Airlines mit Rekordergebnissen in 2025, jetzt steht eine Neubewertung an. Kommt es zu Hedging oder Flottenstilllegungen?

Teils rekordhohe Ergebnisse im 2025 und zunehmende Reiselust liessen auf eine Wiederholung hoffen. Aufgrund des Nahostkonflikts ziehen dunkle Wolken auf. Teils massive Treibstoff-Aufschläge und -Verfügbarkeitsprobleme werden 2026 prägen. Bild P. Trippi

Die führenden europäischen Fluggesellschafts-Gruppen meldeten erfreuliche Resultate für 2025 und einen positiven Ausblick für 2026 … mit der Schliessung der Strasse von Hormus wendet sich dies drastisch. Treibstoffpreise stiegen je nach Region bis auf das Doppelte, Gesellschaften mit Hedging auf Treibstoffe sind vorerst weniger betroffen.

von Peider Trippi,
15. April 2026

Die europäischen Airline-Gruppen erreichten unterschiedliche Resultate in 2025. Den Rekordergebnissen von IAG und Air France-KLM stehen durchschnittliche Ergebnisse der Lufthansa-Gruppe gegenüber.

International Airlines Group

Die Muttergesellschaft IAG von British Airways, Iberia, Aer Lingus, Level und Vueling, meldete Rekordergebnisse für 2025. Starke Preise und verbesserte Betriebsabläufe trugen zur Rentabilität bei. Der Konzernumsatz stieg um 3,5 % auf 33,2 Milliarden Euro, und der operative Gewinn vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 13,1 % auf 5,0 Milliarden Euro. Dies entspricht einer operativen Marge von 15,1 %. IAG hat im Jahr 2025 121,6 Millionen Passagiere befördert, ein leichter Rückgang von 0,4 % gegenüber dem Vorjahr. Die Pünktlichkeit erreichte bei British Airways mit 80,3 % den IAG-Bestwert.

IAG und seine Gesellschaften haben einen Marktanteil von 49 % im Nordatlantik. Diese fliegen Nordamerika täglich 136-mal zu 34 Zielen an. Im Jahr 2025 war die Kapazität von British Airways in diesem Markt weitgehend unverändert, da die geringere Verfügbarkeit von B787/B777 das Wachstum hinderte. Sowohl Aer Lingus als auch Iberia begannen mit dem Einsatz ihrer neuen A321XLR Flugzeuge, was ein profitables Wachstum durch höhere Frequenz und ganzjährige Flüge sowie von Sekundärzielen ermöglicht. Das Wachstum der Wettbewerber aus Nordamerika nach Spanien und Irland ist erheblich. Daher ist die Fähigkeit, diese effizienten XLR-Flugzeuge einzusetzen, strategisch wichtig.

IAG ist auch Marktführerin im Südatlantik und betreibt durchschnittlich täglich 54 Flüge von und nach Lateinamerika durch Iberia, LEVEL und British Airways. Im Jahr 2025 setzte Iberia seine Strategie fort, Frequenzen an seinen Hauptzielen hinzuzufügen, und wuchs im Jahresverlauf um 4,4 %.

Air France-KLM erzielt Rekordgewinn

Air France-KLM meldete für 2025 den höchsten operativen Jahresgewinn in seiner Geschichte und überschritt 2 Milliarden Euro Betriebsertrag. Die Gruppe beförderte im Jahr 2025 mehr als 100 Millionen Passagiere und erzielte einen Umsatz von 33 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte 1,76 Milliarden Euro und verdreifachte sich damit im Vergleich zum Vorjahr. Der Betriebsgewinn stieg im Jahresvergleich um 400 Millionen Euro, während die operative Marge bei 6,1 % lag. Das Unternehmen strebt eine operative Marge von über 8 % bis 2028 an.

Die niederländische Tochtergesellschaft KLM verzeichnete 2025 einen Umsatz von 13,2 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 3,9 % entspricht. KLM beendete das Jahr mit einem operativen Gewinn von 416 Millionen Euro. Die jährliche Gewinnmarge erreichte 3,2 %. Air France-KLM erklärte ausserdem, dass es mit den eingehenden Flugzeuglieferungen plant, die Kapazität im Jahr 2026 um 3 % bis 5 % zu erhöhen.

Lufthansa-Gruppe

Die Lufthansa Gruppe verzeichnete 2025 das umsatzstärkste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 39,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 37,6 Milliarden Euro). Der Konzern steigerte den operativen Gewinn (Adjusted EBIT) signifikant auf zwei Milliarden Euro (Vorjahr: 1,6 Milliarden Euro). Dadurch verbesserte sich die operative Marge auf 4,9 Prozent (Vorjahr: 4,4 Prozent). Das Konzernergebnis lag mit 1,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Die Airlines der Lufthansa Gruppe beförderten im vergangenen Jahr 135 Millionen Passagiere, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Sitzladefaktor erreichte erneut ein Rekordniveau von 83,2 Prozent, 0,1 Prozent höher als im Vorjahr. 

Die Kernmarke Lufthansa Airlines konnte ihr Jahresergebnis um rund 250 Millionen Euro gegenüber Vorjahr steigern. Grösste Treiber für mehr Profitabilität von Lufthansa Airlines sind die Modernisierung der Flotte mit hochmodernen, verbrauchsarmen Flugzeugen wie der Boeing 787, das weitere Wachstum von Lufthansa City Airlines und Discover Airlines sowie rund 700 weitere Einzelmassnahmen, von denen bis Ende 2026 über die Hälfte in der Umsetzung sein werden. Für das Gesamtjahr werden erneut eine Umsatz- und deutliche Ergebnissteigerung sowie eine weitere Margenverbesserung erwartet. 

SWISS mit Gewinneinbruch

Die SWISS hat im Geschäftsjahr 2025 rund 18,1 Millionen Passagiere transportiert. Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Flüge stieg ebenfalls um 0,6 Prozent auf über 143 000. Die angebotenen Sitzkilometer (ASK) nahmen um 1,5 Prozent zu, während die verkauften Sitzkilometer (RPK) um 0,5 Prozent anstiegen. Die durchschnittliche Auslastung der SWISS Flüge lag bei 83,3 Prozent und damit um 0,8 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Trotz der Herausforderungen konnte SWISS ihre operative Leistungsfähigkeit weiter verbessern. Die Pünktlichkeit stieg im Jahresdurchschnitt um 4,1 Prozentpunkte auf 69,3 Prozent.

SWISS hat im Geschäftsjahr 2025 ein operatives Ergebnis von 502,2 Millionen Franken erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 26,6 Prozent. Die operativen Erträge beliefen sich auf 5,5 Milliarden Franken und lagen damit um 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Jahr 2025 war geprägt von spürbarem Preis- und Kostendruck, einer volatilen Nachfrage und anhaltenden operativen Engpässen.

Massiv steigende Treibstoffpreise

Seit Beginn der Iran-Kampfhandlungen am 28. Februar 2026 sind die Spotpreise für Öl von rund 96 US-Dollar pro Barrel auf bis zu 197 US-Dollar gestiegen. Treibstoffkosten machen üblicherweise 20 bis 35 % der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus. Die Fluggesellschaften, die sich die Treibstoffpreise vor Monaten oder Jahren durch Absicherungsgeschäfte (Hedging) gesichert haben, fangen den Schock ab. Diejenigen, die dies nicht getan haben, geraten ungeschützt in finanzielle Schwierigkeiten. Delta Air Lines, American Airlines und United Airlines gaben die Treibstoffpreisabsicherung vor etwa zehn Jahren auf. Da die Ölpreise relativ stabil waren, zahlte sich diese bisherige Strategie aus.

Hedging – Absicherung der Flugpreise

Die meisten Absicherungsprogramme von Fluggesellschaften sind an Rohöl-Benchmarks gekoppelt, nicht an den raffinierten Kerosinpreis, der tatsächlich in Flugzeugen verwendet wird. Unter normalen Marktbedingungen bewegen sich Rohöl- und Kerosinpreise in enger Korrelation, daher dient die Absicherung von Rohöl als sinnvoller Ersatz. Während die Rohölpreise seit Ende Februar 2026 um etwa ein Drittel gestiegen sind, haben sich die Preise für Kerosin mehr als verdoppelt. 

Europäische Fluggesellschaften gingen mit den stärksten Absicherungspositionen aller Regionen in die Krise. Laut Financial Times haben die europäischen Airlines im Durchschnitt rund 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für 2026 abgesichert. Dieser Schutz konzentriert sich jedoch auf den Anfang des Jahres und nimmt im Laufe des Jahres ab. Unter Europas Billigfluggesellschaften sicherte easyJet 84 % ihres Treibstoffbedarfs für das erste Halbjahr 2026 ab, im zweiten Halbjahr sinkt dieser Anteil auf 62 %. Ryanair hat unter den grossen europäischen Fluggesellschaften die stärkste Position. Die Airline hat 84 % des Treibstoffbedarfs für das laufende Quartal zu 77 US-Dollar pro Barrel und rund 80 % des Bedarfs für das nächste Geschäftsjahr zu etwa 67 US-Dollar pro Barrel gesichert. Bei den Spotpreisen von über 190 US-Dollar bedeuten diese Verträge enorme Einsparungen.

Die IAG, die Muttergesellschaft von British Airways, Aer Lingus und Iberia, ist für den Rest des Jahres 2026 zu 60 bis 70 Prozent auf dem Niveau vor der Krise abgesichert. Lufthansa hat alle neuen Absicherungsgeschäfte vorerst gestoppt, ist aber kurzfristig weiterhin gut positioniert: 82 % des laufenden Quartals und 77 % des restlichen Jahres 2026 sind zu Vorkrisenkursen abgesichert. Anders SAS: Die skandinavische Fluggesellschaft passte ihre Hedging-Strategie 2025 aufgrund unsicherer Marktbedingungen an und ging mit null Prozent abgesichertem Treibstoffverbrauch ins Jahr 2026. Seitdem musste sie die Kostensteigerungen direkt an die Passagiere weitergeben. Die Airline strich im April fast tausend Flüge und verlor dadurch Marktanteile an die Wettbewerber. 

Treibstoff-Engpässe

Die Treibstoffreserven der IAG werden für etwa fünf bis sechs Wochen reichen, bevor Engpässe den Flugbetrieb beeinträchtigen. Auch Ryanair warnt vor möglichen Lieferengpässen in Europa ab Mai und schätzte, dass 10 bis 25 % der Treibstoffversorgung von Ryanair im Mai und Juni gefährdet sein könnten. Asiatische und australische Fluggesellschaften stehen vor einem sich verschärfenden Problem. Zusätzlich zum Preisschock kämpfen die Fluggesellschaften in der Region mit kurzfristigen Treibstoffengpässen, die durch ihre Abhängigkeit von Rohöl aus dem Golf, verursacht werden. So vermeldet die Frankfurter Allgemeine «Der Luftfahrt geht das Kerosin aus»: Erste Flughäfen in Asien nehmen keine zusätzlichen Flüge mehr an. China exportiert aus seinen Raffinerien kein Kerosin mehr. Und Lufthansa schmiedet Krisenpläne. Im Ernstfall könnten bis zu 40 Flugzeuge zwangsweise am Boden bleiben.

Fazit

Flugpreiserhöhungen von 15 bis 20 Prozent sind schon Tatsache oder sind in naher Zukunft auch von Fluggesellschaften mit hohem Treibstoff-Hedging zu erwarten. Sollte die Strasse von Hormus nicht nachhaltig offen bleiben, nützen weder Absicherungsgeschäfte noch Preiserhöhungen etwas, wenn schlichtweg zu wenig Treibstoff vorhanden ist. Die Infrastruktur, die Öl und Gas auf die Schiffe produziert und transportiert, hat erhebliche Schäden erlitten, deren Umfang noch nicht vollständig bekannt ist. Lufthansa hat Szenarien vorbereitet, wo insgesamt 40 Flugzeuge vorübergehend ausser Betrieb gehen. Qatar Airways hat für April und Mai alle acht Airbus A380 gegroundet und 12.000 Flüge gestrichen.  Die Luftfahrt geht turbulenten Zeiten entgegen, kaum hat sie sich von der Pandemie erholt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Diesen Artikel kommentieren