Der Bund stoppt einen Automatisierungs-Versuch der BLS – ist die Technologie bereits gescheitert? (Abo)

Verschwindet nicht so schnell: Lokführer. Bild: SBB

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) finanziert einen Versuch der BLS zur Automatisierung der Bahn nicht. Der Lokführerverband VSLF sieht die Technologie bereits am Ende: Trotz jahrelanger Versuche habe die Industrie keinen Mehrwert aufzeigen können. Die BLS und die SOB halten dagegen.

von Stefan Ehrbar
19. April 2022

Es ist ein Tod auf Raten. Im Juli 2020 pfiff das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Schweizer Bahnen mit ihren Projekten für automatisiertes Fahren zurück. Projekte im Bereich ATO («Automatic Train Operation») wurden seither zurückgestellt. Die Branche solle sich auf «anwendungsreife, erfolgsversprechende Teilprogramme konzentrieren», schrieb das BAV.  «Es besteht ein beträchtliches Risiko, dass die Komplexität der vielen miteinander verknüpften Vorhaben nicht beherrschbar ist.»


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Das Programm «Smartrail 4.0» der Bahnbranche, mit welchem der Bahnbetrieb modernisiert werden sollte und welches zu einem grossen Teil aus ATO-Projekten bestand, wurde mit wenigen Ausnahmen faktisch aufgelöst. Die Internetseite des Projekts ist  verschwunden. Die SBB stoppte alle ATO-Projekte, wie sie gegenüber der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV bekanntgab. Weiter entwickeln werde man aber Assistenzsysteme für das Lokpersonal. Auch die europäische Regulation und Standardisierung begleite die SBB weiter.

Die Südostbahn (SOB) gab im selben Artikel bekannt, an ihrem ATO-Projekt festzuhalten, aber im Gegensatz zu anderen Projekten wird dieses mit Rail Systems und Stadler auch von Industrieunternehmen und nicht von der Bahngesellschaft selbst entwickelt. Über das Projekt berichtete im Oktober 2021 auch die SRF-Sendung «10vor10» – mit wohl deutlich zu optimistischem Unterton, was die Möglichkeiten der Automatisierung in naher Zukunft betrifft.

Doch trotz der niederschmetternder BAV-Weisung haben die Bahnen ihre Automatisierungs-Träume noch nicht ausgeträumt – zumindest bis jetzt. Wie der Lokführerverband VSLF vor kurzem publik machte, hat das BAV ein weiteres Gesuch um Finanzierung eines Projekts im Bereich ATO abgelehnt. Die Berner Bahn wollte demnach den Nutzen von Fahrassistenzsystemen analysieren. «Die BLS argumentierte, dass die zunehmenden Dichte im Bahnbetrieb nur noch mit der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen bewältigt werden kann, die als erster Zwischenschritt für zukünftige Automatisierungen im Bahnbetrieb wie ATO dient», schreibt der VSLF. «Als Potenzial bei der Automatisierung werden die Bereiche Fahren, Abstellen und Rangieren genannt.»

Die Ablehnung des Antrags begrüsst der Lokführerverband. «Dass solche Fahrassistenzsysteme technisch machbar sind, ist unbestritten. Die weit wesentlichere Frage aber ist, ob diese Systeme auch den erwarteten Nutzen für die Bahnunternehmen bringen. Trotz jahrelangen Versuchen konnte die SOB bislang keine Wertschöpfung betreffend Kapazitätssteigerung nachweisen, im Gegenteil. Warum dies der BLS oder den Schmalspurbahnen bei RailPlus gelingen soll, ist nicht nachvollziehbar.»


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Weiter schreibt der VSLF: «Nachdem die Industrie trotz Milliardenbudget nach Jahren erfolgloser Versuche in Theorie und Praxis keinen effektiven Mehrwert für die Bahnen aufzeigen konnte, wäre es verantwortungslos, weitere Versuche zu finanzieren. Es wird höchste Zeit, diese veralteten Strategien zu hinterfragen. Für eine zukünftige Robustheit der Bahnen gibt es weitaus günstigere und effektivere Lösungen, die dank dem technischen Fortschritt bereits heute möglich sind.»

Was sagt die BLS zum Entscheid und warum hat das BAV das Gesuch abgelehnt? Was sagt die SOB? Mobimag hat nachgefragt. Die Antworten zeigen: Einig ist sich die Branche in Sachen ATO auch weiterhin nicht.


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