So bringt man Menschen zum Gehen // Paket-Lieferung per Sonder-Tram // Die Details zum 49-Euro-Ticket

Mit diesem Tram werden in Schwerin jetzt Pakete transportiert. Bild: DHL

Forscher haben herausgefunden, welche politischen Massnahmen aktive Mobilität wirksam fördern. Ausserdem im wöchentlichen Blick aufs Ausland mit den Links zu spannenden Geschichten: In Schwerin kommen Pakete jetzt per Tram und das 49-Euro-Ticket in Deutschland startet vielleicht schon am 1. Januar.

von Stefan Ehrbar
4. November 2022

So geht Fussgänger-Förderung

Körperliche Inaktivität ist für sechs bis 10 Prozent der wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten verantwortlich. Je höher die Abhängigkeit in Städten vom Auto ist, desto tiefer ist die Quote von Menschen, die oft zu Fuss unterwegs sind. Je höher der Anteil des aktiven Verkehrs (im Gegensatz zum passiven Verkehr wie Autofahren) ist, desto tiefer ist die gesamte körperliche Aktivität.

In einer Metastudie, die im «Journal of Transport & Health» publiziert worden ist, wurde nun untersucht, welche Massnahmen dazu beitragen, das Zu-Fuss-Gehen und Velofahren zu fördern.

Die Autoren haben 51 Massnahmen auf ihre Wirksamkeit untersucht.

Besonders effektiv ist laut der Studie der Bau neuer Fussgänger- und Veloinfrastruktur. Solche Massnahmen hätten ein hohes Potenzial, die Zahl der Fussgänger und Velofahrenden zu erhöhen. Insbesondere beim Pendeln würden dank solcher Infrastruktur viele Menschen vom Auto wechseln, weil die Fortbewegung zur Arbeit mit dem Velo oder zu Fuss keine zusätzliche Zeit oder Motivation erfordert.

Positive Auswirkungen wurden auch für die Bereitstellung von ÖV-Infrastruktur wie neue Haltestellen und ein dichteres ÖV-Netz festgestellt. Ein besserer Zugang zum ÖV ermutigt Menschen, sich aktiv fortzubewegen.

Ebenfalls einen signifikant positiven Effekt auf die Teilnahme am aktiven Verkehr haben die sichere Stadt- und Strassengestaltung, die sichere Gestaltung von Parkplätzen, verkehrsberuhigende Massnahmen, eine Verringerung des Verkehrsaufkommens, eine Verringerung der Anzahl Parkplätze und Verbesserungen der Umsteigemöglichkeiten für Fussgänger und Velofahrer.

Zudem hilft auch die Bevorzugung von zu Fuss gehenden, Velofahrenden und ÖV-Nutzern gegenüber dem Auto, die aktive Mobilität zu fördern – genauso wie eine erhöhte Zahl von Parks, Grünflächen und Erholungsgebieten.

Keine schlüssige Evidenz fanden die Autoren hingegen für Massnahmen zur aktiven Verkehrspolitik im schulischen Umfeld. Die Fähigkeit einzelner Schulen, das Niveau der aktiven Mobilität auf dem Schulweg zu beeinflussen, sei begrenzt.

Dieses Tram liefert Pakete aus

Die Deutsche Post DHL Group setzt für die Lieferung von Paketen in Schwerin auf Trams. In der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns wurde letzte Woche offiziell der Pakettransport via «Paketbahn» gestartet.

Ab sofort würden auf der neuen Sonderlinie im Citybereich werktäglich rund 450 DHL-Paketsendungen transportiert, heisst es in einer Mitteilung. In der Tramfahrt mit den Paketen, die jeden Tag um 11.17 Uhr am DHL-Betriebshof startet, sind keine Passagiere an Bord. Das Tram stoppt an den Haltestellen Kieler Strasse, Platz der Freiheit und Hegelstrasse.

Dort werden die Pakete auf Packstationen verteilt. Dank diesem Konzept könnten Emissionen eingespart und Verkehre im Innenstadtbereich reduziert werden, heisst es in der Mitteilung. Die Anlieferung der Sendungen am Betriebshof erfolge CO2-neutral per Streetscooter.

«Mit einer guten Verknüpfung von handelnden Personen und Ideen haben auch Pakete und Päckchen einen sicheren Platz in der Bahn», wird Wilfried Eisenberg, Geschäftsführer der lokalen Verkehrsbetriebe NVS zitiert. «Den Halt an einer Haltestelle mit einer Paketannahme oder -abgabe zu verbinden, passt in unser Konzept, ein moderner und nachhaltiger Mobilitätsdienstleister zu sein.»

Die neue Zustellmethode ist Teil eines Projekts namens «Lieferverkehr der Zukunft für die Landeshauptstadt Schwerin». Bis 2035 sollen in dessen Rahmen umweltfreundliche Konzepte für den Lieferverkehr umgesetzt werden.

Ein ähnliches Projekt wollten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im Jahr 2017 mit der U-Bahn in Angriff nehmen, wie der «Deutschlandfunk» berichtete. Dazu kam es allerdings nie.

Das 49-Euro-Ticket kommt

Das diesen Sommer in Deutschland ausgegebene 9-Euro-Ticket, das die Benützung des öffentlichen Nahverkehrs für den Preis von 9 Euro pro Monat im ganzen Land ermöglichte, erhält einen Nachfolger. Das neue Ticket wird allerdings 49 Euro pro Monat kosten.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte bereits Anfang Woche mitgeteilt, er gehe von einer Einigung mit den Ländern aus. Der Bund hatte diesen signalisiert, mehr Geld für den Nahverkehr zu zahlen – nämlich eine Milliarde Euro jährlich an zusätzlichen «Regionalisierungsmitteln». Ab 2023 sollen diese Mittel zusätzlich jährlich um drei statt wie bisher um 1,8 Prozent erhöht werden. Mit diesen bestellen die Länder die Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen.

Zunächst war die Frage noch offen, ob diese Summe ausreicht, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Die Länder hatten nämlich eine Erhöhung von 1,5 Milliarden Euro von diesem Jahr an gefordert, um das 49-Euro-Ticket mitzufinanzieren.

Vorerst bleibt es allerdings bei der Milliarde. Über die weitere Entwicklung der Regionalisierungsmittel ab 2025 wollen der Bund und die Länder Ende 2024 diskutieren. Trotzdem haben sich beide Parteien auf die Einführung des Angebots geeinigt, wie am Mittwoch bekannt wurde. Der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach von der «grössten ÖPNV-Tarifreform in Deutschland».

Das Ticket wird die Allgemeinheit drei Milliarden Euro jährlich kosten, wovon der Bund und die Länder je die Hälfte bezahlen. Das digitale Ticket soll monatlich kündbar sein. Nach einem Jahr könnte es teurer werden, denn es ist geplant, den Preis in Form eines automatischen Inflationsausgleichs dynamisch zu gestalten.

Angestrebt wird eine Einführung per 1. Januar, es könnte aber auch später werden. Denn noch müssen Automaten umgestellt, Tarifsysteme angepasst und Beschlüsse in entsprechenden Gremien gefällt werden. Möglich ist deshalb auch, dass die Einführung erst am 1. März oder 1. April folgt.

«Bund und Länder tragen nun gemeinsam dem Willen der Menschen Rechnung, die eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie mehr Bus und Bahn fahren wollen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen», wird Dirk Flege, der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, in einem Artikel zitiert.

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