Die Privatluftfahrt gewinnt neue Kundengruppen und bietet Alternativen bei den alltäglichen Problemen der Airlines

Die Bombardier Global 8000 bietet maximalen Komfort auf Langstrecken bis 14.800 km. Der rund 70 Millionen Franken teure Luxusjet bietet Platz für bis zu 19 Passagiere und verfügt über vier exklusive Wohnbereiche. Bild Bombardier

Immer mehr wohlhabende Reisende entscheiden sich für das Fliegen im Privatjet. Die Geschäftsluftfahrt in Regionen wie Nordamerika und Europa liegt 10 bis 15 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie, angetrieben durch neue Kundengruppen und den Problemen bei den Linienfluggesellschaften.

von Peider Trippi,
8. Juli 2026

Die Zielgruppe derer, die zum ersten Mal mit Privatflugzeugen fliegen, verschiebt sich hin zu einer jüngeren und vielfältigeren Gruppe, zu der Unternehmer, IT-Fachkräfte und eine wachsende Zahl von Frauen gehören. Sie alle legen Wert auf Zeiteffizienz und individuelle Reiseerlebnisse. In einem Artikel von Robert Wilkos, Co-Gründer von VIPJets.com, beleuchtet er die wichtigsten Faktoren für diesen Wandel und seine Bedeutung für die Zukunft der Privatluftfahrt.

Vor 2020 galt die private Luftfahrt oft als unerschwinglicher Luxus. Heute ist sie für immer mehr Menschen zu einem praktischen Instrument für Geschäfts- und Freizeitreisen geworden. Bis zu 30 Prozent der Charterbuchungen im Jahr 2024 stammten von Passagieren, die zum ersten Mal mit dem Privatflugzeug reisten – ein deutliches Zeichen für diese wachsende Attraktivität. Der Trend zum mobilen Arbeiten hat ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt. Da viele Berufstätige von überall aus arbeiten können, reisen sie flexibler, oft zu Zielen, die von Linienflügen nur schwer angeflogen werden. Privatjets bieten einen Komfort und eine Effizienz, die mit Linienflügen so nicht zu erreichen sind.

Wilkos beobachtete zudem einen deutlichen Anstieg der Zahl weiblicher Privatjet-Reisender. Immer mehr Frauen übernehmen Führungspositionen in Wirtschaft und Unternehmertum und greifen dabei auf die private Luftfahrt zurück, um ihren anspruchsvollen Reisebedürfnissen gerecht zu werden. Diese Frauen sind nicht nur Passagierinnen, sondern Entscheidungsträgerinnen, die von der Kabinenauslegung bis hin zu den Annehmlichkeiten an Bord Einfluss nehmen. Dieses wachsende Marktsegment ist eine treibende Kraft des Wandels, und die Branche reagiert darauf. Eine weitere wichtige Zielgruppe bilden die unternehmerisch denkenden Jetsetterinnen. Zu ihnen gehören erfolgreiche Startup-Gründerinnen, Investorinnen und Selfmade-Unternehmerinnen, die die persönlichen, zeitsparenden und produktivitätssteigernden Vorteile der privaten Luftfahrt schätzen.

Eine der bedeutendsten Veränderungen ist der zunehmende Einfluss der Millennials und der Generation Z auf die Reisebranche. Diese Digital Natives sind an On-Demand-Services und personalisierte Erlebnisse gewöhnt und erwarten dies auch von ihren Reiseanbietern. Zudem legen sie mehr Wert auf Umweltbewusstsein und drängen die Branche zu nachhaltigeren Praktiken. Laut einem aktuellen Bericht stellen Millennials mittlerweile 50 % der Kundschaft einiger Anbieter von Geschäftsreiseflugzeugen – ein deutliches Zeichen ihres wachsenden Einflusses.

Die Technologiebranche hat diesen demografischen Wandel massgeblich vorangetrieben. Mit dem Aufstieg erfolgreicher Startups und der Konzentration von Vermögen in Technologiefirmen entdeckt eine neue Generation von Unternehmern die Vorteile der privaten Luftfahrt. Diese Unternehmer müssen oft innerhalb kurzer Zeit in mehreren Städten sein, um an Meetings teilzunehmen, Geschäfte abzuschliessen und neue Märkte zu erschliessen. Privatjets bieten ihnen die Flexibilität und Effizienz, die sie für ihren dynamischen Lebensstil benötigen.

Die Kosten für den Privatflug können je nach verschiedenen Faktoren, wie Flugzeuggrösse, Flugdauer und gewünschtem Serviceumfang, stark variieren. Zwar ist die private Luftfahrt ein Premium-Service, aber es gibt eine Vielzahl von Optionen für unterschiedliche Budgets. Ein mittelgrosser Jet kostet in der Regel zwischen 5.000 und 10.000 US-Dollar pro Stunde, während ein Langstreckenjet mit grosser Kabine deutlich über 10.000 US-Dollar pro Stunde kosten kann. Landegebühren, Steuern und weitere Kosten kommen hinzu.

Welche Möglichkeiten bestehen für einen Privatflug?

Chartern auf Abruf ist die flexibelste Option. So kann man einen Privatjet für eine einzelne Reise buchen, ohne sich langfristig zu binden. Dies ist ideal für Gelegenheitsflieger und Personen mit unregelmässigen Reiseplänen, die die Vorteile der privaten Luftfahrt ohne hohe Vorabinvestitionen erleben möchten. Dabei zahlt der Passagier lediglich für die tatsächliche Nutzungsdauer und können aus einer breiten Palette von Flugzeugen und Serviceanbietern das passende für ihre individuellen Bedürfnisse auswählen. Für Vielflieger sind Mitgliedschaftsprogramme oft die bessere Wahl. Mit diesen Programmen kann man ein Kontingent an Flugstunden zu einem festen Stundensatz erwerben und profitieren so von garantierter Verfügbarkeit und einem unkomplizierteren Buchungsprozess.

Teilhaberschaft ist eine weitere Option für Vielflieger. Sie ermöglicht es, einen Anteil an einem Flugzeug zu erwerben und alle Vorteile des Eigentums zu geniessen, ohne die volle finanzielle Belastung tragen zu müssen. Bei der Teilhaberschaft besitzt man einen Prozentsatz eines Flugzeugs, typischerweise zwischen 1/16 und 1/2, und erhält dadurch Zugriff auf dieses Flugzeug für eine bestimmte Anzahl von Flugstunden pro Jahr. Dieses Modell ist ideal für alle, die 50 oder mehr Stunden im Jahr fliegen und die Kontinuität und Zuverlässigkeit eines festen Flugzeugtyps schätzen.

Privatjet-Anbieter nutzen die Schwächen der Airlines

Streiks, Flugausfälle wegen Personalknappheit und Triebwerk-Lieferengpässen, Kerosinverfügbarkeit und geopolitische Spannungen destabilisieren den Linienverkehr. Die Nachfrage nach privaten Charterflügen aus dem Nahen Osten ist seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und Israel mit dem Iran stark angestiegen. Diese Privatjetflüge können zwar nicht die Grösse der kommerziellen Flugnetze ersetzen. Aber sie können Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, die schnell reisen müssen wenn der planmäßige Flugverkehr ausfällt, eine kontrollierte Mobilität bieten.

Reisen mit dem Privatjet spart Zeit: Vom Boarding bis zur Ankunft spart man mit einem Charterflug erheblich Zeit. Die Zeitersparnis beginnt bereits bei der Ankunft am Terminal. Minimale Wartezeiten, indem lange Schlangen bei der Sicherheitskontrolle, der Gepäckaufgabe und am Ticketschalter umgangen werden. Der Boarding-Prozess verläuft schnell und reibungslos. Der eigentliche Geschwindigkeitsvorteil der Privatluftfahrt liegt somit weniger in der Luft als am Boden.

Ein weiterer Vorteil ist die eingesparte Zeit durch den Wegfall von Zwischenstopps und mit dem Umgehen von überfüllten Flughäfen. Privatjetflüge bieten mehr Flexibilität bei Abflugzeiten und Reisezielen. Man kann Direktflüge zu Zielen buchen, die nicht von Linienfluggesellschaften angeflogen werden und dies zu einem individuellen Zeitpunkt. Flüge im Privatjet bieten auch ein besonders hohes Mass an Sicherheit, sobald man Bord ist und sich auf dem Flug befindet.  Sie haben die volle Kontrolle darüber, wer mitreist. Sie müssen sich keine Sorgen um ungebührliche Passagiere oder Fremde machen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen oder die Privatsphäre stören könnten.

Privatjets sind hochgradig individuell und bieten viele Annehmlichkeiten, die bei Linienflügen nicht verfügbar sind, darunter:

  • Spezielle Kabineneinrichtungen, die auf die Bedürfnisse der Reisenden zugeschnitten sind.
  • Die Möglichkeit, den Flugzeugtyp je nach Gruppengrösse oder spezifischen Anforderungen auszuwählen.
  • Minimale Gepäckbeschränkungen.
  • Individuell gestaltete Bordmahlzeiten und Getränke.
  • Die Möglichkeit, Haustiere mit an Bord zu nehmen.

SAF-Treibstoffe erlangen Priorität bei Privatjets Privatflüge gelten als eines der umweltschädlichsten Fortbewegungsmittel und rufen wegen ihrer massiven CO2-Emissionen pro Passagier zunehmend Kritik hervor. Studien belegen, dass die weltweiten Emissionen durch Privatjets rasant ansteigen und diese im Schnitt bis zu 30-mal mehr Klimagase verursachen als Linienflüge in der Economy-Class. Binnen weniger Jahre ist der CO₂-Ausstoss durch Privatflüge um fast die Hälfte gestiegen. Zwischen 2019 und 2023 hätten die direkten Emissionen um 46 Prozent zugelegt, von 10,7 auf 15,6 Millionen Tonnen, heisst es im Fachjournal «Communications Earth & Environment». Da SAF (Sustainable Aviation Fuel) stärker in das Luftfahrtökosystem integriert wird, erhöht sich die Verfügbarkeit für die Beimischung von SAF-Treibstoffen weltweit. Der verstärkte Einsatz von nachhaltigem Flugbenzin stellt mittelfristig einen Wendepunkt für die Privatjetbranche und ihr Engagement zur Reduzierung der CO2-Emissionen dar.

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