn ein Flug über mehrere IATA-Gebiete (Gebiet 1: Amerika, Gebiet 2: Europa, Afrika, Naher Osten, Gebiet 3: Asien, Ozeanien) führt, ist die Fluggesellschaft, mit der man zuerst die Grenze zwischen den IATA-Gebieten überqueren, die massgebliche Fluggesellschaft (= Most Significant Carrier, MSC), und es gelten die Gepäckbestimmungen dieser Fluggesellschaft bis zum Zielflughafen, an dem man sein Gepäck in Empfang nimmt.
So ermitteln Sie am besten, wie viel Gepäck Sie auf einer Reise mit verschiedenen Fluggesellschaften mitnehmen können:
- Identifizieren Sie die massgebliche Fluggesellschaft (MSC) für Ihre Reise. Dies ist abhängig von der Flugroute.
- Informieren Sie sich über die Gepäckbestimmungen der massgeblichen Fluggesellschaft (MSC) mit der Sie reisen, und richten Sie sich danach.
- Bitte beachten Sie, dass sich die massgebliche Fluggesellschaft (MSC) nach jeder Gepäckausgabe am Flughafen ändern und z. B. bei einem Hin- und Rückflug auf jeder Strecke unterschiedlich sein kann.
Auf Ihrem Ticket ist immer die korrekte Freigepäckmenge vermerkt. Wenn Sie sich nicht sicher sind, können Sie sich bei der Fluggesellschaft erkundigen, deren Flugnummern auf Ihrem Ticket angegeben sind oder am Flughafen nachfragen.
Mehr Gepäckumschlag, weniger Fehler
Mit einem Rekordflugverkehr von 5,3 Milliarden Passagieren im Jahr 2024 war der Druck auf die Gepäcksysteme noch nie so groß wie heute. Doch die Branche reagiert. dass die Gepäckabfertigung nicht nur Schritt hält, sondern sich stetig verbessert. Die finanziellen Auswirkungen sind nach wie vor erheblich: Falsch behandeltes Gepäck kostet die Fluggesellschaften immer noch durchschnittlich 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der diesjährige SITA Baggage IT Insights Report (in Englisch) zeigt, dass trotz eines Anstiegs des Passagieraufkommens um 8,2 Prozent sank die Rate der fehlgeleiteten Gepäckabfertigungen auf 6,3 Gepäckstücke pro 1.000 Passagiere, gegenüber 6,9 im Vorjahr, was einer Verbesserung von 8,7 Prozent entspricht.
Seit Beginn der Erfassung der Fehlabfertigungsrate im Jahr 2007 konnte ein Rückgang von 67 Prozent verzeichnet werden, obwohl sich das Gepäckaufkommen mehr als verdoppelt hat. Dennoch wurden im Jahr 2024 33,4 Millionen Gepäcke falsch behandelt, ein klares Signal dafür, dass der Fortschritt zwar real ist, die Arbeit aber noch lange nicht getan ist. Von diesen falsch behandelten Gepäckstücken wurden Zweidrittel innerhalb von 48 Stunden gelöst.
Von der Selbstbedienung von Gepäckstücken bis hin zur Echtzeit-Sendungsverfolgung helfen digitale Lösungen den Betreibern, Gepäckstücke schneller und mit weniger Fehlern zu bewegen. Diese Vorteile hängen jedoch von der richtigen Infrastruktur ab. Dank der Digitalisierung nutzen heute 42 % der Passagiere die Gepäckverfolgung in Echtzeit. Bis 2027 wird sich diese Zahl voraussichtlich auf 82 % fast verdoppeln.
EU diskutiert Verbot von Handgepäckgebühren
Billigfluggesellschaften wie easyJet, Ryanair, Wizz Air, Vueling, Volotea, Norwegian und Transavia sind dafür bekannt, Gäste zu niedrigeren Preisen als alle anderen von A nach B zu befördern, wenn auch mit dem Vorbehalt, dass die Passagiere für die meisten ihrer nützlichen Annehmlichkeiten extra bezahlen müssen.
Aus den Finanzergebnissen von Ryanair für das Geschäftsjahr bis März 2025 geht beispielsweise hervor, dass die Nebeneinnahmen – d.h. Gebühren für Zusatzleistungen wie Handgepäck, spezielle Sitzwahl usw. – ein Drittel der Gesamteinnahmen ausmachten (4,7 Milliarden EUR von insgesamt 13,95 Milliarden EUR). Mobimag berichtete am 15. Mai über die konsequenten Kostenbetrachtungen bei den Low-Cost-Fluggesellschaften.
Ein besonderer Streitpunkt war in den letzten Jahren immer wieder das Handgepäck. Viele Fluggesellschaften erlaubten es früher den Passagieren neben einer Handtasche ein Handgepäckstück standardmässig und kostenfrei mitzunehmen. Um die Turnarounds zu beschleunigen und mehr Umsatz zu generieren haben die Billigfluggesellschaften damit vor Jahren begonnen, für Handgepäck Gebühren zu erheben.
Am 24. Juni stimmte der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments für einen Vorschlag, der es Fluggästen erlauben würde, zwei Handgepäckstücke ohne zusätzliche Kosten mitzunehmen. Wenn das Plenum des Europäischen Parlaments zustimmt, wird das Parlament in den Verhandlungen mit der Europäischen Kommission und dem Rat der EU auf die Aufhebung von Handgepäck-Gebühren drängen. Sofern dies Realität würde, hätten Flugreisende innerhalb der EU das Recht, eine persönliche Handtasche oder einen Rucksack sowie ein kleines Handgepäckstück ohne zusätzliche Kosten mit an Bord zu nehmen. Die Regeln dürften dann auch von der Schweiz übernommen werden.

Zürich: Mehr Gefahrengut konfisziert
Die Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben bezüglich Gefahrgut im Passagiergepäck liegt bei den Fluggesellschaften, den Abfertigungsfirmen und den Flughäfen. Grundlage hierfür bilden die internationalen Vorgaben der ICAO, die «Technical Instructions for the Safe Transport of Dangerous Goods by Air» sowie ergänzend der IATA, die «Dangerous Goods Regulations», in welchen die Regeln für Gefahrguttransporte aufgeführt und eingestuft sind.
Im Jahr 2024 wurden an den Sicherheitskontrollen am Flughafen Zürich rund 140’000 Gefahrgüter aus dem aufgegebenen Gepäck und weitere 40’000 aus dem Handgepäck entfernt. Die Anzahl verbotener Gefahrgüter im Gepäck hat sich in den letzten Jahren am Flughafen Zürich deutlich erhöht, insbesondere im Aufgabegepäck.
Grund dafür ist unter anderem der Trend zu immer mehr mitgeführten Batterien, Powerbanks und Akkus sowie Mobilitätshilfen aufgrund des technologischen Wandels hin zu akkubetriebenen statt kabelgebundenen Geräten. Auch der generelle Trend zu mehr Elektronik und die Zunahme von Freizeitreisenden, die weniger reiseerprobt sind, tragen zum Anstieg bei.
Persönliche elektronische Geräte und Batterien gelten als Gefahrengut. Dies liegt daran, dass sie bei Beschädigung Hitze erzeugen, kurzschliessen und Feuer fangen können wie ein Vorfall in Südkorea zeigte, wo ein Airbus A321 dadurch völlig zerstört wurde. Bezüglich der Mitnahme von elektronischen Geräten und Batterien finden Sie hierzu detaillierte Informationen. Diese Informationen gelten nur für den Abflug ab dem Flughafen Zürich.
Gefahrgut von geringem Wert wird aus Sicherheitsgründen nach der Abnahme fachgerecht entsorgt. Wertvollere Objekte wie hochwertige Powerbanks oder Mobilitätshilfen werden hingegen für 30 Tage zwischengelagert. Innerhalb dieser Frist können Passagiere sie gegen eine Gebühr zurückfordern. Erfolgt keine Abholung, werden auch diese Gegenstände durch den Flughafen Zürich nach Ablauf der Frist entsorgt.
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