Gestörtes GPS – Gefahr für die Luftfahrt // Nachteinschränkungen in Amsterdam-Schiphol // Beond als Premium-Fluggesellschaft 🆓

Die Störung der GPS-Signale (rote Bereiche) sind eine Gefahr bei auf GPS basierten Landeanflügen. Bild gpsjam.org

Die aktuelle Luftfahrt-Übersicht: Wie russische GPS-Störungen den skandinavischen Luftverkehr erschweren. Der Flughafen Amsterdam Schiphol führt die Nachtruhe ein. Und: Die neue Premium Airline Beond befindet sich in turbulenten Flughöhen.

von Peider Trippi
20. Juni 2024


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GPS-Störungen behindern die Luftfahrt

Seit 2013 sind in Norwegen bei über 20 Regionalflughäfen Kategorie I – Instrumentenlandesysteme, sogenannte SCAT-I (Special CATegory I), installiert. Diese Systeme basieren auf Differential GPS. Dies erfordert die Installation einer speziellen Ausrüstung im Flugzeug und ermöglicht präzise Landungen bei schlechter Sicht, was auf kurzen Start- und Landebahnen wichtig ist, auf denen schlechtes Wetter einschliesslich Schneestürme üblich sind. Sobald GPS-Störungen auftreten, sind diese Navigationssysteme blind. Somit muss auf herkömmliche, weniger präzise Systeme umgestellt werden.


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Bereits 2018 traten pro Woche einzelne Probleme mit den GPS-Satelliten-Navigationssystemen im hohen Norden Norwegens auf. „Das hat sich mittlerweile enorm verschärft“, sagt Catharina Solli von Widerøe, Sprecherin der Regionalfluggesellschaft Norwegens.

Im Jahr 2022 gab es 122 Tage mit GPS-Jamming-Problemen in Norwegen, viermal mehr als im Vorjahr. 2023 waren es bereits 294 Tage mit Unregelmässigkeiten. Bevor Putin den russischen Truppen den Einmarschbefehl in die Ukraine gab, wurden 18 Tage GPS-Störungen im Luftraum über der Finnmark vermeldet. Auf einem Video (in Englisch) mit einer Widerøe Dash 8-100 auf der norwegischen Flugverbindung Kirkenes–Vadsø–Tromsø–Andenes–Evenes werden die Auswirkungen 1:1 dargestellt.

Gemäss «The Barents Observer» kommen die Berichte über GPS-Störungen von Piloten der Fluggesellschaften SAS, Norwegian und Widerøe sowie von zivilen Ambulanzflugzeugen, die den Flughafen Kirkenes und die kleineren Flughäfen entlang der Küste der Finnmark wie Vadsø, Vardø, Båtsfjord, Berlevåg und Mehamn anfliegen. Es wird vermutet, dass diese Störaktionen von den Militärstützpunkten auf der russischen Kola-Halbinsel herkommen.


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Beim sogenannten GPS-Jamming werden die Frequenzen der Satelliten mit Signalen vom Boden überdeckt. Die Interferenzen stören die Funktionen von GPS-basierten Zeitstempeln und Synchronisationssystemen und somit ist keine geographische Ortung mehr möglich. Was auch immer das Ziel eines GPS-Störsenders ist, sind zusätzliche „Kollateralschäden“ kaum zu vermeiden. Flugsicherung (ATC), Such- und Rettungseinsätze, das Stromnetz und Mobilfunkdienste sind alle anfällig für GPS-Störungen. An Finanzbörsen kam es wiederholt zu GPS-Ausfällen, die sich auf die Zeitstempelung von Finanztransaktionen auswirkten. 

Weitere Störmöglichkeiten sind das sogenannte GPS-Spoofing. Dies ist eine heimtückischere Form des Angriffs, bei der absichtlich die Form von Übertragungen von GPS-Satelliten nachgeahmt werden, um den Empfänger fehl zu leiten. Hier gibt es zwei Verfahren: Beim Einen werden zuvor aufgezeichnete Satellitensignale von einer Drittstelle erneut gesendet. Beim fortgeschrittenen Spoofing wird ein falsches GPS-Signal mit einem echten zeitlich synchronisiert. Dies führt zu falschen Positionsangaben, die in der Regel rasch als solche erkennbar sind.

Eine noch subtilere und komplexere Form des GPS-Spoofings ist das Deception Spoofing. Dies besteht darin, GPS-Systeme zu „kapern“, indem ihnen zunächst korrekte Standortinformationen gesendet werden (damit das Spoofing nicht sofort offensichtlich ist). Dann werden die gesendeten Informationen sehr langsam geändert, um beispielsweise ein Flugzeug oder eine Drohne vom Kurs abzubringen. Mit entsprechenden Peilsystemen kann das Spoofing nicht nur erkannt werden, sondern durch die Kenntnis des Standorts der Spoofer können auch Gegenmassnahmen ergriffen werden, es an der Quelle zu unterbinden.

Reduzierter Nachtflugbetrieb in Amsterdam

Der Amsterdamer Flughafen Schiphol plant bis spätestens 2025 alle Nachtflüge zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens abzuschaffen. Zwischen 5 und 6 Uhr ist der Flughafen nur für den ankommenden Flugverkehr geöffnet. Dies ist Teil eines Massnahmenpakets, das der CEO des Flughafens Ruud Sondag gemäss dem Medienportal luchtvaartnieuws.nl vor einem Jahr vorgestellt hatte.


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Wie nun im April 2024 mitgeteilt wurde, will Schiphol bereits ab dem 1. April 2025 Nachtflüge am Flughafen einschränken. Der Stopp der Nachtflüge käme damit sechs Monate früher als bisher geplant. KLM hatte Ende April 2024 die Nachtflüge am Flughafen gänzlich eingestellt. 

Ganz oben auf der Liste der von Schiphol angekündigten Massnahmen steht eine nächtliche Schließung. Dies ist an einigen Flughäfen weltweit üblich, doch in Amsterdam waren bisher Flugzeuge mit speziellen Nachtslots-Bewilligungen zwischen 00:00 und 07:00 Uhr zugelassen. Nach den neuen Beschlüssen wird der Flughafen zwischen 00:00 und 06:00 Uhr für den abfliegenden Verkehr und zwischen 23:00 und 05:00 Uhr für den ankommenden Verkehr geschlossen. Dadurch werden rund 10’000 Nachtflüge pro Jahr vermieden.

Seit Jahren wird darüber diskutiert, die Zahl der Nachtflüge von 32’000 auf 25’000 zu reduzieren, doch dies hat sich nicht durchgesetzt. Durch die Schliessung des Flughafens für mindestens fünf Stunden in der Nacht wird die Zahl der stark unter Schlafmangel leidenden Menschen um 54 Prozent und die Zahl der stark belästigten Menschen um 16 Prozent sinken. Davon profitieren über 30’000 Personen.

Von einer nächtlichen Schliessung sind vor allem Fluggesellschaften und Reiseveranstalter wie Transavia, Corendon oder TUI betroffen. Diese sind es mittlerweile gewohnt, frühzeitig Urlaubsflüge anzubieten. Dadurch ist es ihnen möglich, dreimal am Tag unterschiedliche Ziele anzufliegen. Wenn Flüge erst nach 6 Uhr starten dürfen, wird es schwieriger, dieses Muster beizubehalten. Beispielsweise werden derzeit 55 Prozent der Nachtflüge von der französisch-niederländischen Billigfluggesellschaft Transavia genutzt. Den Preis für das Nachtflugverbot zahlen die Urlauber, Flugreisen werden dadurch deutlich teurer.

Durch die Einführung einer Nachtsperre werden dem Transfernetz von der Fluggesellschaft KLM Vorrang vor Urlaubsflügen eingeräumt. Auch will Schiphol strengere Massnahmen gegen laute Flugzeuge ergreifen. Von November bis Ende 2025 soll es ein schrittweises Verbot von Flugzeugtypen wie der Boeing 747-400 geben, bei der die meisten Beschwerden wegen Lärmbelästigung eingehen. Eine weitere geplante Massnahme ist ein Verbot von Geschäftsflugzeugen in Schiphol. Dies betrifft heute rund 17’000 Flugbewegungen pro Jahr.

Beond mit Turbulenzen beim Start

Die neue Fluggesellschaft Beond setzt auf eine Airbus A319 mit Business-Bestuhlung und hat ambitionierte Wachstumspläne. Erstmals landete die neue Airline am 17. November 2023 in Zürich. Die Gesellschaft plant, die Malediven mit mehreren europäischen und asiatischen Ländern sowie mit Australien zu verbinden. Die Fluggesellschaft bezeichnet sich selbst als „die erste Premium-Ferienfluggesellschaft der Welt“. Mit jeweils einem Tankstopp in Dubai, wo auch die Crew gewechselt wird, fliegt der Beond-Airbus A319 jeweils dienstags und freitags von Zürich auf die Malediven. Flüge ab dem saudischen Riad nach Malé folgten im Dezember.

Unter dem Motto „Luxuriös in die Ferien“ mit nur 44 Business-Sitzplätzen sieht sich Beond als attraktive Alternative zu Edelweiss mit Direktflug und mit Emirates über Dubai. Überzeugt vom Konzept plant die Beond-Geschäftsleitung bis Ende der 2020er-Jahre einen Ausbau auf 32 Flugzeuge mit über 60 Verbindungen in 26 Länder. Ziel ist der Markt für Luxus- und Erlebnisreisen. Dabei wird auch auf einen Limousinen-Service und spezielle Lounges gesetzt.

Doch bereits Anfangs Januar 2024 wurde der Flugplan mangels Nachfrage ausgedünnt. Die wöchentlichen Abflüge ab Zürich von neun auf sechs und heute auf zwei. Auch München ereilte dasselbe Schicksal: Von geplanten neun auf eine Verbindung pro Woche, um diese ab März für den Sommerflugplan ganz aus dem Angebot zu nehmen. Auch gestrichene Flüge mangels Nachfrage treten auf.

In Europa würde der Nischenanbieter Beond gerne auch Paris, London und Madrid anfliegen. „Aber das sind A321-XLR-Destinationen“, so der CEO. Die erste A321, gemäss Flugzeugportalen eine zwanzigjährige ex Gulf Air Maschine, mit mehr Reichweite und nur 68 Business-Class-Sitzen ist im April neu zur Flotte gestossen. Damit sollen Mailand, Dubai und später Bangkok mit den Malediven verbunden werden.

Inzwischen wurden die Flugtarife für einen Hin- und Rückflug ab Zürich von ursprünglich 3500 Franken auf rund 2000 Franken gesenkt. Die maledivische Hauptstadt Malé wird wöchentlich wie folgt angeflogen: Zürich 2x, Dubai 4x (später bis 6x), Riad 2x (ab Juli 3x), Mailand ab Juli 2x und München wieder ab Oktober 2x.


 


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